Mit Motivation, Konzept und Struktur zu guten Texten

Mit Konzept und Struktur zu guten TextenOb ein Text wirklich gut ist, kann man meistens erst beim Lesen des letzten Absatzes feststellen. Einen schlechten Text erkennt man oft bereits am ersten Absatz. Was zeichnet einen guten Text aus?

 

 

  • Der Leser liest den Text bis zum Schluss und hat nicht das Gefühl, Zeit verschwendet zu haben.
  • Der Leser hat das Gefühl, gut durch die Thematik geführt worden zu sein.
  • Im Text hat der Leser Mehrwerte gefunden, oder zumindest Bekanntes so gut aufgearbeitet, sodass er den Text weiterempfehlen würde.

Drei Bausteine können einen entscheidenden Beitrag dazu liefern, einen erfolgreichen Text zu schreiben:  die richtige Motivation, ein gutes Konzept  und die passende Struktur.

Motivation

Motivation kommt von innen, Sie können einen Mitarbeiter nicht motivieren, nur bestechen oder bedrohen. “Diese provokant drastische Aussage bekamen wir kürzlich in einem interessanten Vortrag von Dieter Lange zu hören. Der Psychologe unterscheidet zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Die  intrinsische Motivation wir durch Interesse, Spaß oder auch Wut befeuert. Die extrinsische Motivation erfolgt indirekt durch das Erreichen von Belohnungen oder Vermeiden von Bestrafungen. Übersetzt auf die Texterstellung kann man sagen: „Man kann einen Autor nicht dazu zwingen, einen guten Text zu schreiben“.

Einem Text kann man sehr leicht ansehen, ob er extrinsisch oder intrinsisch motiviert geschrieben wurde. Hat der Autor etwas zu sagen, begeistert er sich und andere für das Thema, schreibt er sich in Rage, oder arbeitet er nur lustlos Vorgaben ab, um auf die festgelegte Wortanzahl zu kommen. Einen extrinsisch motivierten Text erkennt man oft daran, dass Headline, Subheadline und Text nicht wirklich zusammenpassen. „Thema verfehlt“ würde der Deutschlehrer an den Rand schreiben. Mit inhaltsleeren Füllsätzen versucht der Autor, fehlendes Interesse am Thema zu überdecken.  Der Text wird nicht wie „aus einem Guss“.

Ein guter Autor  schafft es, seinem Text nicht anmerken zu lassen, ob er extrinsisch oder intrinsisch motiviert ist.

Möglicherweise ist die Motivation auch ein Unterscheidungskriterium: Bei extrinsischer Motivation ist man Texter, bei intrinsischer Motivation ein Autor.

Auf einer Marktplatzplattform wie content.de ist der Großteil der angebotenen Texte erst mal extrinsisch motiviert: Es gibt Geld pro geschriebenem Wort. Die Kunst ist es, die Texte aus dem Angebot auszuwählen, in denen man auch eine intrinsische Motivation finden kann. Das Feature Themenvorschläge ermöglicht es Autoren, auf content.de auch intrinsisch motivierte Texte zu verfassen.

Konzept

Stimmt die Motivation, ist es notwendig, das Ziel des Textes für sich in einem Satz zu formulieren. Dazu muss man sich folgenden Fragen beantworten

  • Was will ich erreichen?
  • Was soll der Leser nach dem Lesen des Textes als  Essenz mitnehmen?
  • Worüber soll er nach dem Lesen anders denken als vor dem Lesen?

Pflicht ist es, dieses Ziel aufzuschreiben,  in konkrete Worte zu fassen und sich auf die wesentlichen Zielaussagen zu fokussieren.  Für viele eine erschreckend schwierige Aufgabe. Oft glaubt man genau zu wissen, was man will, bemerkt beim niederschreiben jedoch, dass viel mehr Dinge unklar sind, als gerade eben noch angenommen.

Um das Text-Ziel zu erreichen, benötigt man ein gutes Konzept für den Text, um den Leser zu fesseln und durch den Text zu führen. Das Konzept beginnt in vielen Fällen bei der Überschrift, setzt sich in der Einleitung fort und findet seinen Abschluss in einem passenden Ausstieg aus dem Text.

Gesucht wird zuerst ein Aufhänger, der die Geschichte trägt. Das kann z.B. eine Anekdote, ein konkretes Beispiel, ein Erlebnis oder ein bekanntes Problem sein. Der Einstieg dazu liegt meist bereits in der Überschrift.

Mit einer Überschrift können Sie:

  • den Leser neugierig machen („Warum man dienstags nicht zum Zahnarzt gehen sollte“)
  • provozieren („iPhone Besitzern mangelt es an Selbstbewusstsein“)
  • eine Lösung versprechen („So senken Sie Ihre Retourenquote um 50%“)
  • Mehrwerte versprechen („10 Fehler die Sie als Shopbetreiber vermeiden wollen“)
  • ein Problem thematisieren („Warum viele Unternehmensgründungen scheitern“)

Wichtig ist, dass der Leser nach Überschrift und erstem Absatz wissen muss, um was es in dem Text geht.

