Produkttexte zum Thema Gesundheit

Tabletten und einhundert Eurogeldschein Symbolfoto: Kosten für Medizin und Medikamente der Pharmaindustrie

Achtung Verbraucherschutz!
So streng ist der Gesetzgeber bei Produkttexten zum Thema Gesundheit

Hersteller und Vertreiber von Nahrungsergänzungsmitteln lassen ihre Produkte zunehmend gerne von content.de-Autoren beschreiben. Das Texten für diese Produktkategorie hat es in sich. Grund: die strengen Gesetze des europäischen Parlaments. Die sogenannte Health Claims Verordnung gibt EU-weit vor, wie die Wirkung verzehrfertiger Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel beschrieben werden darf. Für Autoren heißt das: Wer eine Produktbeschreibung oder einen Werbetext für Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel schreibt, in dem Angaben zu Nährwerten und/ oder die gesundheitliche Wirkung vorkommen, muss sich – zumindest sinngemäß- an die Formulierungen der Health Claims Verordnung halten.

 

Hintergrund

Für die Beschreibung von Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gilt: „Was behauptet wird, MUSS wahr sein!“

Besonders der Markt der Nahrungsergänzungsmittel ist in den vergangenen Jahren unübersichtlich geworden. Verbraucher werden mit zum Teil unwahren und übertriebenen Behauptungen gelockt, teilweise sehr teure Pillen und Drinks zu kaufen, die ihre Gesundheit und Fitness positiv beeinflussen sollen.

Das Ziel der Health Claims Verordnung ist, den Verbraucher vor irreführenden, wissenschaftlich nicht belegbaren Angaben zu schützen. Beispiel Vitamin C: Allgemein ist das Vitamin – egal ob in natürlicher oder in synthetischer Form- für seine „Immunsystem-stärkende Wirkung“ bekannt. Da diese stärkende Wirkung aber nicht wissenschaftlich belegt ist, sondern lediglich eine positive Auswirkung auf das Immunsystem aufweist, schreibt die Health Claims Verordnung vor, in entsprechenden Produktbeschreibungen und Werbetexten einen Gang zurückzuschalten. So muss sich der Hersteller oder eben der Texter an folgende Aussage halten: „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Im­munsystems bei“.

 

Die Liste

Im offiziellen Gesetzestext zur Health Claims Verordung ist jeder Nährstoff, jede Substanz, jedes Lebensmittel oder Lebensmittelkategorie mit seiner zugelassenen Aussage gelistet. Alle wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft. Steht eine Aussage nicht auf der Liste, ist sie nicht zugelassen und darf nicht verwendet werden.

Die offizielle Liste der Haelth Claims Verordung befindet sich hier. http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:136:0001:0040:DE:PDF

Hinweis: Die gesundheitsbezogene Wirkung von äußerlich angewandten Substanzen wie Cremes, Gels oder Tinkturen sind aktuell noch nicht in der Health Claims Verordnung aufgeführt. Ein entsprechendes Gesetz wir es aber in naher Zukunft geben.

 

Die Konsequenzen für Texter

Auch wenn es in der Kreativität einschränkt: Autoren, die Texte zu entsprechenden Produkten verfassen, müssen sich unbedingt an die sinngemäße Aussage dieser Formulierungen halten. Das heißt nicht, dass eine Formulierung zwingend wörtlich übernommen werden muss. Greifen wir noch einmal unser Vitamin-C-Beispiel auf, wäre eine Formulierung wie „Mit Vitamin kommen Sie gut durch den Winter“ durchaus in Ordnung. Nicht zulässig aber wäre zum Beispiel „Vitamin C schützt Sie vor Erkältungen.“

Veröffentlicht ein Produktvertreiber einen Text, der gegen die Health Claims Verordnung verstößt, kann das für ihn erhebliche juristische Konsequenzen haben.

Für Autoren, die Produktexte mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben schreiben, gilt also immer: mitdenken und sich der besonderen kreativen Herausforderung stellen.

10 thoughts on “Produkttexte zum Thema Gesundheit

  • 18. Oktober 2015 at 22:48
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    Diese Health Claims Verordnung ist echt eine Geißel für die Texterei. Ich würde Fachtexte auch immer von einem Fachmann gegenprüfen lassen.

