Trends und Entwicklungen im Contentjahr 2018

Wenn wir uns mit dem Thema Content auseinandersetzen, adressieren wir diesen stets an zwei Zielgruppen. Zum einen an Google, da wir sicherstellen wollen, dass unser Content über die Suchmaschine den Weg zum Leser findet.  Zum anderen an den Leser selbst, da dieser primär den Content finden soll. 

Damit beide Zielgruppen erreicht werden, ist die Berücksichtigung von Trends und allgemeinen Marktentwicklungen unabdingbar. Schließlich möchte niemand seinen Content am Markt vorbei entwickeln. 

In unserem kleinen Jahresrückblick betrachten wir kurz einige Entwicklungen, die wir wahrgenommen haben oder mit denen wir in Berührung gekommen sind:

#1 Voice Search

Seitdem im Fitnessbereich des Denkwerks eine Amazon-Alexa eingezogen ist, kann jeder Mitarbeiter neben der Fitness-Pause oder dem Fitnessprogramm zum Feierabend auch in Sachen Voice Search dazulernen. Spaß beiseite: Bei uns wird Alexa ausschließlich zum Abspielen von Musik während der sportlichen Aktivität verwendet! 

Anders sieht das jedoch in einer Vielzahl von Privathaushalten aus. Dort werden Sprachassistenten, zu denen neben Alexa von Amazon auch Siri von Apple, Cortana von Microsoft, Bixby von Samsung und der Google Assistant zählen, zur Nutzung von Smart-Home-Anwendungen, zum Online-Shopping über Amazon oder zu einer einfachen Websuche verwendet.

Alexa in 2017 (noch) nicht fehlerfrei: TV-Moderator löste eine Massenbestellung aus

https://www.focus.de/digital/videos/tuecken-der-sprach-assistenten-unueberlegter-satz-tv-moderator-loest-amazon-bestellungen-bei-zuschauern-aus_id_6466553.html

2020 ca. 50 % aller Suchanfragen via Voice-Search

Laut einer Darstellung des Unternehmens WIX wird prognostiziert, dass bis 2020 ca. 50 % aller Suchanfragen als Voice-Search-Anfragen erfolgen werden, ein Umstand, auf den sich auch die Webseitenbetreiber einstellen sollten. Denn bei Anfragen über einen im Lautsprecher integrierten Sprachassistenten kann lediglich das erste Ergebnis „ausgesprochen“ werden, wohingegen mobile Endgeräte über das Display weiterhin die klassischen SERPs anzeigen können. 

John Mueller von Google gab in einem Google-Hangout Tipps, wie eine Webseite für die Voice Search optimiert werden kann:

(Quelle:  https://www.searchenginejournal.com/voice-search-optimization/231319/)
  • Die Arbeit mit strukturierten Daten.
  • Die Nutzung von Voice Snippets.
  • Der Content sollte natürlich klingen, wenn dieser vorgelesen wird.
  • Finger weg von einer Überoptimierung der Webseite für Voice Search!
  • Den Content auf die mögliche Erwartungshaltung des Suchenden fokussieren. 

#2 Influencer

Influencer, Personen mit hohem Ansehen in den sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram, Pinterest und Co.), werden (gerne) als Werbepartner eingesetzt. Allerdings ist diese Werbeform hinsichtlich Ihrer Werbewirksamkeit umstritten, dieser Umstand gelangte Anfang des Jahres 2018 deutlich in die Öffentlichkeit: Eine Youtuberin wollte sich in einer Luxus-Suite für 5 Tage einmieten und dafür als Gegenleistung auf ihren Social-Media-Kanälen über das Hotel werbewirksam berichten. Der Hotelchef selbst wertete diesen Deal für sich als nicht werthaltig und diffamierte im Gegenzug die Influencerin öffentlich als Schnorrerin.

Diese Auseinandersetzung war so öffentlichkeitsstark, dass sogar die klassischen Printmedien wie zum Beispiel die Bild-Zeitung

 (Quelle: https://www.bild.de/news/ausland/dublin/hotel-wettert-gegen-dreiste-youtuberin-54534936.bild.html)

oder die Kölnische-Rundschau  

https://www.rundschau-online.de/ratgeber/reise/dreiste-anfrage-wegen-dieser-influencerin-verbannt-ein-hotelbesitzer-alle-blogger-29535392

darüber berichteten.

