Der Zeitungsstand auf dem Smartphone-Screen: Wie Blogs die Medienlandschaft prägen

In einem Beitrag aus dem letzten Jahr schrieben wir hier im Blog: „Das Buch ist tot, es lebe das interaktive E-Book!“. Diese finstere Zukunftsvision über das scheinbar baldige Aussterben des Buches ist nicht auf viel Gegenliebe gestoßen, ist doch das Buch nach wie vor ein beliebtes und für viele Menschen unverzichtbares Medium. Genau davon zeugt derzeit auch die Frankfurter Buchmesse, die seit dem 9. Oktober im vollen Gange ist und ihren Besucherinnen und Besuchern allerlei Interessantes rund um das Thema Bücher bietet.

Ein thematischer Schwerpunkt der Buchmesse ist das Schicksal des stationären Buchhandels. Dieser stehe nämlich zunehmend der Konkurrenz durch weltweit agierende Konzerne wie Amazon und ihre alternativen Lösungen wie den „kindle“ entgegen. Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, versichert aber: „Das sind Kundenbindungsmaschinen und Logistikzauberer, aber keine Verleger. Da ist keine Leidenschaft dabei“ (Quelle). Bis zu diesem Zeitpunkt – und höchst wahrscheinlich noch für eine sehr lange Zeit – lässt sich das Buch „zum Anfassen“ wohl nicht von seiner elektronischen Konkurrenz in Form von E-Books vom Thron stoßen. Man muss den Blick aber nicht weit schweifen lassen, um eine andere Entwicklung ausfindig machen zu können, in der der Trend weg vom klassischen Medium und hin zur elektronischen Alternative geht: Die Rede ist dabei von Zeitungen und Blogs.

Die Zeitung ist tot, es lebe das… Blog?

Wer die Entwicklung der zahlreichen Alternativen zum Buch (kindle und Co. lassen grüßen) mit besorgtem Blick verfolgt, wird nicht umhin kommen, auch die rasante Entwicklung des Weblogs zu bemerken: Das Phänomen Blog gilt für viele User als wertvolle Ergänzung zu klassischen Printmedien – wenn nicht sogar als Ersatz.

Während die ersten Blogs in den 1990er-Jahren eher noch eine Randerscheinung darstellten, machen sie heute einen großen Anteil des WWW aus und sind für uns nicht mehr wegzudenken – seien es privat geführte Hobbyblogs, repräsentative Unternehmensblogs oder vertrauenswürdige Quellen für topaktuelle Nachrichten. Die verschiedensten Motivationen bringen Menschen zum Bloggen: Während das klassische Blog ursprünglich als digitaler Tagebuchersatz genutzt wurde, umfasst die sogenannte Blogosphäre inzwischen auch zahllose umfangreiche publizistische Angebote mit journalistischem Mehrwert sowie Blogs, hinter denen die Absicht finanziellen Profits steht.

Durch ihre enorme Popularität üben Blogs einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Medienlandschaft aus, und damit auch auf ihre Konsumenten. Die Art und Weise, wie Informationen sich verbreiten lassen, ist im Wandel. Durch Blogs sind frische Informationen nicht nur täglich, sondern im Minutentakt verfügbar. Darüber hinaus sind viele Blogger keinerlei Grenzen unterworfen, wenn es darum geht, welches Thema wie und aus welchem Blickwinkel zu behandeln ist. Anstelle starrer Vorgaben durch Chefredakteure ist hier die persönliche Philosophie des Bloggers das einzige richtungsgebende Element.

Die Blogger-Crowd ist auf dem Vormarsch

Der deutschsprachige Raum der Blogosphäre hat einige „übliche Verdächtige“ hervorgebracht, die mit einem journalistischen Hintergrund und einem geschickten Finger am Puls der Zeit durch ihre Blogs bekannt und erfolgreich geworden sind. Als einer der bekanntesten deutschen Blogger befindet sich darunter zum Beispiel Sascha Lobo, der provokante Irokese im Anzug, der sich inzwischen bundesweit zum wandelnden Symbol des Potenzials eines pointierten und professionell geführten Blogs gemausert hat.

Wenn auch die Blogger-Community in Deutschland  auf dem Vormarsch ist, wird sie den eher klassischen Journalisten im Printbereich noch nicht so gefährlich wie beispielsweise in den USA. Das US-amerikanische News-Blog „The Huffington Post“ zum Beispiel wird von unbezahlten und freiwilligen Autoren geschrieben, hatte im Monat Mai 2013 fast 50 Millionen Besucher und hat im Jahr 2012 als erste kommerzielle Online-Zeitung überhaupt einen Pulitzer Preis gewinnen können.

In Deutschland sind Blogs für etablierte Medien vor allem deshalb interessant, weil es ihnen gelingt, durch eine umfassende Vernetzung in den sozialen Medien sowie durch Netzwerke mit anderen Blogs ihre Reichweite als „Selbstläufer“ konstant zu vergrößern. Dementsprechend reizvoll ist die Blogosphäre selbstverständlich auch als Handlungsfeld für die Werbebranche.