  • 19. Oktober 2015 at 12:53
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    Ja, liebe(r) Sammy mit dem schönen Namen, stimmt. Aber was bleibt, wenn Du Deiner Sorgfaltspflicht nachgekommen bist, noch an Geld übrig? Das ist wirklich ein haariges Terrain – Danke aber für die Mühe, für uns nachvollziehbar zu machen, was so alles „dran hängt“ und zu beachten ist.

    Gruß, Bea

  • 19. Oktober 2015 at 21:35
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    Danke!
    Nomalerweise müssten (Fach)-Texter im Medizin- und Gesundheitsbereich über die HCV und das HWG Bescheid wissen. Dass dem nicht so ist, lesen wir regelmäßig bei unseren Netz-Recherchen. Es ist erschreckend, mit welcher Vehemenz auf Ratgeber- und Verkaufsseiten behauptet wird, dass irgendwelche Substanzen, Vitamine und Gewürze zum Beispiel Krebs und Alzheimer heilen sollen. Tatsächlich gibt es viele nützliche Wirkstoffe aus der Natur, die bei den verschiedensten Krankheiten unterstützend wirken können, aber das darf man ohne wissenschaftlich fundierte Quellen nicht einfach behaupten. Heilversprechen, egal welcher Art, verbietet das Heilmittelwerbegesetz, ob uns das nun gefällt oder nicht. Kritik am inhaltlichen Wahrheitsgehalt solcher Texte wird von den Urhebern beleidigt weggewischt mit den Worten „Wer heilt, hat recht“ – nur dass keinerlei Beweise für die angebliche Heilkraft erbracht werden.Offensichtlich gibt es keine echten Kontrollen in diesem Bereich, sonst würde nicht so viel virtuelles Gefahrengut im Netz kursieren. Leider greifen unheilbar Kranke nach jedem Strohhalm und glauben nur zu gern solchen Versprechungen. Klagen werden sie kaum, wenn es nicht funktioniert. Dann sind sie nämlich tot. Meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig Kontrollen in diesem Bereich und wenn, dann trifft es die falschen.

    Liebe Grüße, Claudia

    Liebe Grüße, Claudia

  • 31. Oktober 2015 at 17:49
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    Die Beschreibung von Nahrungsergänzungsmitteln und sonstigen Supplementen, welche physiologische Prozesse optimieren oder unterstützen („können“), sollte auch nicht von überschwänglicher Kreativität geprägt sein. Jeder Texter sollte sich dessen bewusst sein, dass es im Endeffekt um die Gesundheit von Menschen geht, die einem Artikel mitunter uneingeschränkten Glauben schenken. Ich arbeite über content.de schon lange für diverse Fitness- und Gesundheits-Magazine im Online- und Printbereich, die z.T. schlechte Erfahrungen mit Textern gemacht haben, die schlichtweg keine Ahnung haben, über welche Themen sie da genau schreiben. Auch ich persönlich als fachspezifisch ausgebildete Person könnte mich immer wieder darüber aufregen, was auf diversen Seiten geschrieben und versprochen wird. Die Probleme, die dadurch auf die Portalbetreiber, die Autoren und nicht zuletzt die Konsumenten selbst zukommen „können“ sind mitunter erheblich. Ich persönlich plädiere ohnehin dafür, dass solche Themen nur von Autoren bearbeitet werden sollten, die sich mit der Materie auskennen und Aussagen von Wikipedia und Google nicht einfach blind übernehmen. Wer an dieser Stelle überschwängliche Kreativität an den Tag legen möchte, sollte sich der Belletristik zuwenden.

    MfG TheRacoon

  • 5. November 2015 at 21:27
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    Das weiß doch jedes Kind inzwischen, wie man mit solchen Infos im Netz umzugehen hat. Was wird sich denn so künstlich ereifert? Man findet doch nicht erst seit gestern lauter Humbug im Netz. Als ob Krebskranke sofort die Therapie abbrechen würden, nur weil sie irgendeinen euphorischen Text gelesen haben. Wie lange gibts das Internet und wie lange ist es schon so, dass jeder irgendwelchen hanebüchenen Unsinn einstellen kann? Also bitte, tut nicht so als säßen vor den Kisten lauter hilflose Senioren, die alles glauben, was da geschrieben steht. Und tut bitte auch nicht so, als ständ nicht auch in allen anderen Bereichen lauter Unsinn im Netz. Natürlich sollten Texter, die sich auf diese Themen spezialisiert haben, sich an die gesetzlichen Regelungen halten, aber es ist doch einfach nur Schwachsinn so zu tun, als würden die Leut scharenweise Therapien abbrechen, nur weil im Netz dieses und jenes steht. Das kommt eher von unseriösen Therapeuten und Scharlatanen, die die Patienten freiwillig aufsuchen.

