Interpunktionsbedingter Kannibalismus und andere Fälle von Kommaverweigerung

Wir sind Meister der Kommaverweigerung! Warum eigentlich? Vermeidungsverhalten ergibt sich oft aus Unsicherheit, auch beim Schreiben und immer wieder bei der Zeichensetzung. Aber macht man wirklich keine Kommafehler, wenn man gar keine Kommata setzt?

Der Grundsatz „Was ich nicht versuche, kann ich nicht falsch machen“ hat nicht überall Gültigkeit. Dass auch das Formulieren äußerst kurzer Sätze nicht immer nützt, zeigt schon der bekannte Dreiwortsatz

Wir essen Opa,

bei dem das lebensrettende Komma fehlt. Trotzdem stellen fehlende Kommata den größten Teil der Zeichensetzungsfehler.

Der Anteil der Komma-‚Fehler‘ an der Gesamtzahl der ‚Fehler‘ im Bereich der Zei­chensetzung liegt bei einschlägigen Untersuchungen bei circa 80 %. Die Fehler be­stehen zu über 75% darin, daß [sic!] Kommas nicht gesetzt werden, die von der heutigen Regelung gefordert werden.“ (Mentrup 1993: S. 131)

Die verbreitete Befürchtung, dass die Internetkultur alles nur noch verschlimmert, ist nicht völlig unberechtigt. Am Gebrauch von Kommata und Großbuchstaben erkennt man in den sozialen Netzwerken Leute über 30, die daher manchmal mit sprachlich korrekten Kommentaren unbekümmerte Schüler-Threads zum Erliegen bringen (Feind liest mit!). So erfüllt das Komma selbst für Kommaverweigerer noch einen Zweck. Dennoch:

Der Fortbestand der freilebenden sibirischen Tiger ist weniger bedroht als der Fortbestand des korrekt gesetzten deutschen Kommas“, stellt Harald Martenstein im ZEITmagazin fest. (Martenstein 2012)

Da die Kommasetzung in unserer heutigen Form erst nach Erfindung der Buchdruckerkunst allgemeine Verbreitung fand, wissen wir nicht erst seit der Einführung des Internets, dass man im Zweifel auch ohne sie auskommt. (Allerdings war dieser interpunktionsarme Zustand vor Gutenberg angeblich nur deshalb haltbar, weil die des Lesens Mächtigen überwiegend laut lasen. Inzwischen ist aber bekannt, dass sich auch beim stillen Lesen die beim entsprechenden Sprechvorgang beteiligten Muskeln zumindest anspannen. Einschlägige Forschungsergebnisse legen eine den Verständnisprozess unterstützende Funktion nahe.)

Trotzdem werden manche Sätze durch das eine oder andere Komma noch leichter verständlich, denn tendenziell lassen sich mit Kommata Mehrdeutigkeiten vermeiden. Die wichtigsten Einsatzgebiete dieser Satzzeichen werden im Folgenden beleuchtet.

Wozu überhaupt Kommata?

Was ist überhaupt die Funktion dieses kleinen sogenannten Beistriches? Ein Komma dient dazu, innerhalb eines Satzes gleichrangige Elemente voneinander abzugrenzen. (Ausnahme: die Koordination wird durch Konjunktionen wie und, oder etc. zum Ausdruck gebracht). Es dient besonders bei längeren Sätzen der Lesbarkeit.

Dies betrifft alle Elemente, ob es sich nun um Buchstaben, Wörter, Satzteile oder eigene Sätze handelt.

Wie geht es Ihnen beim Lesen des folgenden Satzes des Satzbau-Virtuosen Thomas Mann mit den Kommata? Würden Sie – bei ansonsten unveränderter syntaktischer Struktur – weniger davon verwenden als der Großmeister der langen Sätze? Oder mehr? Oder sie anders platzieren?