Wahrnehmung gestiegen Kaufresultate mau

Die Medienagentur Wavemaker attestiert mit ihrer 2018 durchgeführten Umfrage einen gestiegenen Einfluss von Influencern. Im Fokus stehen dabei Frauen im Alter von 14 bis 29 Jahren: 37 Prozent dieser Zielgruppe nehmen Influencer wahr, wohingegen es bei den 30 bis 49 Jahre alten Personen nur 23 Prozent sind. Nichtsdestotrotz sind die Conversions noch mau. Von den 14- bis 29-jährigen haben lediglich 16 Prozent der Befragten ein beworbenes Produkt gekauft. Bei den 30- bis 49-jährigen liegt die Ausbeute bei lediglich 7 Prozent. 

Dennoch: Laut Studie des BVDW/Influry von 2017 kann Influencer-Werbung weiter zum klassischen Werbevideo und der Bannerwerbung aufschließen. 

(Quelle: https://www.bvdw.org/fileadmin/bvdw/upload/studien/171128_IM-Studie_final-draft-bvdw_low.pdf– Seite 11)

Tops und Flops: Instagram-Werbeposts aus Oktober 2018

Der Horizont-Verlag veröffentlicht monatlich eine Media-Part-Auswertung von Instagram-Werbeposts. Im Oktober 2018 konnten Influencer zum Beispiel die Unternehmen Shape Republic, Rewe und Swarovski wirkungsvoll bei ihren Followern in Szene setzen. Als Flop stellte sich wohl der Post von Lena Gercke für Esprit dar. Den gesamten Artikel gibt es hier:

Screenshot: Quelle Webseite des Horizont Verlags – https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/influencer-marketing-das-waren-die-top-und-flop-instagram-werbeposts-im-oktober-171009

Die Top und Flop Instagram-Werbeposts im Oktober! 

#3 Personalisierter Webcontent

Big Data macht es möglich: Die Auswertung einer Vielzahl von Userdaten in Echtzeit bestimmt den Content, den der einzelne User zu sehen bekommt. Trotz Einführung der DSGVO und der damit verbundenen erhöhten Schwierigkeit, persönliche Daten zu erheben, setzen Webseitenbetreiber vermehrt auf die Nutzung personalisierter Daten, um passende und individuelle Inhalte auszuspielen.

Der Aufwand bei der Erstellung personalisierter Webinhalte ist enorm:

  • Schaffung eines sauberen rechtlichen Konstruktes unter Berücksichtigung der DSGVO
  • Erstellung von Personas, die Grundlage für die Zielgruppenansprache
  • Definition der Contentbestandteile, die für die Ansprache benötigt werden
  • Erstellung der Inhalte und Einbau in die Webseite – entsprechende Logik vorausgesetzt!

Wie eine sinnvolle Strategie zur Personalisierung von Inhalten aussieht, skizziert Adobe in seinem Video „Content-Personalisierung“:

Quelle: Webseite von Adobe

#4 Video-Content

Video-Content ist vielseitig einsetzbar und für den Nutzer bequem, da die Inhalte ansprechend über mehrere Kanäle serviert werden. Einen umfangreichen und inhaltsstarken Text muss sich der Leser in weitaus stärkerem Maße selbst erschließen. Zudem werden Emotionen erst über den Umweg der Ratio geweckt. Ein Video kann über professionelle Protagonisten Emotionen wesentlich schneller und wirkungsvoller transportieren und eignet sich für die unterschiedlichsten Aufgaben:

  • klassisches Werbevideo => Zielsetzung: Kauf eines Produktes
  • Video für virales Marketing => Zielsetzung: Das Video wird aufgrund des Inhalts geteilt.
  • Erklärvideo => Erläuterung eines Geschäftsmodells, um dessen Nutzung zu erwirken
  • Tutorial-Videos => Lehrvideos mit dem Ziel, eine Herausforderung eigenständig meistern zu können

Videos diverser Portale, wie zum Beispiel YouTube, Amazon, Facebook, Watchbox (vormals Clipfish) oder Vimeo, lassen sich im Browser oder zum Teil auch über eine App, wie zum Beispiel die für YouTube, auch bequem über ein mobiles Endgerät konsumieren.

Eine Umfrage von Hubspot vom Anfang des Jahres auf der Basis von 3.000 Verbrauchern zeichnet ein deutliches Bild, welche Art von Content die User von einem Unternehmen konsumieren möchten: 

Quelle: http://www.sendcockpit.com/appl/ce/software/code/ext/_ns.php?&uid=32e298d73d64b0239de2496a56025f59

Demnach wünschen sich 54 % der Befragten Videoinhalte von Unternehmen. YouTube ist  dabei mit 83 % der am stärksten genutzte Kanal hinter Facebook mit 67 %, um Videoinhalte im Web zu konsumieren. Damit die Inhalte konsumiert werden, sollten die Videos unterhaltsam und lustig sein! 

