Interview mit Starfotograf Felix Rachor

Gefragt wie nie zuvor: hochwertige Inhalte im Web!

Felix Rachor ist als Beauty-Fotograf schon seit 20 Jahren aktiv und lebt, wie auch die Texter von content.de, von seinem guten Content. Sein Content beschränkt sich nicht nur auf hochwertige Fotos, sondern umfasst auch Schulungen, die er sowohl als Präsenzschulungen und Coachings als auch in Form von Videotutorials, aktuell einer umfangreichen Masterclass, anbietet. Grund genug für content.de, unseren Lesern den erfolgreichen Fotografen näherzubringen und mit ihm über hochwertigen Content im Web zu sprechen. 

content.de:
Felix, zunächst einmal vielen Dank für Deine Bereitschaft, ein Interview mit uns zu führen. Ein Großteil unserer Texter hat mit Sicherheit schon irgendwo einige Deiner Bilder wahrgenommen, ohne diese mit Deinem Namen in Verbindung bringen zu können. Daher die Frage: Wer ist Felix Rachor und welche Deiner Bilder werden vermutlich die meisten schon einmal gesehen haben?

Felix Rachor:
Zum einen habe ich viel für Magazine wie „In“, „InStyle“, „Gala“ und „Closer“ gearbeitet. Oder auch mal für den Stern. In den meisten Fällen waren das Promi-Shootings. Ansonsten verdiene ich mein Geld vor allem mit Foto-Kampagnen, die häufig auf Messen zu finden sind. Den Großteil meiner Arbeit machen aber Shootings mit Influencern aus. Die Ergebnisse findet man dann in der Werbung bei Douglas, Rossman oder auch auf diversen Beauty-Messen. Auch für Joop habe ich schon gearbeitet. Der ein oder andere hat bestimmt schon ein paar Bilder von mir gesehen. Auch Fototechnik-Hersteller wie Canon oder Adobe publizieren zwischendurch mal meine Bilder.

content.de: 
Du wurdest laut eigener Aussage durch Deine Eltern sehr lange von den Medien und „moderner Technik“ ferngehalten. Benötigt man als Fotograf heutzutage diese Medien und Werkzeuge, um erfolgreich sein zu können, oder wird Technik überbewertet? Denn ein gutes Bild entsteht ja nach wie vor durch den Fotografen und nicht die Kamera.

Felix Rachor:
Auf jeden Fall benötigt ein Fotograf diese Technik und man muss schon ständig up to date sein, um in der Branche mithalten zu können. Die Technik entwickelt sich extrem schnell weiter. Spiegellose Kameras sind zum Beispiel derzeit auf dem Vormarsch. Wer als Hersteller da nicht mitzieht, ist ziemlich schnell raus. Als Fotograf muss man sich mit dem neuesten technischen Equipment zwar auskennen, das ist aber definitiv nicht das Wichtigste.

Ich denke, ich bin mit einem Generationskonflikt groß geworden. Damals haben meine Eltern versucht, das zu tun, was sie für das Beste für mich hielten. Ich würde es in der heutigen Zeit wieder ganz anders machen. Ich würde meinen Kindern Medien und die „moderne Technik“ nicht verwehren, allerdings sollte eine Mediennutzung in Maßen stattfinden. 

content.de:
Über das Web werden Produkte und Dienstleistungen verkauft. Hierzu wird immer mehr Content im Web zur Verfügung gestellt. Ein Umstand, der den Informationen Suchenden die Schweißperlen auf die Stirn treibt und eine Internetrecherche nach den wirklich substanziellen Inhalten zunehmend zeitaufwändiger werden lässt. Auch für den Bereich Fotografie findet der Fotografie-Interessierte unzählige Texte bis hin zu aufwändigen Videotutorials auf YouTube. Doch wie kann der Suchende wertvollen Foto-Content von einer reinen Selbstdarstellung unterscheiden? 