„Manchmal aber auch, und der Alternde gewahrte es mit Triumph, mit einem Taumeln seiner Vernunft und auch mit Entsetzen, wandte er zögernd und behutsam oder auch rasch und plötzlich, als gelte es eine Überrumpelung, den Kopf über die linke Schulter gegen den Platz seines Liebhabers.“ (Mann 1912: S. 151)

Wie auch immer Sie hier die Zeichensetzung empfinden – die Kommata in diesem Satz sind korrekt (wenn auch anderes in Manns Werk nicht den heutigen Regeln entspricht).

Regeln? Da war doch was … Ja, es gibt sie – sowohl feste Vorschriften als auch Kann-Bestimmungen. Die wichtigsten – und am häufigsten verletzten – betreffen

  • Einschübe
  • Anrede
  • Aufzählungen
  • Satzreihen
  • Satzgefüge
  • Infinitivgruppen

Auf dem Holzweg mit Hamilkar Schaß – Einschub und Anrede

Einschübe werden vom Rest des Satzes links und rechts mit Komma abgegrenzt. Hierzu zählen unter anderem Partizipialkonstruktionen:

„Der Vierziger hatte, ermattet von den Strapazen und Wechselfällen der eigentlichen Arbeit, alltäglich eine Post zu bewältigen, die Wertzeichen aus aller Herren Ländern trug.“ (a. a. O., S. 18),

ganze Sätze:

„Manchmal aber auch, und der Alternde gewahrte es mit Triumph, mit einem Taumeln seiner Vernunft und auch mit Entsetzen, wandte er zögernd und behutsam (…)“ (a. a. O., S. 151)

und auch Appositionen:

„Auf der Plattform fiel ihm ein, nach dem Manne im Basthut, dem Genossen dieses immerhin folgereichen Aufenthaltes, Umschau zu halten.“ (a. a. O., S. 15).

Auch eine Anrede kann eingeschoben sein und wird hinsichtlich der Zeichensetzung genauso wie andere Einschübe behandelt.

„Selbst ein Krieg, Adolf Abromeit, ist keine Entschuldigung für Unhöflichkeit.“ (Lenz 1979: S. 12)

„Ich bin, Hamilkar Schaß, verwundet.“ (a. a. O., S. 12)

Wäre dem nicht so, dann wäre das zweite Beispiel ein sogenannter garden path sentence , in dem der Name zunächst als Prädikatsnomen missverstanden und erst später als Anrede uminterpretiert wird, wenn der Leser das Prädikatsadjektiv „verwundet“ gelesen hat.

Ich bin Hamilkar Schaß

Bis zu diesem Punkt wäre der Satz noch grammatikalisch korrekt, aber die Fortsetzung macht eine Neuinterpretation erforderlich. „Hamilkar Schaß“ ohne die begrenzenden Kommata als eingeschobene Anrede zu verstehen, ist keineswegs naheliegend (zumal für Nichtkenner des Buches, in dem solche Einschübe häufig sind), denn solche Einschübe sind im Hochdeutschen unüblich.

Ein Komma nach der Anrede am Anfang eines Satzes ist uns vom Briefeschreiben her vertraut. Probleme kommen bei Endstellung einer Anrede wieder ins Spiel, wenn man das Komma weglässt – es kann durchaus auch hierbei kannibalisch zugehen:

Wir essen jetzt Kinder!

In den sozialen Netzwerken lassen sich bei solchen Konstruktionen häufig Fälle von Kommaverweigerung beobachten.

Eins nach dem anderen! Komma bei Aufzählungen

Ein berühmtes Beispiel für das, was passieren kann, wenn man in einer Aufzählung auf Kommata verzichtet und dazu noch die Regeln der Groß- und Kleinschreibung missachtet:

Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund.

Wieder droht – unter anderem – der Vorwurf des Kannibalismus: Kommamuffel sollten sich gut überlegen, was sie tun. Die Abtrennung gleichrangiger Elemente durch Komma in Aufzählungen ist Pflicht, wie hier in einer schlichten Aneinanderreihung von Nomina in einer Passage über die Kunst:

„Sie gräbt in das Antlitz ihres Dieners die Spuren imaginärer und geistiger Abenteuer, und sie erzeugt, selbst bei klösterlicher Stille des äußeren Daseins, auf die Dauer eine Verwöhntheit, Überfeinerung, Müdigkeit und Neugier der Nerven (…)“ (Mann 1912: S. 34)

In unserem anderen Mann-Beispiel sind es Präpositionalphrasen:

„(…) mit Triumph, mit einem Taumeln seiner Vernunft und auch mit Entsetzen (…)“ (a. a. O.)

