Deutsche Sprache – schwere Sprache?

Schwer aussprechbare Wörter

Ja, durchaus. Immer wieder begegnen uns schwierige Wörter, die uns in Wort und Schrift Probleme bereiten. Ein Grund ist die Eindeutschung zahlreicher Begriffe aus anderen Sprachen. Ein anderer sind die vielen zusammengesetzten Wortverbindungen, eine Besonderheit der deutschen Sprache. Aber all das macht unser Vokabular so umfangreich und unseren Sprachschatz so reichhaltig. 

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit einigen dieser vermeintlich komplizierten Begriffe, denn wir sind der Meinung: deutsche Sprache – schöne Sprache! 

Der Beitrag wird regelmäßig um weitere Begriffe ergänzt!

| “Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz

Ein Wort mit 63 Buchstaben? Und noch dazu mit ernstzunehmender Bedeutung?

Das Gesetz wurde 1999 eingeführt, als sich die Rinderseuche BSE in Europa verbreitete. 
Manchmal ist ein derartig kompliziertes und ungewöhnlich langes, zusammengesetztes Wort also durchaus ernst gemeint, obwohl es bestimmt sogar der Wortschöpfer selbst kaum aussprechen kann.
 

| “Accessoire”

Das Wort Accessoire ist der französischen Sprache entnommen und wird häufig als Synonym für Zubehör verwendet. Die korrekte Aussprache stellt für den einen oder anderen eine echte Herausforderung dar.

| “Gnocchi” 

Gnocchi – kleine Kartoffelklöße – sind mittlerweile auch hierzulande überall bekannt und beliebt, sodass der Begriff in die deutsche Sprache übernommen wurde. Doch ob sie in der Trattoria wirklich immer bestellt werden, wenn man zwar Lust darauf hat, aber sich hinsichtlich der Aussprache unsicher ist? Der Umsatz könnte vermutlich steigen, wenn der richtige „Sound“ bekannter wäre. Die Tapferen versuchen sich mit Improvisationen, die sich überwiegend in etwa wie /ˈgnɔ​t͡ʃi/ („Gnotschi“) anhören – mit einer Mischung aus deutschen und spanischen Regeln. Richtig ist jedoch /ˈɲɔkːi/ (in etwa wie „Njokki“). Die Laute sind für uns in dieser Form ungewohnt – ein nj am Wortanfang und ein langes k (das noch dazu „cch“ geschrieben wird) gibt es bei uns nicht. Doch im Prinzip gehören die Laute /ɲ/ und /k/ zu unserer Artikulationsbasis und nach wenigen Versuchen dürfte jeder das Wort korrekt aussprechen können.

| “Christopher Street Day

Ein eher neuer Begriff ist im Deutschen auch „Christopher Street Day“ (im Englischen als „Gay Pride“ bezeichnet). Er wird von den meisten Leuten auf „Street“ betont, sei es, weil der Tag meist auf der Straße (street) mit Paraden gewürdigt wird, sei es, weil sie glauben, „Street“ sei der Nachname eines Menschen mit Vornamen Christopher und dieser habe etwas mit dem Hintergrund des Ganzen zu tun. Die korrekte Betonung liegt jedoch auf der Silbe „Chris“, denn die Bewegung hatte ihren Ursprung in einer Bar in der New Yorker Christopher Street. (Diese ist nach Charles Christopher Amos benannt, der das Gelände 1799 kaufte.) Aus den Unruhen von 1969 entstand das Christopher Street Liberation Day Committee, das die Demonstrationen ins Leben rief. Daher heißt unser Christopher Street Day (mit amerikanischer Aussprache) richtig: /ˈkrɪstəfər striːt dei/.

3 thoughts on “Deutsche Sprache – schwere Sprache?

  • 14. Juni 2022 at 14:26
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    Schönes Angebot, Herr Ahlers,

    das reizt mich doch, einmal einen Klassiker dagegen zu setzen:

    Donaudampfschifffahrtskapitänspatent.

    Natürlich mit drei “f” – nach der neuen deutschen Rechtschreibung – dennoch reicht es nur für 37 Zeichen.

    Übersichtlicher ist es, nach dem Sinn des Wortes einen der in Deutschland so beliebten Bindestrich-Begriffe zu schaffen:

    Donau-Dampfschifffahrt-Kapitänspatent.

    Und was spricht eigentlich dagegen, die Bindestriche wegzulassen – dann wird es doch noch übersichtlicher, oder? Jedenfalls dann, wenn wir den Großbuchstaben am Beginn jedes Wortes beibehalten:

    Donau Dampfschifffahrt Kapitänspatent.

    Sinn, Aussage, Inhalt, Überschaubarkeit und Rezipierbarkeit des Wortes sind dadurch nicht beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil: Die Aufnahmefreundlichkeit für den Leser/die Leserin erhöht sich doch eher noch, finde ich jedenfalls.

    So, Herr Ahlers: Jetzt gehe ich nach diesem Muster – gleich ohne Bindestriche und dann grammatisch korrekt ohne Bindung “s”- an Ihr Wortungeheuer mit 63 Buchstaben. Ist es so nicht in jeder Hinsicht viel besser:

    Rindfleisch Etikettierung Überwachung Aufgaben Übertragung Gesetz

    Wo ich das jetzt gerade mache, fällt mir auf: So weit müssen wir gar nicht gehen mit der Wortaufteilung. Vielleicht genügt auch schon – dabei bleibt das Bindung “s” noch zweimal drin:

    Rindfleischetikettierung Überwachungsaufgaben Übertragungsgesetz.

    Gespannt auf Widerrede und Zustimmung gleichermaßen grüßt die content.de-community

    Peter Umlauf

  • 14. Juni 2022 at 15:35
    Permalink

    Ha, ha, ha: Das ist doch alles nichts gegen die:

    Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung

    VG, content-werkstatt

  • 15. Juni 2022 at 15:19
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    Hallo Herr Umlauf,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Manchmal hilft es, gewisse Wortkonstrukte zu filetieren. Dies erleichtert in der Tat den Umgang mit einer solch schweren Kost. Insofern freue ich mich sehr über den konstruktiven Hinweis zum Umgang mit solchen Wortungetümen und bin zudem sehr gespannt auf weitere Beispiele von unseren Textern.

    Marius Ahlers

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