Das Internet der Dinge: die dritte Revolution der Digitalisierung

Nach Web 2.0 und Social Media erlebt das Internet nun die dritte Revolution: nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen nutzen es, die virtuelle und physische Welt verschmelzen immer weiter. Das „Internet der Dinge“ ist eines der Trendthemen des Jahres. Was man genau darunter versteht wird in diesem Beitrag beleuchtet.

 Allgegenwärtig, unsichtbar, vernetzt

Internet of things computer and smart watch remote control flat icons composition poster abstract isolated vector illustration

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“we need an internet for things, a standardized way for computers to understand the real world“(Schoenberger, C.R., 2002)

Ubiquitious Computing, Pervasive Computing oder auch das Internet der Dinge – unter all diesen Ansätzen versteht man das allgegenwärtige „unsichtbare“ Einbetten von intelligenten Technologien in den Alltag. Über Sensoren, Funk und Zugriffe auf Informationen aus dem Internet, erfassen physische Systeme ihre Umwelt, lernen von unserem Verhalten und sind in der Lage diese Daten zueinander in Beziehung zu setzen. Somit „wissen“ sie, wie sie reagieren sollen, um den Alltag der Menschen in ihrer Umgebung zu erleichtern. Vermutlich wird in absehbarer Zukunft kaum ein Bereich nicht mehr vernetzt sein – intelligente Autos, Kühlschränke und Häuser auf der einen Seite, Gesundheitskontrolle auf der anderen. Und allen voran Smartphones und digitale Assistenten, wie Siri oder Amazon´s Echo, das bald auch auf dem deutschen Markt erscheint. Tatsächlich gibt es schon jetzt mehr maschinelle als menschliche Internetnutzer; 2020 rechnet man mit 25 Billionen vernetzten Gegenständen (Gartner, 2014).

Smart-TV, Smart Home und Co.: Beispiele aus dem Internet der Dinge

Typische Beispiele für intelligente Technologien sind Heimautomatisierungssysteme, Smart-TVs oder intelligente Autos. Diese Geräte verfügen über eine eigene IP-Adresse und sind permanent mit dem Internet verbunden. Auch Geräte, die nicht selbst permanent mit dem Internet verbunden sind, aber mit Geräten kommunizieren, die auf das Internet zugreifen, gehören dazu sowie Geräte mit RFID Tags (Funk-Chips) und QR Codes. Über Smartphones, Smartwatches und PCs lassen sich die Anwendungen steuern – sie sind sozusagen die Mediatoren zwischen Internet, Gerät und Mensch. Den Möglichkeiten der Einbettung immer kleinerer und günstigerer Sensoren in Alltagsprodukte sind keine Grenzen gesetzt – vom intelligenten Eierkocher bis zur selbstgesteuerten Landwirtschaft. Auf der diesjährigen CeBIT stellten Unternehmen aus verschiedenen Branchen intelligente Technologien vor:

Was „wissen“ Geräte bereits über uns?

Das Smartphone als permanenter Begleiter weiß, wo wir uns befinden und navigiert uns in einer fremden Stadt zum nächsten Bäcker, es versorgt uns in Echtzeit mit Nachrichten, speichert und analysiert den Verlauf unseres Fitnesstrainings. Die Informationen, die hierbei anfallen, werden in der Cloud gespeichert. Das Bereitstellen und Analysieren dieser sehr großen und sich schnell ändernden Datenmengen (Big Data), bildet zusammen mit Informationen aus dem Internet die „Wissensgrundlage“ dieser Technologien. Hinzu kommt die Weiterentwicklung des semantischen Webs, die das immer bessere Interpretieren von Sprache und Kontext durch Systeme und Technologien – zum Beispiel bei der Nutzung von Sprachassistenten – beinhaltet.Google und Co. verfügen bereits über eine Vielzahl an Informationen über ihre Nutzer, beispielsweise den Standort von PCs und Smartphones, Kontakte, Browserverläufe und Suchanfragen. Der Standort eines Smartphones kann z.B. über den GPS-Empfänger des Gerätes selbst oder den Telekommunikationsprovider erfasst werden; Anwendungen, für die der Standort relevant ist, wie Wetter-Apps, speichern diesen dann.

Female hands hold a tablet computer with system smart house on a screen on the background of the house

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Wie alle revolutionären Entwicklungen sorgt auch das Internet der Dinge für geteilte Meinungen: Der Nutzen intelligenter Systeme kann eine große Bereicherung für viele Aspekte des Lebens darstellen, auf der anderen Seite sorgt das Sammeln und Auswerten zum Teil sehr sensibler Daten, z.B. im Gesundheitswesen, natürlich für große Bedenken zum Thema Datenschutz.

Intelligente Technologien sind bereits in vielen Haushalten integriert. Vor allem sinkende Kosten und mehr Sicherheit in Smart Home Technologien wurde in einer Studie der GSMA als überzeugende Gründe für den Einsatz vernetzter Geräte genannt, aber auch Fitness Tracker und Gesundheitssysteme würden auf immer mehr Interesse stoßen.