Zu beachten ist (nicht nur) bei Aufzählungen, dass im Deutschen im Prinzip kein Komma vor und steht, sofern es keinen Einschub einleitet – das letzte Element einer Aufzählung ist häufig mit einem und oder oder angeschlossen. Dass vor allem Aufzählungen in Kombination mit Einschüben ohne strukturierende Kommata manchmal schwer zu interpretieren wären, zeigt folgendes Beispiel, bei dem die Anzahl der Personen mit der Kommaposition variiert:

Armin, mein Bruder, und Lars waren hier. (zwei Personen)

Armin, mein Bruder und Lars waren hier. (drei Personen)

Bei der zweideutigen Variante

Armin, mein Bruder, Lars und Stefan waren hier.

helfen die Kommata ohne Kontextinformationen nicht bei der Entscheidung, ob es sich um eine Aufzählung in Kombination mit einer Apposition, also um drei Personen, oder um eine einfache Aufzählung (vier Personen) handelt. Aber eine Tilgung des zweiten Kommas würde zu einem eindeutigen Satz führen – dann wäre Lars der Bruder und nicht Armin oder ein weiterer Anwesender.

Verirrt im Satzbaukasten

In einem Satzgefüge werden Nebensatz und Hauptsatz, einer Satzreihe die Hauptsätze durch Komma (oder Gedankenstrich oder manchmal auch und) voneinander getrennt. In einer Satzreihe werden die Hauptsätze ebenfalls durch Interpunktionszeichen getrennt.

Erste Voraussetzung für die korrekte Anwendung dieser Regel ist die zuverlässige Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebensätzen, die das Erkennen der Satzgrenzen erleichtert.

Satztypen

Ein vollständiger Satz, der für sich allein stehen kann, ist ein Hauptsatz. (Im Satzgefüge kann ein Element, das bereits in einem anderen Teilsatz vorkommt, weggelassen werden.) Ein Satz, der nicht allein stehen kann, ist ein Nebensatz. Meist wird der Nebensatz durch eine Konjunktion (z. B. dass, wenn, obwohl, weil) oder ein Relativpronomen (der, die, das, welcher, welche, welches und Ableitungen davon) eingeleitet, dann steht das finite Verb am Ende, während es beim Hauptsatz weiter vorne steht.

In der gesprochenen Sprache sind bruchstückhafte Äußerungen an der Tagesordnung, hier stehen Nebensätze oft auch allein. Um Haupt- und Nebensätze zu identifizieren, sind die Regeln der Schriftsprache zugrunde zu legen.  

Sobald in einem Satzgefüge oder einer Satzreihe die einzelnen Sätze identifiziert worden sind, muss man nur noch an deren Grenzen Kommata setzen – sofern kein und diese Begrenzungsfunktion übernimmt. Bei der Satzreihe gestaltet sich das nicht weiter schwierig: Die Sätze sind vollständig und die Kommata stehen anstelle von Punkten. Die Mischform, das Semikolon, kommt hier ebenfalls häufig zum Einsatz. Eine typische Satzreihe aus vollständigen Sätzen:

„Er zuckte die Achseln, er gab Beteuerungen, er schwor, verschwiegen gewesen zu sein; man sah es.“ (Mann 1912: S. 157)

Zu beachten ist, dass auch mitten im Satz stehende Nebensätze sowohl am Anfang als auch am Ende von einem Komma begrenzt sein müssen, wie in diesem Textausschnitt:

„Jedesmal [sic!] nämlich, wenn der Refrain wieder einsetzte, unternahm der Sänger unter Faxen und grüßendem Handschütteln einen grotesken Rundmarsch, der ihn unmittelbar unter Aschenbachs Platz vorüberführte, und jedesmal [sic!], wenn das geschah, wehte, von seinen Kleidern ausgehend, ein Schwaden starken Karbolgeruchs zur Terrasse empor.“ (Mann 1912: S. 154)

In diesem Bereich treten besonders häufig Kommafehler auf, besonders vor „und“.

