Redewendungen – Wortlaut, Bedeutung, Herkunft 

40 Redewendungen der deutsche Sprache.

Redewendungen sind laut Duden feste Verbindungen von Wörtern, die zusammen eine bestimmte, meist bildliche Bedeutung haben. Wir alle verwenden Redewendungen im Alltag. Und meistens kennen wir auch deren Bedeutung, sonst könnten wie sie ja nicht an passender Stelle einsetzen.
Häufig wissen wir allerdings nicht, woher die Redewendungen stammen und auf welchen Brauch oder welches Ereignis sie zurückzuführen sind.

Wir haben mal einige bekannte Redewendungen etwas genauer unter die Lupe genommen.

 

Inhalt

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

| Tomaten auf den Augen haben

Bedeutung: etwas nicht sehen, etwas übersehen

Herkunft: Im mittelalterlichen Spanien galt die Tomate lange Zeit als Frucht der Sünde. Betrüger, Diebe oder Ehebrecher, die den Urteilsspruch „Tomates en los ojos“ – „Tomaten auf die Augen“ zu hören bekamen, erlebten eine öffentliche Demütigung. Sie mussten wochen- manchmal auch monatelang mit vor die Augen gebundenen Tomaten herumlaufen, damit ihr Verbrechen für alle sichtbar war.

 

| Den Löffel abgeben

Bedeutung: Euphemismus für sterben

Herkunft: In früheren Zeiten bekam jeder Knecht auf einem Bauernhof leihweise einen Holzlöffel, den er immer bei sich trug. Wenn der Knecht verstarb, wurde sein Löffel von seinem Herrn an den nächsten Knecht weitergegeben.

 

| Jemandem auf den Leim gehen

Bedeutung: von jemandem betrogen, getäuscht, überlistet werden

Herkunft: Früher wurden Vögel gefangen, indem man Zweige mit Leim beschmierte, sodass die Tiere daran festklebten. Die Vögel wurden also von den Fallenstellern überlistet und gingen ihnen „auf den Leim“.

 

| Die Katze im Sack kaufen

Bedeutung: sich auf etwas Unbekanntes einlassen, etwas ungeprüft kaufen

Herkunft: Im Mittelalter betrogen Händler unachtsame Kunden oft damit, dass sie ihnen für das gezahlte Geld Katzen anstatt der begehrten Hühner, Ferkel oder Kaninchen unterjubelten.

 

| Jemanden an den Pranger stellen

Bedeutung: jemanden öffentlich beschuldigen

Herkunft: Im Mittelalter wurden bestimmte Verbrechen bestraft, indem man den Verurteilten auf einem öffentlichen Platz an einen Pfahl, den Pranger, kettete, damit er dem Gespött und dem Hohn der Bevölkerung ausgeliefert war.

 

| Nur Bahnhof verstehen

Bedeutung: nichts verstehen (wollen)

Herkunft: Im Ersten Weltkrieg war die Eisenbahn das wichtigste Transportmittel, um Waffen und Verpflegung an die Front zu bringen. Für die Soldaten waren Bahnhöfe jedoch ein Sinnbild für die ersehnte (möglichst unversehrte) Heimreise. Da sie oft an nichts anderes mehr denken konnten als ihren Wunsch auf Heimkehr, hatten sie nur noch den Bahnhof im Kopf und verstanden somit immer nur noch Bahnhof.

 

| Ein Brett vor dem Kopf haben

Bedeutung: schwer von Begriff sein

Herkunft: Früher befestigten Bauern an den Köpfen ihrer Ochsen häufig Bretter, um besser mit ihnen arbeiten zu können. Die Ochsen waren dann umgänglicher, wenn ihnen das Geschirr angelegt wurde, weil sie nicht sofort begriffen, was mit ihnen passierte. Mit einem Brett vor dem Kopf ist man redensartlich also dumm wie ein Ochse.