Felix Rachor:
Kurz gesagt: Content is King. Wer wenig postet, aber dafür hochwertigen Content, setzt sich am Ende durch. Es ist mittlerweile enorm schwer, sich mit guten Inhalten zu behaupten. Denn es gibt international verdammt gute Jungs, die teilweise mit Teams von 10 Leuten Content produzieren, mit der besten Technik und dem besten Know-how, das man sich vorstellen kann. Solche Leute dominieren den Markt. Also wenige Posts, dafür hochwertiger Inhalt ist sicherlich ein Qualitätsmerkmal. Um guten Foto-Content zu finden, sollte man sich einfach mal ein paar Leute herauspicken und sie eine Zeit lang beobachten. Gute Künstler im Fotografie-Bereich launchen in der Regel irgendwann mal ein Produkt, lassen ihre Follower an der Entstehung teilhaben und präsentieren das Ergebnis voller Stolz.

content.de:
Wie siehst Du die Filter von Instagram und Co.? Jedes Handyfoto wird per Klick oder Swipe aufgepeppt und selbst die Gesichter von 50-jährigen Frauen wirken babyglatt. Wie wirkt sich das auf unsere Wahrnehmung aus und was bedeutet das für die Erwartungshaltung an ein gutes Bild? Müssen Porträts nun gänzlich faltenfrei und Landschaftsaufnahmen kontrastreich und extrem scharf sein, um damit noch bei der Allgemeinheit punkten zu können? 

Felix Rachor:
Sehr gute Frage. Dieses Thema wird sehr kontrovers diskutiert. Ich halte mich aus solchen Diskussionen weitestgehend raus, denn im Grunde gibt es Schlimmeres als faltenfreie Gesichter. Wenn die Leute mit einem Filter über dem Gesicht glücklicher sind, sollen sie es machen. Im Profi-Bereich ist es Fakt, dass Bilder mit Photoshop unterschiedlich stark bearbeitet werden. Das bestimme aber nicht ich als Fotograf, sondern immer der Kunde. Es ist nun mal so, dass bei einem Influencer, der am Ende auf einem Werbeplakat bei Douglas zu sehen ist, die Pickel wegretuschiert werden müssen. Das Gesicht muss so aussehen, dass die Zielgruppe sich damit identifizieren kann. Es geht letztendlich nur darum, dass das Produkt sich verkauft. Natürlich gibt es auch die andere Seite. Die Vogue zum Beispiel zeigt sehr viel Falten und Unretouchiertes, was ich sehr gut finde. Es ist wichtig, dass man dem Trend zeigt, dass man auch schön ist, wenn man nicht bearbeitet ist. Wenn sich die Leute jetzt darüber aufregen, dass das alles Fake ist, sollten sie sich überlegen, dass überarbeitete Bilder in manchen Fällen einfach schöner anzusehen sind. Ich glaube nicht, dass jemand auf der Packung einer Tiefkühlpizza lieber das Bild des tatsächlichen Inhaltes hätte als das überabeitete.

content.de:
Fotografen findet man heute über die Social Media, als Erstes sind sicherlich Facebook und Instagram zu nennen. Vermehrt treten „Hobbyknipser“ und semiprofessionelle Fotografen in Konkurrenz zu Profi-Fotografen. Hat sich der Markt für Fotografen verändert? Sind hier Preiskämpfe zu spüren bzw. ist ein sinkendes Preis-/Qualitätsniveau zu beklagen? 

Felix Rachor:
Fotografen, egal ob Profi oder nicht, präsentieren sich heute primär auf Instagram. Facebook ist sozusagen von gestern. Das Wort „Hobbyknipser“ klingt sehr negativ. Das würde ich so gar nicht benutzen. Fotografie ist ein schönes Hobby. Und selbst wenn ich ein schlechter Fotograf bin und Lust habe, mit der Kamera rauszugehen, einfach ein paar Bilder zu machen und nachher auch zu präsentieren, warum denn nicht? Ich würde das niemals verurteilen. Preiskämpfe sind in der Fotografie immer sehr deutlich zu spüren gewesen. Die Entwicklung der Technik vereinfacht es natürlich, schon für relativ wenig Geld eine Top-Qualität zu erzielen. Viele Influencer verdienen mit Handyfotos ihr Geld. Warum denn nicht? Mein Handy macht auch eine Mörder-Qualität. Natürlich ist der Markt dadurch kleiner und intensiver geworden. Qualität allein reicht nicht mehr aus. Wenn man sich am Markt behaupten will, muss man kreativ sein und über die Fotografie hinausdenken. Man muss Geschichten erzählen, die Leute mitnehmen und sich einfach auch mal verändern. Ich finde es wichtig, seine Grundexistenz zwischendurch mal zu überdenken, ob man eventuell noch etwas anderes machen könnte.