Auch verschachtelte Nebensätze müssen durch Kommata voneinander abgegrenzt werden, was bei langen Schachtelsätzen die Lesbarkeit entscheidend beeinflusst:

„Es war verzeihlich, ja, es bedeutete recht eigentlich den Sieg seiner Moralität, wenn Unkundige die Maja-Welt oder die epischen Massen, in denen sich Friedrichs Heldenleben entrollte, für das Erzeugnis gedrungener Kraft und eines langen Atems hielten, während sie vielmehr in kleinen Tagewerken aus hundert Einzelinspirationen zur Größe emporgeschichtet und nur darum so durchaus und an jedem Punkte vortrefflich waren, weil ihr Schöpfer mit einer Willensdauer und Zähigkeit, derjenigen ähnlich, die seine Heimatprovinz eroberte, jahrelang unter der Spannung eines und desselben Werkes ausgehalten und an die eigentliche Herstellung ausschließlich seine stärksten und würdigsten Stunden gewandt hatte.(a. a. O., S. 21 f.)

Mit diesem Hintergrundwissen ist bereits erkennbar, warum zwischen

Die Polizisten kamen, als Betrunkene rauften und randalierten

und

Die Polizisten kamen als Betrunkene, rauften und randalierten

ein Bedeutungsunterschied besteht. 

Halb so wild: Infinitivgruppen

Infinitivgruppen stellen nicht nur für ältere Menschen eine notorische Fehlerquelle dar. Aber die neuen Regeln sind weniger kompliziert, als man glaubt. Die wichtigsten sind:

Eine satzwertige Infinitivgruppe muss mit Komma abgetrennt werden, wenn sie

  • durch um, als, anstatt, statt, außer, ohne eingeleitet wird (um zu immer mit Komma!):

„Beinahe schien es ihm, als säße er hier, um den Ruhenden zu behüten (…)“ (Mann 1912: S. 84)

„Das Menschengeschiebe in der Enge belästigte den Spaziergänger, statt ihn zu unterhalten. ( a. a. O., S. 87)

  • von einem Nomen abhängt:

„Er ärgerte sich an der Gasthofsitte, den Abreisenden vorzeitig aus dem Hause zu schaffen (…)“ (a. a. O, S. 92)

Die Vorstellung, einem Verbrecher in die Hände gefallen zu sein, streifte träumerisch Aschenbachs Sinn, – unvermögend, seine Gedanken zu tätiger Abwehr aufzurufen.“ ( a. a. O. S. 53 f.)

  • von einem hinweisenden Wort abhängt

„Und er verzichtete darauf, sich Rechenschaft über ein Gefühl der Genugtuung oder Beruhigung zu geben, das diesen Gedanken begleitete.“ ( a. a. O., S. 86 f.)

„Aber schon nach einer Viertelstunde fand er es schade, die Situation, die genießenswerteste, die er kannte, so im Geist zu verlassen und durch gleichgültige Tätigkeit zu versäumen.“ (a. a. O., S. 80)

„(…) denn dem ernsten Zufallsbeobachter der Leidenschaft widerstrebt es, von seinen Wahrnehmungen auch nur vor sich selber Gebrauch zu machen.“ ( a. a. O., S. 78 f.)

Nicht satzwertige Infinitivgruppen werden nicht durch Komma abgetrennt.

Er scheint zu schlafen.

Der Kirchturm war vom Hof aus zu sehen.

Ist der Infinitiv von bestimmten Verben in übertragener Bedeutung oder von einem nachstehenden finiten Verb abhängig, so steht ebenfalls kein Komma.

                  Das Schiff drohte zu kentern.