  • 5. November 2015 at 22:55
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    Ich möchte auch etwas dazu sagen. Ich schreibe über solche Themen nicht, aber ich bin heilfroh, dass ich mir lauter hilfreiche Infos aus dem Internet ziehen kann. Ärzte nehmen sich für mich nur ein paar Minuten Zeit und stecken einen sofort in eine Schublade. Ich hab leider übers Internet schon mehr Antworten und Hilfe bei diversen Beschwerden bekommen als über etlcihe Arztbesuche und das geht nicht nur mir so. Weil hier ganz normale Menschen über ihre Erfahurgen und Krankheiten schreiben und sich austauschen können., Noch hilfreicher als Texte finde ich Foren.. . die meisten Antworten bekomme ich in Foren. Hier bekommt man mit, wenn ein Medikament unverträglich ist, bei dem der Artz Stein und Bein schwört, dass es keine besodneren Nebenwirkungen hat… Komisch, dass es im Internet dann viele Menschen gibt, die genau die gleichen Nebenwirkugnen haben wie man selbst. Ebenso kommen Ärzte nicht auf ganz harmlose Ursachen… wie Gelenkschmerzen durch Zugluft oder solche Dinge. VIel zu schnell bekommt man heute Antibiotika verschrieben oder soll unters Messer. Ich bin heilfroh, dass ich übers Internet lauter Infos bekomme, die ich beim Arztbesuch nicht bekomme. Wie ich mit den Infos umzugehen habe, weiß ich und ich kenne niemanden, der hier alles für bare Münze nimmt. Von mir aus kann sich im Internet die Health Claims Verordnung durchsetzen, aber ich fand es bisher nicht schlimm, dass man quasi über Mundpropaganda über alternative Therapien Bescheid bekommt.
    Leider ist es oft so, dass man manchmal Ärzten noch das eine oder ander über ein Medikament mitteilen muss, z.B. die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten,. denn sowas wird meist vernachlässigt. Vielleicht hört es sich verrückt an, aber ich wünsche mir manchmal, die Ärzte würden mehr im Internet lesen, dann bekämen sie nämlich das eine oder andere auch mit. Welcher Arzt sagt dir, dass du Simbaveta nicht mit Grapefruit kombinieren darfst oder andere Medikamente nicht zu bestimmten Nahrungsmitteln passen, man kriegt das Zeug verschrieben und fertig.
    Dass das Internet keinen Arztbesuch ersetzt ist wohl jedem mündigen Bürger klar. Aber es ist eine ungeheure Bereicherung für uns alle, die wir bei unerklärlichen Beschwerden nun viel eher eine Antwort durch andere BEtroffene bekommen als bisher nur durch Artzbesuche. Leider reagieren Ärzte auch ganz schön hilflos bei Krankheiten udn Beschwerdebilder, die sie nicht herkömmlich therapieren können. Wenn man übers Internet von neuartigen Therapieansätzen hört, ist man froh und schöpft neue Hoffnung. Das bedeutet aber nicht, dass man deswegen der Schulmedizin den Rücken kehrt.
    Also ich hab die Health Claims Verordnung bisher nicht vermisst und ich lebe noch, ebenso alle, die ich kenne und im Internet lesen.

  • 6. November 2015 at 09:40
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    Hallo!

