Kampf den Plagiaten! (Teil 1)

 

Als Plagiat bezeichnet man laut Wikipedia „die Anmaßung fremder geistiger Leistungen“. Spätestens seit der Guttenberg-Affäre, die dem ehemaligen Verteidigungsminister wenig schmeichelhafte Spitznamen einbrachte wie „Dr. Strg-C“ oder Witzbolde dazu veranlasste, ihm in Wikipedia zusätzlich zu seinen anderen Vornamen den Namen „Xerox“ unterzujubeln, ist die Problematik ins allgemeine Bewusstsein gerückt worden.

Plagiate sind grundsätzlich in allen Bereichen denkbar, in denen geistiges Eigentum in irgendeiner Form eine Rolle spielt. Betroffen sind demnach Kunstwerke ebenso wie Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Forschung. Plagiiert werden können nicht nur schriftliche Inhalte, sondern auch Bilder, Symbole, Videos, und so weiter. Als Online-Textdienstleister haben wir von content.de ein besonderes Interesse an der Erkennung von Textplagiaten im Internet. In unserem Tätigkeitsbereich spielt die Vermeidung von und der Schutz vor der unerlaubten Vervielfältigung von Texten eine ganz entscheidende Rolle.

Was macht Plagiate so verfänglich?

Die Verwendung plagiierter Inhalte ist in mehrfacher Hinsicht nachteilig.

     1. Plagiarismus ist kein Kavaliersdelikt sondern Straftatbestand

Gerade im Hinblick auf das Copyright ist besondere Vorsicht geboten. Werden geschützte Inhalte kopiert, ohne als Kopie ausgewiesen zu werden, ist in den meisten Fällen mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Dies kann einen enormen finanziellen und zeitlichen Aufwand für beide Parteien bedeuten: Im Rahmen einer rechtlichen Auseinandersetzung muss der Urheber der Inhalte entgangenen Gewinn beziffern, auf dessen Grundlage Strafzahlungen durch den Kopierer und Nutznießer der Inhalte zu leisten sind.

     2. Reputationsverlust aufgrund von Plagiarismus

Nicht nur der wirtschaftliche Schaden spielt eine Rolle: Auch das Ansehen des Kopierenden kann ganz empfindlich darunter leiden, wenn das Plagiat auffliegt. Geschieht dies unter großer medialer Beachtung, wie im bereits angesprochenen Fall von Herrn Guttenberg, kann es sowohl im privaten, als auch im gewerblichen Bereich zu großen Problemen kommen. Jedoch auch im kleineren Rahmen kann ein Plagiat der Reputation schaden. Wer unberechtigt Inhalte anderer kopiert, riskiert damit seinen Ruf als seriöser Webseitenbetreiber.

Finden beispielsweise die Leserinnen und Leser eines Blogs heraus, dass die ihnen vorgelegten Inhalte kopiert sind, fühlen sie sich schnell betrogen und wandern ab. Wer will schon aufgewärmte Inhalte lesen, wenn es woanders originären und aktuellen Content zu lesen gibt? Oder anders gefragt: Wieso sollten duplizierte Inhalte gelesen werden, wenn ein Mehrwert zu bislang vorhandenen Inhalten nicht gegeben ist?

     3. Plagiate sind für Suchmaschinen unattraktiv

Ein dritter Nachteil bei der Verwendung kopierter Inhalte ergibt sich aus der SEO-Perspektive. Bei Google und Co. werden Webseiten mit Duplicate Content in den Suchmaschinenergebnisseiten auf die hinteren Plätze verbannt. Bei Google, der Suchmaschine mit einem Marktanteil von 95,9 % in Deutschland (lt. Marktforschungsunternehmen Comscore), kann davon ausgegangen werden, dass jeglicher Duplicate Content entdeckt und abgestraft wird. Durch die stetigen Überarbeitungen des Google-Algorithmus‘ wird immer deutlicher, dass Duplicate Content-Anbieter im SEO zu den Verlierern gehören und auch in Zukunft gehören werden.

Eine schlechtere SERP-Platzierung und ein Penalty durch Google ist aber nicht alles: Im schlimmsten Fall kann eine Domain, die Duplicate Content verwendet, gänzlich aus dem Google-Index gestrichen werden. Da viele Internet-User inzwischen ihre Zielseiten über Google ansteuern und nicht mehr über eine direkte Eingabe der URL in der Browserleiste, würde dann ein großer Anteil der Leserschaft mit einem Mal wegfallen. Aus SEO-technischer Sicht wird die Seite somit wertlos.