„Man hatte drinnen zu servieren begonnen (…)“ (Mann 1912: S. 65)

Denn da sich zum zweiten Male gezeigt hatte, daß [sic!] die Stadt ihn krank mache, da er sie zum zweiten Male jäh zu verlassen gezwungen war, (…)“ (a. a. O., S. 95)

Die gute Nachricht: Bei allen anderen Infinitivgruppen ist die Abtrennung durch Komma praktischerweise freigestellt, aber bei Mehrdeutigkeiten empfehlenswert. Beim folgenden Satz könnte das erste Komma auch entfallen:

„Nun mußte [sic!] er fortfahren, zu wollen, was er gestern gewollt hatte.“ (a. a. O. , S. 91)

Lang, kommafrei und trotzdem richtig – das gibt es auch!

Nun könnte man angesichts der genannten problematischen Beispiele geneigt sein, ins andere Extrem zu fallen und vorsichtshalber an allen möglichen und unmöglichen Stellen Kommata zu setzen. Auch diese Fehler kommen nicht allzu selten vor. Insbesondere bei längeren Sätzen stößt man immer wieder auf Fälle, bei denen Subjekt und Verb durch Komma getrennt sind. Auch vor oder nach Präpositionalphrasen setzen manche Zeitgenossen ein Komma. Beides ist in der Tat nicht immer ausgeschlossen – wenn es sich um Einschübe handelt, sind Kommata erforderlich. Ist dies aber nicht der Fall und liegt auch keine der oben genannten Indikationen für Kommasetzung vor, so muss auch bei längeren Sätzen auf Kommata verzichtet werden. Ohne die Einschübe würde beispielsweise aus dem ersten hier angeführten Mann-Zitat der folgende kommafreie Satz:

Manchmal aber auch wandte er zögernd und behutsam oder auch rasch und plötzlich den Kopf über die linke Schulter gegen den Platz seines Liebhabers.

Auch eine Aneinanderreihung mehrerer Präpositionalphrasen, wie in diesem konstruierten Beispielsatz aus der Forschung, kommt ohne Kommata aus:

Ludwig wirft den Gorgonzola vom Sofa über den Couchtisch auf den Fußboden.

Je länger ein Satz ist, desto eher fühlt sich ein unsicherer Autor genötigt, mit Kommata für eine gewisse Gliederung zu sorgen. Gut gemeint, aber leider nicht in allen Fällen gestattet. Ein typischer langer, völlig korrekter kommafreier Satz aus der Presse:

„Wenige Tage nach dem Anschlag hatten Deutsche und Polen bei einem sehr gut besuchten Gottesdienst in der St.-Johannes-Basilika nahe dem Südstern in Kreuzberg der Opfer des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz gedacht.“ („Wann starb Lukasz Urban?“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 26.12.2016)

In der Tat sind lange Sätze ohne grafische Gliederungssignale unübersichtlich, aber häufig lassen sie sich umformulieren oder in mehrere kurze abgeschlossene Sätze aufteilen.

Auch wer in Sachen Kommasetzung unsicher ist, vermeidet umso mehr Zeichensetzungsprobleme, je kürzer seine Sätze sind (auch wenn diese Strategie, wie gesagt, keine Garantie darstellt). „Mundgerechte“ Häppchen erhöhen ohnehin die Lesbarkeit und machen einen Text größeren Zielgruppen zugänglich. Dass Thomas Mann leider von vielen Lesern verschmäht wird, liegt auch an der Länge seiner Sätze. Seinen Stil kann man finden, wie man will, eins aber steht fest: Er zählte eindeutig nicht zu den Kommaverweigerern.