    Ui, ui, das kann leicht zu einer Art ideologischer Debatte werden. Ich kenne mehrere Mediziner, die einigermaßen entsetzt sind, wenn Patienten sie mit einer fertigen „Diagnose“ aufsuchen, die sie dem Internet entnommen haben. Wenn ich manchmal ein Stichwort, sagen wir, Stiche im Ohr, aufrufe, bekomme ich genau diese Seiten, in denen ein Marcus fragt, wieso sein Ohr seit drei Tagen ziept, und die werten Forianer ihm sofort mit „Das ist ein Tinnitus, hatte mein Schwiegervater auch“, „Das ist Krebs“ etc. in den, tja, Ohren, liegen. Davon abgesehen, dass ich auch schon Beiträge – natürlich gegen Geld – für allerhand Seiten dieser Art geschrieben habe, finde ich die so wenig seriös, dass ich solche Foren ganz sicher nicht als Grundlage nutzen würde, wenn ich mal ernsthaft krank werden würde. Wozu haben Mediziner all die Jahre studiert? Da geht es doch um Fachkompetenz, die wir hier für uns doch auch in Anspruch nehmen. Da kann eben auch „nicht jeder kommen“.

    Mehrere Meinungen einzuholen, mehrere Quellen zu nutzen, ist sicher der beste Weg.

    Gruß, Bea

  • 6. November 2015 at 11:50
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    Natürlich muss man Infos filtern… Insgesamt werden die I-Net User mal wieder für blöder gehalten, als sie sind.
    Und die großartigen Claims schützen auch nicht vor selbsternannten Gesundheitsexperten, die sich Texter nennen und mal hier und da im KH gearbeitet haben oder sonst eine lächerliche Ausbildung im Gesundheitswesen gemacht haben, die in nichts mit einem Medizinstudium zu vergleichen ist.
    Ich denke der Otto-Normal-User weiß inzwischen, dass im I-Net keine Ärzte schreiben und auch keine ausgebildeten Journalisten, die wissen, wo und wie man recherchiert.
    In jeder Apotheken-Umschau und etlichen Blättchen und Illustrierten findet man übrigens fragwürdige Formulierungen wie das Schüssler Salz Nr. soundso stärkt das Immunsystem und schützt vor Erkältungen oder baut die Knochensubstanz auf u.ä.
    Wenn sowas in den Printmedien steht, ist es viel schlimmer, weil man denen noch eher glaubt, als dem I-Net.
    In diesem Sinne, Gesundheit!
    Arne

  • 11. November 2015 at 03:32
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    Zum Wohl, Arne!

    Sehe ich dennoch anders, denn Du überschätzt den Otto-Normal-User gewaltig. Dieser sucht nach hilfreichen Informationen im Netz und nimmt für bare Münze, was Google zuoberst ausspuckt – ein Hoch auf das Ranking seo-optimierter Texte! Die Hausärzte werden entlastet und die Fachärzte freuen sich tagtäglich über aberwitzige Selbst-Diagnosen. Jetzt kommen wir: Ein Texter übernimmt im Gesundheitsbereich Verantwortung für seine Leser. Gut, bei Schüsslersalzen xyz und homöopathischen Ozeantropfen sind Inhalt und Formulierungen ziemlich egal – Hauptsache, das Zeug wird verkauft, schaden tut’s ja nicht und wenn es helfen soll, muss man nur ganz fest dran glauben. Solcher Content stellt jedoch nur einen Teilbereich dar.

    Wer als Mediziner für seine Praxis oder Klinik medizinische Fachttexte braucht, ordert diese selten auf Börsen, sondern über Textagenturen mit guten Referenzen. Wenn diese dann die Aufträge an eine Börse weiterreichen und den gewünschten Content von Textern mit „lächerlichen Ausbildungen im Gesundheitswesen“ schreiben lassen, dann haben sie sogar noch Glück gehabt.Viele Texter haben jedoch keine entsprechende Ausbildung, sondern lediglich als Sekretärin oder gar Patient ein KH von innen kennengelernt und halten sich für kompetent, weil sie ein Krankenblatt entschlüsseln können. Zeit ist Geld und Inhalt ist nebensächlich. WDF*IDF formuliert geht selbst Schwachfug als Fachwissen durch und erobert den Suchmaschinenolymp, wo der gefälligst selbständig denken sollende Otto-Normal-User die „neuen“ Informationen aufsaugt und selbstverständlich auf Richtigkeit kontrolliert. Wunschdenken!

    Hierzu passt dieser Cartoon: https://www.facebook.com/dienstwerk/posts/1001223809928471

    Gesundheit!

    Liebe Grüße, Claudia

  • 11. November 2015 at 09:33
    Permalink

    @Claudia

    Köstlich – mediterran! Das hebt die Laune an diesem funzligen Tag!
    Gruß, Bea

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