content.de:
Mit Deiner Masterclass bietest Du eine Schulung an, mit der Du interessierte Fotografen von null auf hundert bei der Postproduction (Bildbearbeitung) verhelfen willst. Dein Versprechen: Der Absolvent ist ohne Vorkenntnisse anschließend in der Lage, Bilder auf Deinem Niveau zu fertigen. Ziehst Du damit nicht den Ärger professioneller Fotografen auf Dich? Wie weit geht die Bereitschaft unter Fotografen, Tipps & Kniffe weiterzugeben?


Felix Rachor:
Ich biete mit meiner Masterclass auf jeden Fall eine Schulung an, die für jeden geeignet ist, der meine Fotografie und meine Bearbeitungsweise gut findet. Wer auf meine Webseite geht und meine Sachen richtig geil findet und wissen möchte, wie ich Dinge bearbeite, für den ist meine Masterclass genau das Richtige. Da ich mit großen Kunden arbeite, die Techniken ziemlich gut beherrsche und außerdem über 12 Jahre Schulungserfahrung verfüge, denke ich, dass ich den besten Fotografiekurs anbiete, den man auf dem deutschen Markt im Bereich Beauty, Porträt und Retusche aktuell bekommt. 

Die Bereitschaft unter Fotografen, Tipps und Kniffe weiterzugeben, ist auf jeden Fall da. Prinzipiell findet man viel im Netz. Allerdings bezweifle ich, dass Profifotografen so viel Zeit haben, Videos zu drehen, um ihre Arbeit zu zeigen. In den meisten Fällen sind das Leute, die schnell irgendwie Kohle machen wollen. Oft merkt man, dass es sich nicht um Fotografen handelt, sondern um Computerexperten, die sich lediglich mit der Technik auskennen. Ich habe aber auch schon von sehr großen Firmen Tutorials gekauft, einfach um zu sehen, was die so anbieten. Meistens war ich enttäuscht. Das Problem ist, dass viele Profis keinen Bezug mehr zum Anfänger haben und Dinge nicht gut vermitteln können. Wenn man so etwas machen möchte, sollte man sich den Dozenten genau anschauen: Wie kontinuierlich ist die Arbeit? Und vor allem: Für welche Kunden arbeitet derjenige?

content.de
Wie wichtig sind Deiner Meinung nach Influencer? Gerade hier läuft ja auch fast alles über Fotos. Können diese einen Dienstleister oder Produktanbieter wirklich beim Absatz unterstützen? Mir ist noch das Beispiel mit Elle Darby und dem irischen Hotelier im Kopf geblieben. Alle Influencer letztlich nur Schmarotzer?


Felix Rachor:
Ich schlage mich an der Stelle gerne auf die Seite der Influencer. Ich finde es völlig legitim, überall mal anzufragen. Natürlich kratzt es ein bisschen an der Ehre eines Hoteliers, wenn der Influencer vielleicht nicht ganz so bekannt ist und das Hotel relativ groß ist. Aber sich darüber so aufzuregen wie im Fall von Elle Darby, finde ich völlig übertrieben.

Ich denke, dass sich da noch einiges entwickeln wird. Unternehmen werden immer feiner aussieben unter den Influencern und die Qualität des Inhalts wird die Zukunft des einzelnen Influencers bestimmen.

content.de:
Welche fünf Tipps für guten Content hast Du abschließend für unsere Leser? Was muss Content haben und wie muss er gestaltet sein, damit man seine Zielgruppe erreicht und Conversions erzielt? 