 

Quellen:

Lenz, Siegfried (1979): So zärtlich war Suleyken: masurische Geschichten. 15. Auflage (Erstauflage 1955). Hamburg : Hoffmann und Campe

Mann, Thomas (1912): Der Tod in Venedig. Web: https://www.bookrix.de/_ebook-thomas-mann-der-tod-in-venedig/, [Stand: 10.1.2017]

Martenstein, Harald (2012): „Der sibirische Tiger ist weniger bedroht als das Komma“, ZEITmagazin 22/2012, Web: http://www.zeit.de/2012/22/Martenstein [Stand 10.1.2017)

Mentrup, Wolfgang (1993): Wo liegt eigentlich der Fehler? : zur Rechtschreibreform und zu ihren Hintergründen (=Deutsch im Gespräch 9). Stuttgart: Klett

  1. V. (2016): Wann starb Lukasz Urban?“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 26.12.2016

 

Bildnachweise:

  • Punctuation mark comma from latin alphabet with Numb – 121694245 | Urheber: ylivdesign – Fotolia.de
  • Stift schreibt Liebe Oma auf Brief – 115047287 | Urheber: Robert Knechte – Fotolia.de
  • Autonomer Steine Werfer 27043278 –  | Urheber: Markus Bormann – Fotolia.de

2 thoughts on “Interpunktionsbedingter Kannibalismus und andere Fälle von Kommaverweigerung

  • 5. März 2017 at 11:27
    Permalink

    Danke, Frau Lohmann,

    für das erneute Meisterwerk aus Ihrer Feder. Einige Hinweise helfen mir tatsächlich dabei, kleine Unsicherheiten bei der Frage: Komma oder nicht? zu beseitigen.

    Klar ist es bei den Beispielen, die Sie zitieren, kein Zufall, dass sie von Schriftstellern stammen. Besonders Thomas „Mister Bandwurmsatz“ Mann eignet sich natürlich hervorragend für dieses Thema. Dort, wo Sprache Sach- oder Gebrauchsprosa darstellt, ist diese Formulierungskunst aber wohl streng verboten: zum Beispiel in unserer Branche. Unvorstellbar, dass bei der Beschreibung von Waren und Dienstleistungen Thomas Mann als Vorbild dienen könnte.

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich mag Thomas Mann, Ihr Beitrag animiert mich dazu, mal wieder etwas von ihm zu lesen. Zuletzt hatte ich mit den Buddenbrooks bei meiner kurzen Stippvisite im Lehrerjob zu tun: Der Roman war im Schuljahr 2012/13 Stoff in der gymnasialen Oberstufe.

    Was jetzt noch fehlt? Ein Beispielsatz:

    Bist du als Autor bei content, hast du die Kommaregeln nicht verpennt.

    Oder ist „als Autor“ ein Einschub, der in Kommata gesetzt werden muss? Schließlich gibt es ja noch andere Berufsgruppen im Haus, also:

    Bist du, als Autor, bei content, hast du die Kommaregeln nicht verpennt.

    Das bedeutet dann, dass zum Beispiel Herr Sigge gegen Kommaregeln verstoßen darf: Er ist ja kein Autor – jedenfalls nicht in erster Linie.

    In der Hoffnung, keinen Kommafehler – und natürlich auch keine anderen Verstöße gegen den Duden – begangen zu haben, grüßt Sie und die content-communitiy

    Peter Umlauf

  • 10. März 2017 at 11:13
    Permalink

    Danke, auch wenn man sich die Regeln im Rahmen langjähriger Schreiberei auf content.de bereits eingebleut hat, ist es doch immer wieder hilfreich, die Kenntnisse noch einmal zu überprüfen.

    Ein wichtiger Aspekt bei der Diskussion um das Komma ist m.E. noch, dass die Kenntnis der Kommaregeln nicht nur für das Setzen notwendig ist, sondern auch für das Lesen. Wer nicht weiß, wo er ein Komma setzen soll, wird auch einen Bedeutungsunterschied in einem fremden Text nicht erfassen können, der sich durch die Kommasetzung ergibt.

    Und dazu noch ein kleines Gedicht aus Schulzeiten, das den Bedeutungsunterschied besonders deutlich macht, der sich durch ein fehlendes Komma ergeben kann:

    „Zehn Finger habe ich an jeder Hand
    fünf und zwanzig an Händen und Füßen.
    Wer das richtig lesen will,
    wird wohl Komma setzen müssen.“

    Und jetzt fehlt natürlich noch der Hinweis: Beginne deine Sätze nie mit einer Konjunktion. 😉

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