 

| Aller guten Dinge sind drei

Bedeutung: positive Darstellung von etwas, das erst im dritten Anlauf klappt

Herkunft: In der Rechtssprache der alten Germanen war „Ding“ der Ausdruck für eine Gerichtsverhandlung. Wenn ein Angeklagter dreimal vorgeladen wurde und nicht zum Termin erschien, konnte er in Abwesenheit verurteilt werden. Der Kläger gewann in dem Fall den Prozess, somit waren für ihn aller guten Dinge drei.

 

| Auf dem Holzweg sein

Bedeutung: im Irrtum sein

Herkunft: Der Holzweg war der Weg zu der Stelle, an der ein Baum gefällt wurde und von wo aus das Holz abtransportiert wurde. Wenn Wanderer dort auf die nächste Siedlung hofften, lagen sie falsch, sie waren also auf dem Holzweg.

 

| Das kommt mir spanisch vor!

Bedeutung: Das finde ich seltsam/unverständlich.

Herkunft: In der Regentschaft von Karl V., einem Spanier, der die deutsche Kaiserkrone trug, kamen die Deutschen in Berührung mit spanischen Sitten und spanischer Mode, die ihnen natürlich fremdartig und damit seltsam vorkamen.
Sie Spanier selbst nutzen übrigens die Redewendung „esto me suena a chin“ („das kommt mir chinesisch vor).

 

| Etwas ausbaden müssen

Bedeutung: die Konsequenzen für jemand anderen tragen

Herkunft: Im Mittelalter nutzten in öffentlichen Badestuben immer mehrere Personen hintereinander das Badewasser. Beim letzten Badegast war das Wasser nicht mehr besonders warm und auch nur noch bedingt sauber, er war somit derjenige, der den Bottich ausbaden musste.

 

| Einen Zahn zulegen

Bedeutung: schneller werden

Herkunft: Im Mittelalter hing der Topf bei der Zubereitung von Mahlzeiten an einer Schiene mit mehreren Zacken, auch Zähne genannt. Sollte das Essen schneller fertig werden, hängte man den Topf einen Zacken tiefer und somit näher ans Feuer.

 

| Aus dem Schneider sein

Bedeutung: eine schwierige Situation überwunden haben

Herkunft: Früher war der Beruf des Schneiders nicht besonders angesehen, weil Schneider angeblich nicht zum „richtigen“ Arbeiten taugten. Die Redewendung geht aufs Skatspielen zurück. Ein „Schneider“ war, wer weniger als die Hälfte der erforderlichen Punkteanzahl hatte. War man „aus dem Schneider“, hatte man bereits mehr Punkte erspielt.  

 

| Den Faden verlieren

Bedeutung: vergessen, was man sagen wollte

Herkunft: Wenn man früher beim Spinnen und Weben den Faden aus der Hand rutschen ließ, unterbrach das den Arbeitsfluss und bedeutete Zeitverlust.

 

| In die Binsen gehen

Bedeutung: kaputt gehen, zunichtegemacht werden

Herkunft: Binsen ist ein Ausdruck für Schilf. Wenn ein Jäger bei der Entenjagd  eine Wildente traf und diese im Schilf landete, konnte der Jagdhund sie nicht mehr finden, weil sie „in die Binsen“ gegangen war. 

 

| Etwas im Schilde führen

Bedeutung: etwas planen / beabsichtigen

Herkunft: Auf dem Schlachtfeld war der Schild nicht nur zur Verteidigung wichtig. Er zeigte auch Symbole, Wappen und Informationen über die Herkunft seines Trägers. Dadurch konnte man erkennen, wer Freund war und wer Feind, was durch die Rüstung nicht immer zu sehen war.

 

| Sich den Löwenanteil sichern

Bedeutung: das größte und begehrteste Stück bekommen

Herkunft: Nach einer griechischen Fabel gingen Löwe, Fuchs und Esel gemeinsam auf die Jagd. Durch seine Stärke bekam der Löwe den größten Anteil der Beute.