Felix Rachor:

#1 

Erzähle deine Geschichte! Wer sich auf einer Plattform präsentiert, muss eine Geschichte haben, der die Follwer folgen können. Man muss verstehen können, was für ein Mensch hinter dem Präsentierten steckt, was er macht, wofür er einsteht, woran er bastelt, was seine Ziele sind.

#2

Den Content, den du raushaust, solltest du gut moderieren. Such dir ein Thema heraus und schleife das durch den Tag. Erzähle was dazu, schneide ein Video dazu, poste Fotos. Niemals hunderttausend verschiedene Sachen auf einmal machen.

#3

Poste regelmäßig etwas. Wenn deine Follower wissen, dass von dir jeden Sonntag um 18 Uhr etwas kommt, hält sie das bei der Stange. Ich persönlich poste jeden Tag etwas. Ich merke, dass das etwas bringt.

#4

Weiterbildung ist sehr wichtig! Nimm dir Zeit, um neue Sachen zu lernen, die kannst du dann weiterverarbeiten. Ansonsten wird dein Content nämlich relativ schnell langweilig.

#5

Dein Content sollte schocken beziehungsweise geil sein! Mach was Geiles, erleb was Geiles, versuch neue Sachen, von denen du nicht weißt, ob du das schaffst, und versuch komplett neue Wege zu gehen. Alles andere ist boring as hell.

Vielen Dank für das Interview und die Möglichkeit, einige Deiner Arbeiten in unserem Blog zeigen zu können!

Weitere Informationen zu Felix Rachor findet man auf seiner Webseite, seinem Facebook- sowie seinem Instagram-Account:

Digital-Gipfel 2019 und Digitale Woche in Dortmund

Bundesminister Hubertus Heil im Gespräch mit content.de Autorin Irina Kretschmer. Foto: BMWi/BILDKRAFTWERK/Peter-Paul Weiler

Digital-Gipfel in Dortmund

Unfreiwillige Medienaufmerksamkeit erlangte der diesjährige Digital-Gipfel der Bundesregierung durch den Sturz unseres Wirtschaftsministers Peter Altmaier von der Bühne. Zu Unrecht war der Gipfel daher primär aus diesem Grund in den Nachrichten vertreten. Dabei hätte das zentrale Thema des Dortmunder Gipfels auch berichtenswert sein können. Es ging um die immer relevanter werdende Plattformökonomie, zu der auch content.de zu rechnen ist.

Sinn und Zweck des Digital-Gipfels ist es in jedem Jahr, den Stand von Forschung und Wissenschaft zum Thema Digitalisierung und das Engagement der Bundesregierung und der Wirtschaft, vertreten durch den Branchenverband bitkom, zu präsentieren. Daher setzen sich die geladenen Besucher auch primär aus Vertretern von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zusammen.

Paneldiskussion mit dem Bundesminister für Arbeit und Soziales

Das Podium v. l.: Lars Gaede (Moderator), Andreja Schneider-Dörr (Doktorandin Universität Bremen), Dr. Arne-Christian Sigge (Vorstand content.de AG), Hubertus Heil (Bundesminister für Arbeit und Soziales), Irina Kretschmer (Autorin bei content.de), Six Silberman (IG Metall) und Geraldine de Bastion (Moderatorin). Foto: BMWi/BILDKRAFTWERK/Peter-Paul Weiler

Nachdem der Vorstand von content.de im Sommer bereits mit zwei Autorinnen an einem viertägigen Workshop der Denkfabrik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Thema Plattformarbeit teilgenommen hatte, wurden wir eingeladen, an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Gute Arbeit in der Plattformökonomie“ zusammen mit dem Bundesminister Hubertus Heil teilzunehmen. Neben unserer Autorin Irina Kretschmer, Dr. Arne-Christian Sigge aus dem Vorstand der content.de AG und Six Silbermann von der IG Metall nahm noch Andreja Schneider-Dörr von der Uni Hamburg an der Podiumsdiskussion teil. Im Kern ging es dabei um folgende drei Fragen:

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