Die Top-Ten-YouTube-Videos aller Zeiten  Musik ist Trumpf: 

Statistik: Meistgesehene YouTube-Videos aller Zeiten nach der Anzahl der Views bis Oktober 2018 (in Milliarden) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Das erfolgreichste YouTube-Video aller Zeiten: Despacito

#5 KI in der (automatisierten) Texterstellung 

Bereits im Jahr 2012 haben wir uns erstmals mit diesem Thema auseinandergesetzt. In unserem Blogbeitrag „Narrative Science, der Autorenschreck?“ haben wir uns mit den Möglichkeiten und Grenzen der maschinellen Texterstellung auseinandergesetzt. Heute, sechs Jahre später, hat die Maschine bislang den Menschen (Texter) keineswegs besiegt. 

Unbestritten investieren die Entwickler dieser Technologie enorme Anstrengungen in deren Weiterentwicklung. Mittlerweile werden Wetter-, Börsen- und Fußballspielberichte durch die Maschine erfolgreich betextet. Diese generiert Texte, die sich inzwischen auf der Grundlage zuvor definierter Standardformulierungen, kombiniert mit strukturiert vorliegenden Daten, gut erstellen lassen. Bei riesigen Textmengen mit einem überschaubaren Anspruch – die Inhaltstiefe und die sprachliche Varianz betreffend – scheint die Maschine einen Teilsieg errungen zu haben. 

Individuelle Textaufgaben bei geringeren bis mittleren Textmengen hingegen lassen sich – unserer Einschätzung nach – auch in absehbarer Zeit nicht in einem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis realisieren. Die Maschine für einen Auftrag einzustellen, nebst Feinjustierung, ist so zeitaufwendig, dass man mit der konventionellen Texterstellung durch den Menschen wesentlich schneller und damit effektiver ist. 

Welche Trends haben unsere Leser aufgeschnappt und haben Sie weitere Ideen zu diesem Thema? 


One thought on “Trends und Entwicklungen im Contentjahr 2018

  • 30. November 2018 at 11:00
    Permalink

    Danke, Herr Ahlers,

    für diese Einblicke in eine Welt, die mir doch weitgehend fremd ist. Es mag an meinem Alter liegen (Jahrgang 1954), dass ich mit Voice Search, Influencer, Instagram und You Tube relativ wenig anfangen kann. Die Pannen und Glaubwürdigkeitslücken, von denen Sie berichten, zeigen zudem deutlich die Schwächen dieser Möglichkeiten.

    Ich gehöre zu einer Generation, die noch mit dem gedruckten Wort, gebunden und zwischen zwei Buchdeckel gepresst, sozialisiert und gebildet wurde. Deswegen freue ich mich besonders über die letzten Gedanken Ihres Beitrages, Herr Ahlers. Natürlich können große, standardisierte Textmengen mit einfachen Ansprüchen von einer Maschine schneller erledigt werden. Inzwischen gewinnen ja Schach-Computer gegen den menschlichen Schachweltmeister: Bei diesem Denken in kalkulierbaren Kategorien ist es nur ein Frage der Zeit, bis die digitale Programmierkapazität stärker ist als das Gehirn von Magnus Carlsen, der gerade seinen Weltmeistertitel am Schachbrett verteidigt hat.

    Aber dort, wo es auf unserer Plattform um das individuelle Eingehen auf die ganz speziellen Wünsche eines Auftraggebers geht, ist immer noch das menschliche Denken im Vorteil. Es lässt sich – um einmal in Ihren Wortbildern zu bleiben, Herr Ahlers – zielgenauer, effektiver und preiswerter einstellen als die Maschine.

    Und das finde ich doch beruhigend aus menschlicher Sicht: unabhängig davon, ob die eigene Bildung aus Print- oder Onlinemedien stammt. Das schlägt dann den Bogen zum Beginn des Beitrages. Die Suchmaschinen entscheiden über das Ranking – aber der menschliche Rezipient entscheidet, ob der Text seinen Kopf (und seine Seele!) erreicht und zum Kauf animiert.

    Soviel mit Gruß an die content.de-community von
    Peter Umlauf

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