 Auswirkungen auf die Ergebnisse der Suche im Netz

Die Vernetzung der digitalen mit der physischen Welt und die Weiterentwicklung von Sprachassistenz wirken sich auch auf die klassische Informationssuche im Web aus. Spätestens seit Googles Mobile Friendly Update unterscheiden sich die Ergebnislisten von mobilen und desktopbasierten Suchanfragen: vor allem der lokale Standpunkt, die Hard- und Software des Geräts, aber auch Faktoren, wie Nutzerpräferenzen beim Lesen von mobilem bzw. desktopbasiertem content, spielen eine Rolle bei der Listung der SERPs. Vor allem lokales SEO für kleinere Unternehmen, Optimierungen außerhalb von Google (z.B. App Store Optimierung) und technisches SEO (z.B. die Vorbereitung für mobile Seiten) sind Bereiche, die in den kommenden Jahren noch zunehmend an Relevanz gewinnen. (Alpar, Kotzky & Metzen; SEO-Strategie, Taktik und Technik, 2015).

Data synchronization of health book between smartwatch and smartphone in male hands

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Der Sprachassistent im Wohnzimmer, das selbstfahrende Auto, Fitness-Tracker oder Zahnbürsten, die die Putztechnik auswerten – was halten Sie vom Internet der Dinge? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung 🙂

 

4 thoughts on “Das Internet der Dinge: die dritte Revolution der Digitalisierung

  • 17. Mai 2015 at 21:00
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    Hallo an die content-family,

    niemand bestreit ernsthaft, dass die immer schneller voranschreitende digitale Vernetzung der Welt und die Verknüpfung von Mensch und Internet echte Fortschritte darstellen. Ich stelle mir allerdings einige Fragen angesichts dieser Entwicklung.

    Wird der Gewinn an Lebensqualität, der dadurch entsteht, wirklich gerecht verteilt, sodass alle 7 Milliarden Menschen auf der Welt davon profitieren – oder beschleunigt diese Entwicklung nur die immer rascher sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich?

    Wer garantiert uns, dass diese Erkenntnisse nicht in die Hände von Terroristen fallen, die damit die Menschheit versklaven? Das Angebot an politisch verwirrten und psychisch kranken Weltverbessern ist groß: Es reicht von der nordkoreanischen Diktatur bis zu Al Kaida. Selbst in demokratischen Rechtsstaaten mit kapitalistischer Wirtschaftsstruktur, offenen Diskursen und funktionierenden Medien sind die politischen und ökonomischen Missbrauchsmöglichkeiten dieser allgegenwärtigen Vernetzung furchterregend.

    Ich sehe nirgendwo auf der Welt den politischen Gestaltungswillen, das technische Mögliche in den Dienst aller Menschen zu stellen – und nicht nur die Reichen und Mächtigen noch reicher und mächtiger zu machen.

    Das meint und grüßt
    Peter Umlauf

  • 18. Mai 2015 at 08:56
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    @Peter Umlauf:

    zum ersten Punkt: vermutlich nicht!
    zum zweiten Punkt: vermutlich niemand (der es ernst meint).

    Das läuft wie mit allen technischen Entdeckungen, vom Schießpulver über die Elektrizität, die Atomenergie bis hin zum Internet. Einziger Unterschied (wenn ich mir die ganzen Smartphonesüchtigen so ansehe) ist, dass wir uns inzwischen aus Eigenantrieb selber versklaven 😉

  • 18. Mai 2015 at 13:33
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    Hallo!

    Danke wieder einmal für die Lektüre, die die tägliche Arbeit untermauert. Die hier aufgezeigten Trends und „Generationen“ der sicher noch spannenden Entwicklung rufen bei mir doch die kleine Anarchistin auf den Plan. Die Frage, die hier gestellt wird:

    Was „wissen” Geräte bereits über uns?

    wird der große schlaue Überwacher nämlich gerade bei uns nicht schlüssig beantworten können. Was ist denn das für ein Mensch, der hintereinander Seiten zu Themen wie Fußpilz, Fotodruck, Mänteln in Übergrößen und Dildos aufruft? Wer kann das sein, wie sieht das Profil aus? Nun, es handelt sich einfach um einen recherchierenden Autor von content. Big brother, take that!

    Grüße an alle! Bea

  • 20. Mai 2015 at 09:34
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    Google kennt nicht nur Browserverlauf, Standort und Co, sondern verknüpft die vorhandenen Daten auch noch miteinander und erhält so ein erschreckend genaues Bild des Nutzer. Im Ergebnis steckt Google den Nutzer dann in definierte Werbekategorien. Kann man mögen, muss man aber nicht. Bedenklich wird es, dass deartige Datensätze regelmäßig auch Begehrlichkeiten staatlicherseits wecken. Was ja diverse Geheimdienstskandale in der letzten Zeit deutlich gezeigt haben.

    Das Internet der Dinge wird, bei allem Komfort, diese Datensätze allerdings noch deutlich anwachsen lassen und den Nutzer noch „gläserner“ machen.

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