Des einen Freud‘ ist des anderen Leid: Stolperfalle Stoppwort

 

stop word with keyboard buttons

Stoppwörter: Schmierstoff oder Sand im Text-Getriebe?

Manche Keyword-Kombinationen stellen eine echte Herausforderung für AutorInnen dar. Sie sind so ungünstig gewählt, dass sie sich kaum im Text unterbringen lassen – zumindest nicht, wenn er lesbar und „menschenorientiert“ sein soll. Zum Glück gibt es sogenannte Stoppwörter. Sie helfen, Keyword-Phrasen sinnvoll zu variieren – oder doch nicht?!

Eine irreführende Bezeichnung

Laut Definition handelt es sich bei Stoppwörtern um „suchmaschinenirrelevante Begriffe“ – also Wörter, die google & Co. überlesen, weil sie für das geforderte Ergebnis belanglos sind. Diese Suchmaschinen-Stiefkinder sind

  • bestimmte Artikel wie der, die, das
  • unbestimmte Artikel wie ein, eine, einer
  • Konjunktionen wie und, aber, oder
  • häufig gebrauchte Präpositionen wie in, an, von, zu
  • Negationen wie nicht, keine

Darüber hinaus gelten auch die gängigsten Satzzeichen als Stoppwörter.

Vieles ist möglich

Aus dieser Festlegung ergibt sich eine Reihe von (Un-) Möglichkeiten: Gewiefte AutorInnen erkennen schon beim ersten Blick auf die Liste der deutschen Stoppwörter, dass sich damit allerhand anfangen lässt.

Aus den dort genannten Begriffen können geübte SchreiberInnen Wortgruppen bilden, die sich in Verbindung mit den Keywords und der zulässigen Interpunktion zu ganzen Sätzen fügen. Da Groß- und Kleinschreibung für Suchmaschinen keine Rolle spielt, erlangen einige Stoppwörter sogar doppelte Bedeutung.

Aus

Lederhose online kaufen

wird ganz leicht

…eine Lederhose, die Sie hier online kaufen können.

Weniger ist manchmal mehr

Feststehende Stoppwörter dürfen jedoch nicht nur hinzugefügt, sondern auch weggelassen werden. Machen AutorInnen von dieser Möglichkeit Gebrauch, können sie den Sinn eines vorgegebenen Keywords grundlegend ändern. So wird aus der Phrase

Lederhosen für Jungen

die Information

Mittlerweile sind Lederhosen auch aus der jungen Mode nicht mehr wegzudenken.

Das entspricht zwar nicht mehr dem ursprünglichen Anliegen der Keyword-Phrase bzw. des Auftraggebers, stimmt aber dennoch mit den Vorgaben überein – und erzeugt einen menschenlesbaren Text.

Übermut tut selten gut

Allzu großzügig sollten AutorInnen den sich bietenden Spielraum aber nicht nutzen. Es ist durchaus möglich und technisch sogar korrekt, aus der Vorgabe

Lederhose online

einen Satz wie diesen zu formen:

Falls Sie die endgültige Beinlänge Ihrer Lederhose bereits bestimmt haben, geben Sie sie bitte gleich mit an. Anderenfalls haben Sie die Möglichkeit, Ihre Online-Bestellung auch ohne diese Information abzuschließen. Sie erhalten dann (…)

Zwischen den beiden Einzelbegriffen der Keyword-Phrase liegen sage und schreibe 16 Stoppwörter mit zwei Interpunktionszeichen. Eine beachtliche Ausschöpfung der zulässigen Möglichkeiten – aber ganz bestimmt nicht im Sinne des Erfinders. Denn bevor Suchmaschinen die Begriffe als irrelevant erkennen, müssen sie sie erst einmal erfassen und aussortieren. Ein Vorgang, der bei gehäuftem Auftreten tatsächlich wie Sand im Getriebe wirkt und im Extremfall das ganze System stoppt.

Autorin dieses Artikels:

Autorin Texttexterei von content.de
Texttexterei

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3 thoughts on “Des einen Freud‘ ist des anderen Leid: Stolperfalle Stoppwort

  • 24. Februar 2017 at 10:29
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    Die meisten Auftraggeber lassen keine Stoppwörter zu. Da gibt es dann für Autorinnen und Autoren nichts zu jonglieren. Wenn der Kunde „Übersetzung Marketing“ oder „Lederhose Mädchen“ haben will, muss ich die Zähne zusammenbeißen und gute Miene zum bösen Sprachgebrauch machen. Ich habe vor kurzer Zeit mal einen Auftrag gesehen – ich glaube, es war ein Makler – der hatte zehn oder zwölf Keywords in seinem Briefing. In jedem Keyword tauchte der Begriff „Wiesbaden“ auf – „Makler Wiesbaden“, „Immobilienverwaltung Wiesbaden“, „Büroräume Wiesbaden“ etc. Natürlich ohne Stoppwörter. Jedes Keyword sollte drei- bis viermal untergebracht werden, bei einer Textlänge von 400 oder 500 Wörtern. Für mich hört Sprache dann auf, Sprache zu sein. Ich klicke einfach weg und denke mir, macht euren Sch*** doch alleine.

    Ich habe einen Kunden hier bei content.de, für den ich in den letzten Jahren ungefähr 400 Texte geschrieben habe. Immer OHNE Keywords. Und natürlich ohne Stoppwörter. Es geht also – auch ohne.

    Will ich – als Auftraggeber – ein Sklave von Google sein? Hat Google nicht längst Algorithmen entwickelt, die einen übermäßigen Keywordgebrauch abstrafen?

    Ich Tarzan, du Jane.
    Ich Auftraggeber, du Schreiberin.
    Mach feddich.

    Es gibt zum Glück immer noch Auftraggeber – Menschen – die Wert auf ein „gepflegtes Äußeres“ legen. Sprich: Sprache wollen.

  • 24. Februar 2017 at 12:48
    Permalink

    Voraussetzung für den Gebrauch von Stoppwörtern ist allerdings, dass der Auftraggeber diese ausdrücklich akzeptiert.

  • 10. März 2017 at 11:49
    Permalink

    Bei meinen Aufträgen habe ich die Option „Stoppwortvorgaben“ leider fast nur dann gefunden, wenn sie gar keinen Sinn hatte, weil ausschließlich einzelne Wörter als Keywords vorgegeben waren. Bei komplexeren Keyword-Phrasen, die sich nur schwer natürlich in den Text einbringen lassen, fehlte sie dagegen meist. Vielleicht könnte man ja die Auftraggeber, die mehrwortige Keywordvorgaben verwenden, mit einem kleinen Hinweis zur Nutzung der Stoppwortoption ermuntern.

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