Verschwommene Grenzen: Profi oder Möchtegern?

Zuhause am Computer und sogar unterwegs über Tablet-PCs oder Smartphones können die Leser aus dem riesigen Informationsangebot immer genau das auswählen, was sie interessiert. Alles andere wird nicht weiter beachtet und durch einen kurzen Klick oder Fingerwisch ausgeblendet. Durch die Vernetzung von Blogs in sozialen Netzwerken wird dabei sogar schon eine Art Vorauswahl geboten: So können die Leser die wichtigsten und lesenswertesten Beiträge einschlägiger Blogs unkompliziert anhand der Aktivitäten anderer User identifizieren und im besten Fall sogar mit diesen in Interaktion treten. Apps wie zum Beispiel „Flipboard“ bieten vielfältige Möglichkeiten, sich immer ganz genau die Infos zusammenzusammeln, die man selbst für interessant hält.

Interaktivität macht Blogs zu einem wichtigen Standbein des Web 2.0. Allerdings birgt gerade die Tatsache, dass theoretisch wirklich jeder seinen Senf zu allem abgeben kann, auch einen großen Nachteil von Blogs als „Journalismus der Zukunft“ in sich: Denn wo wird die Grenze gezogen zwischen hochwertigen und vertrauenswürdigen Blogs und unprofessionellen Weblogs, in denen bloß unbelegbare Behauptungen gemacht werden oder in denen die Beschreibung bestimmter Ereignisse stark durch die persönliche Ideologie des Bloggers eingefärbt ist?

Wenn ein Internetuser zunächst fünf Blogs mit Fehlinformationen oder irrelevantem Content verwerfen muss, bevor er einen findet, der ihm tatsächlich das Gesuchte liefert, kann sich der Vorteil der kurzen Reaktionszeit der Blogs schnell relativieren. Dies gilt ganz besonders dann, wenn Blogs mit schlechtem Inhalt technisch und designerisch so gut umgesetzt sind, dass die Identifikation von falschen Infos oder bloßem Click-Bait nur mit geschultem Auge zuverlässig gelingt. Während professionelle Journalisten nur gut recherchierte und gegengeprüfte Informationen veröffentlichen, kann man sich darauf bei „freien“ Blogs nicht verlassen. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass die Aufnahme von Informationen durch die Internetuser wesentlich sensibler sein muss. Andererseits könnten Blogs, die sich über eine lange Zeit in der schnelllebigen Blogosphäre behaupten können, auch besonders „kampferprobt“ und lesenswert sein.

Aus der Sicht von Content-Autoren: Was meinen Sie dazu?

Die Verbreitung des Blogs als schnell und in Massen verfügbares Medium ist schon viel zu lange im Gange, als dass sie von Papier-Puristen noch gestoppt werden könnte. Wichtig ist dementsprechend nur die Frage, wie mit dieser Entwicklung umzugehen ist. Und hier interessiert uns Ihre Meinung!

Wo verorten Sie Blogs in der Medienlandschaft – sind sie für Sie bloß für Ergänzungen zu klassischen Printmedien gut oder haben Sie bei der Informations- und Nachrichtensuche schon komplett von Zeitungen zu Online-Blogs gewechselt?

Wie bewerten Sie die im Text beschriebene Entwicklung – können Blogs die gute, alte Tageszeitung überhaupt ersetzen? Und wenn nicht, wieso?

Und in welchen Themenbereichen können Sie sich vorstellen, dass die Entwicklung weg von der Zeitung und hin zum Blog besonders schnell bzw. langsam von statten geht?

Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge – viel Spaß beim Diskutieren!

 

One thought on “Der Zeitungsstand auf dem Smartphone-Screen: Wie Blogs die Medienlandschaft prägen

  • 11. Oktober 2013 at 11:08
    Permalink

    Bücher werden nie aussterben – soviel ist sicher. Auch die Zeitung wird so schnell nicht verschwinden und nur noch auf einem Monitor zu finden sein. Vielleicht in 100 Jahren, vielleicht auch vorher oder später. Aber nicht in naher Zukunft. Gründe dafür gibt es einige. Beispielsweise sind die meisten nach wie vor an einem Ryhtmus gewöhnt, Sonntagmorgens die Zeitung rein zu holen, sich einen Kaffee trinken und dabei lesen. Eher Pendler, Menschen die viel arbeiten, sind eher auch diejenigen die sich über einer App die Nachrichten auf Blogs und so weiter ansehen. Es ist nämlich eine Sache zu Hause eine Zeitung in Ruhe zu lesen, als wenn einer im vollen Zug sitzt und dabei die Zeitung nicht einmal aufschlagen kann.
    Ich persönlich liebe die klassische Zeitung, so wie klassische Bücher. Sie wirken „realer“. Die Vorstellung es würde so etwas irgendwann nicht mehr in der Form geben, ist für mich unvorstellbar. Theoretisch gesehen sind wir für den Wandel selbst verantwortlich. Daher bestimmen auch wir selbst, ob es in einer ungewissen Zukunft eine Zeitung noch geben wird oder nicht.

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