Was ist ein Plagiat und wie entstehen Plagiate?

Eine wichtige Frage stellt sich an dieser Stelle: Ab wann ist ein Text ein Plagiat? Aus technischer Sicht, d.h. beispielsweise in der Bewertung durch Google oder den Plagiats-Scanner CopyScape, sind bereits Zitate oder längere Produktbeschreibungen Plagiate. Darüber hinaus kann schon allein der Aufbau eines Textes, ja sogar schon die grundlegende Idee, urheberrechtlich geschützt sein. Die bloße Umstellung einzelner Wörter oder Satzteile reicht dementsprechend noch lange nicht aus, um aus einem kopierten Text einen originären zu erschaffen.

Beim Thema Urheberrecht lautet das Zauberwort „Schöpfungshöhe“: Urheberrecht besteht für Werke, die über eine ausreichende Schöpfungshöhe verfügen. Das bedeutet, dass ein bestimmter Anteil des Werkes einen tatsächlich neuen, eigenständigen Beitrag des Urhebers beinhalten muss. Eine Ansammlung von aus mehreren Quellen zusammengetragenen Informationen verfügt nicht über die notwendige Schöpfungshöhe, um einen Schutz durch das Urheberrecht genießen zu können. Die originäre Quelle dieser Informationen hingegen ist urheberrechtlich geschützt, wenn der Urheber die Daten selbst erhoben oder ausgewertet hat, da hier eine „Schöpfung“ neuer Informationen stattgefunden hat und die ausreichende Schöpfungshöhe dementsprechend gegeben ist.

Nicht jeder Webseitenbetreiber, der plagiierte Inhalte veröffentlicht, tut dies in böser Absicht: Zeitmangel oder ein fehlendes Bewusstsein für die Bedeutung von Plagiarismus verleitet viele Webmaster dazu, ihre eigene Seite schnell und unkompliziert durch die altbewährte Copy & Paste-Methode mit Inhalt zu „bereichern“. Im Zusammenhang mit kopierten Webinhalten sprechen viele Menschen auch gern von einer Grauzone, wobei das Plagiat auf die leichte Schulter genommen und die urheberrechtliche Bedeutung des Duplizierens unterschätzt wird. Insofern wird die Verwendung von duplizierten Texten von vielen als Kavaliersdelikt angesehen – fälschlicherweise! Diese Fälle von Plagiarismus lassen sich vergleichsweise leicht aufdecken, da sie meist in unveränderter Form verwendet werden und somit mit vergleichsweise geringem technischen Aufwand zu identifizieren sind.

Einige schwarze Schafe verwenden allerdings ganz bewusst Texte, die sie von anderen Quellen kopiert haben. Sie versuchen dann, sie in leicht veränderter Form als Produkt der eigenen Gehirnwindungen und als scheinbar einzigartig auszugeben. Die Motivation dafür ist das Wissen, dass die Einzigartigkeit von Webseiteninhalten so ungemein wertvoll ist. Auch wenn Google seine Suchalgorithmen wieder und wieder durch tiefgreifende Updates überarbeitet, beispielsweise durch das Panda- und zuletzt auch das Penguin-Update, bleibt die Uniqueness von Content beständig ein wichtiges Rankingmerkmal.

Aus diesem Grund bemühen sich einige Webseitenbetreiber, die sich für die eigene Webseite fremder Inhalte bedienen, sich eine scheinbare Uniqueness zu „ermogeln“. Um nicht als Kopierer erkannt zu werden und gleichzeitig von den Vorzügen einzigartigen Contents profitieren zu können, gibt es einige Möglichkeiten, der Vorgang des Kopierens zu vertuschen. Zu diesem Zweck werden kopierte Texte so abgewandelt, dass sie für Suchmaschinen und Leser als originäre Texte erscheinen sollen, was das Aufspüren unerwünschter Kopien erschwert.

Mit Teil 2 der Artikelreihe zum Thema „Kampf den Plagiaten!“ geht es Ende der Woche weiter: Dort wird es verstärkt darum gehen, wie Plagiate ermittelt, verhindert und bekämpft werden können!