 

| Etwas auf Vordermann bringen

Bedeutung: Ordnung schaffen

Herkunft: Beim militärischen Antreten müssen sich Soldaten am Nebenmann ausrichten, aber vor allem auch am Mann in der vorderen Reihe, dem Vordermann, damit alles seine Ordnung hat.

 

| Einen Korb bekommen

Bedeutung: abgelehnt werden

Herkunft: Edle Burgfräuleins zogen früher ihre heimlichen Liebhaber in einem Korb herauf in ihre Gemächer. Hatten sie kein Interesse mehr an dem jeweiligen Mann, schickten sie einen Korb ohne Boden hinunter, damit der Verehrer verstand, dass er abgelehnt worden war.

 

| Etwas springen lassen

Bedeutung: etwas für einen anderen ausgeben/bezahlen

Herkunft: Früher ließ beinahe jeder Kaiser eigene Münzen prägen, viele waren allerdings wertlos. Um Münzen auf Echtheit zu überprüfen, ließ man sie über den Tisch oder Tresen springen. Geübte Ohren konnten echte von falschen Münzen am Klang unterscheiden.

 

| Seine Pappenheimer kennen

Bedeutung: wissen, wie die Leute um einen herum denken und handeln

Herkunft: Der Reitergeneral Gottfried Heinrich zu Pappenheim nannte sein treues Regiment „die Pappenheimer“. Schiller verwendete den Ausdruck in seinem Drama „Wallenstein“.

 

| Jemandem etwas in die Schuhe schieben

Bedeutung: jemandem die Schuld für etwas geben

Herkunft: In früheren Zeiten gab es für Reisende große Schlafsäle, vor denen alle Schuhe abgestellt wurden. Diebe versteckten gestohlene Dinge oft in den Schuhen anderer Leute, um bei einer nächtlichen Durchsuchung selber als unschuldig zu gelten.

 

| Jemanden in die Wüste schicken

Bedeutung: jemanden wegschicken/loswerden

Herkunft: Das Volk Israel übertrug einmal jährlich symbolisch alle seine Sünden auf einen Ziegenbock, der dann in die Wüste geführt und dort zurückgelassen wurde. Danach war das Volk von seinen Sünden befreit.

 

| Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Bedeutung: zuerst da, zuerst dran

Herkunft: Im Mittelalter war es eine der ersten demokratischen Regeln, dass sich an Mühlen alle in einer Reihe anstellen mussten. Das galt sogar für den Fürsten.

 

| Die Flinte ins Korn werfen

Bedeutung: aufgeben

Herkunft: Soldaten waren im 17. Und 18. Jahrhundert häufig Söldner, die beim Militär schnelles Geld verdienen wollten. Sterben wollten sie allerdings nicht. Sobald sich eine Niederlage abzeichnete, rannten sie davon, nachdem sie ihre Flinten ins nächste Kornfeld geworfen hatten.

 

| Jemanden mit etwas abspeisen

Bedeutung: jemandem weniger zukommen lassen, als er sich erhofft bzw. erwartet hat

Herkunft: Ein landwirtschaftlicher Brauch, nach dem ein Brautwerber durch eine minderwertige Mahlzeit darüber informiert wurde, dass er abgelehnt wurde.

 

| Sich etwas aus dem Ärmel schütteln

Bedeutung: sich schnell etwas ausdenken/etwas erfinden

Herkunft: Beim Kartenspiel wurden gute Karten im Ärmel versteckt, damit man diese bei Bedarf hervorholen konnte, um die Gewinnchancen zu erhöhen. Noch älter ist die Erklärung, dass Gewänder früher sehr weite Ärmel hatten, um sich darin einerseits die Hände zu wärmen, andererseits aber auch, um kleine Gegenstände darin zu verstecken, die man dann irgendwann aus dem Ärmel schüttelte. 

 

| Kein Blatt vor den Mund nehmen

Bedeutung: Klartext reden/zu seiner Meinung stehen

Herkunft: Im Theater der Antike verbarg ein Feigenblatt das Gesicht des Schauspielers, sodass dieser nicht für seine Worte zur Rechenschaft gezogen werden konnte.