Struktur

Ein guter Text folgt einem durchdachten Aufbau. Viele Autoren machen den Fehler und fangen einen Text vorne an und hören hinten auf zu schreiben. Großer Fehler! Ein Text sollte mit einem Grundriss beginnen, der auch gleich eine Ideensammlung darstellt.

Zuerst wird eine Grobgliederung mit (möglichen) Zwischenüberschriften erstellt. Zu diesen Zwischenüberschriften sammelt man – am besten in Form von Bullet-Points – Stichpunkte und Ideen. Das kann bis zu Formulierungen und Skizzen von Beispielen reichen.

Beim Anwachsen dieser Grobgliederung sieht man schnell, wo Abschnitte in der Struktur fehlen und ob Abschnitte ggf. anders positioniert werden müssten. Gleichzeitig erkennt man auch die Bereiche, bei denen die Ideen und Formulierungen nur so aus einem heraussprudeln (der Kür-Teil) und in welchen Bereichen der Text in Fleißarbeit ausarten wird (der ungeliebte Pflicht-Teil).

Steht das Grundgerüst des Textes, kann man je nach Lust und Laune beginnen, einzelne Abschnitte auszuformulieren. Dabei werden oft die Stichpunktsammlungen in anderen Abschnitten ergänzt oder auch gekürzt. Abschnittsweise und nicht unbedingt linear zu schreiben, hat den Vorteil, dass man den Schwung, den man beim Schreiben eines Abschnittes, der dem Autor am Herzen liegt („Das muss mal gesagt werden!“) nutzen kann, um direkt im Anschluss einen „Fleißabschnitt“ abzuhandeln. Abschnittsweises Schreiben kann allerdings nur funktionieren, wenn man tatsächlich ein Textkonzept mit passender Struktur entwickelt hat und es gemeinsam mit dem Ziel des Textes vor Augen hat.

Fleiß und Mut

Zwei Eigenschaften sind in der Ankündigung nicht explizit erwähnt worden, die wesentlich am Gelingen eines guten Textes beteiligt sind: Fleiß und Mut, eigentlich muss man hier schon von Tugenden sprechen. Motivation, Konzept und Struktur stehen am Anfang eines guten Textes. Dann folgt auch für gute Autoren Fleißarbeit, denn nicht alle Abschnitte einer guten Strukturvorgabe schüttelt man aus dem Handgelenk. Kernaussagen sind schnell formuliert. Ein- und Überleitungen tropfen oftmals nur zäh aus der Feder. Ein gutes und überzeugendes Beispiel zu finden, kann ein langer und quälender Prozess sein. Mut zum Loslassen benötigt man, wenn es darum geht den Text zu straffen und unnötige Umwege oder Abschweifungen zu entfernen. Hier gilt es hart zu sich selbst zu sein und liebgewordene Formulierungen oder Absätze zu streichen, wenn Sie nicht 100% zum Thema passen. „L’art pour l‘art“ ist in der Belletristik erlaubt, hat in einem guten Blogbeitrag jedoch wenig zu suchen. Ebenso wenig hat die Prahlerei mit Wissen (Guck mal, was ich alles weiß“) in einem guten Text etwas zu suchen. Auch wenn man auf dem Weg zur Idee zu einem Text oder bei der Recherche viele interessante Dinge gelernt hat, gilt es diese für sich zu behalten und sie nicht zu Lasten eines klaren Textes irgendwie unter die Überschrift des Textes zu quetschen.

Ein guter Text ist das Ergebnis klarer Planung und der schweißtreibenden Umsetzung von Pflicht und Kür

Auch wenn es ernüchternd klingt: ein guter Text basiert auf der richtigen Motivation und ist das Ergebnis einer guten Planung gefolgt von Schweiß und Tränen. Ohne ein Konzept und ohne eine passende Struktur, wird kaum ein Leser den Gedanken des Autors folgen können. Konzept und Struktur erleichtern das Schreiben ungemein. Die alte Weisheit  „vor der Kür kommt die Pflicht“ kann man durch abschnittsweises Schreiben  mildern zu „ohne Pflicht keine Kür“. Im Idealfall legt man die erste Textversion  beiseite und schläft eine Nacht darüber. So fällt das Loslassen von liebgewonnenen aber trotzdem verzichtbaren Textpassagen auch gleich leichter.

 

Bildnachweis: © alphaspirit – Fotolia.com

One thought on “Mit Motivation, Konzept und Struktur zu guten Texten

  • 30. August 2013 at 18:28
    Permalink

    Hallo!
    Danke für die ausführliche Beschreibung des Vorgangs, an dem Autoren wir täglich so hart dran sind. Zum Thema Motivation kann ich mittlerweile sagen, dass ich sie in manchen Fällen mental selber erschaffe, mich also zur intrinsischen Motivatorin mache. Wie das geht? Ich beherzige bzw. rekapituliere Tricks bzw. Anweisungen wie diese: „Sie sind der Möbelverkäufer“. Fand ich klasse und überaus nützlich, als ich mich daran machte, all die Barhocker, Sitzsäcke und Truhen als „meine“ zu beschreiben. Wenn man sozusagen in andere Rollen (und damit auch in ganz neue Gebiete) schlüpft, macht das Texten außerdem noch mehr Spaß.
    Mit motivierten Grüßen: Bea

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