 

| Alles in Butter

Bedeutung: alles in Ordnung

Herkunft: Wertvolle Güter (z. B. Porzellan) wurden früher in Kisten mit flüssiger Butter eingegossen. Nachdem die Butter hart geworden war, war die Ware beim Transport vor dem Zerbrechen geschützt.

 

| Unter einer Decke stecken

Bedeutung: heimlich oder verborgen mit jemandem zusammenarbeiten

Herkunft: Im germanischen Eherecht galt die Ehe als geschlossen, wenn sich die Neuvermählten in Gegenwart von Zeugen unter eine gemeinsame Decke legten.

 

| Sein Fähnlein nach dem Wind drehen

Bedeutung: sich opportunistisch verhalten

Herkunft: Das Windrad von Windmühlen wurde immer in den Wind gestellt, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen.

 

| Sich mit fremden Federn schmücken

Bedeutung: den Erfolg eines Anderen für den eigenen ausgeben

Herkunft: Besonders tapfere Indianer bekamen eigens für sie gefertigten Federschmuck, den sonst niemand aus dem Stamm tragen durfte.

 

| Jemandem den Fehdehandschuh hinwerfen

Bedeutung: mit jemandem Streit anfangen/jemanden herausfordern

Herkunft: Im 18. Jahrhundert war es üblich, dem Gegner einen Handschuh aus Stoff ins Gesicht zu schlagen und ihn auf diese Art zum Duell herauszufordern.

 

| Weg vom Fenster sein

Bedeutung: nichts mehr zu sagen haben bzw. tot sein

Herkunft: Kumpel, die im Bergbau unter Tage arbeiteten, genossen ihren Feierabend am Fenster, um die Sonne zu genießen. War einer nicht mehr am Fenster zu sehen, war er krank oder tot.
Eine andere Erklärung besagt, dass mächtige Herrscher sich dem Volk am Fenster zeigten. Demnach bedeutet „weg vom Fenster sein“ also, nicht mehr im Mittelpunkt, im Rampenlicht zu stehen.

 

| Ins Fettnäpfchen treten

Bedeutung: sich blamieren/etwas Peinliches tun

Herkunft: Zwischen Tür und Ofen stand in alten Bauernstuben ein Fettnapf, damit nasse Stiefel wieder eingefettet werden konnten. Dort sollte man nicht aus Versehen hineintreten.

 

| Weder Fisch noch Fleisch sein

Bedeutung: nichts Halbes und nichts Ganzes

Herkunft: In der Reformationszeit gab es viele Wankelmütige, die nicht wussten, ob sie katholisch bleiben oder evangelisch werden wollten, daraus entstand die Redewendung.

 

| Einen Frosch im Hals haben

Bedeutung: heiser/unter Beschwerden sprechen

Herkunft: Der medizinische Begriff Ranula bezeichnet eine Froschgeschwulst im menschlichen Rachen. Beim Anschwellen hat es Ähnlichkeit mit einem Frosch.

 

| Auf großem Fuß leben

Bedeutung: über seine Verhältnisse leben

Herkunft: In Frankreich bedeutete in vergangenen Zeiten eine überdimensionierte Schuhgröße besonders viel Ansehen.

 

| Etwas auf die Goldwaage legen

Bedeutung: etwas ganz genau nehmen/etwas zu wichtig nehmen

Herkunft: Früher war die Goldwaage eines der genauesten Messgeräte, das schon bei den kleinsten Mengen anschlug.

 

| Für jemanden die Hand ins Feuer legen

Bedeutung: für jemanden bürgen/jemandem voll und ganz vertrauen

Herkunft: Gaius Mucius Scaevola soll der Sage nach Rom gerettet haben, indem er seine Hand über einem offenen Feuer verbrennen ließ, um durch seinen Mut den Gegner zu beeindrucken.

40 Redewendungen als PDF kostenlos herunterladen:

40 Redewendungen der deutschen Sprache - content.de Aktiengesellschaft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.