Guter Rat zur rechten Zeit: (Tages-)Zeitangaben als orthografische Herausforderung

Am letzten Märzwochenende war es wieder so weit: Die Uhren wurden des Nachts um eine Stunde vorgestellt auf Sommerzeit. Moment mal – des Nachts? Müsste es nicht (während) der Nacht heißen? Ganz schön knifflig mit dem nächtlichen Genitiv. Sagen wir einfach, die Zeitumstellung erfolgte nachts bzw. in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Aber ist das dann Samstagnacht gewesen oder Sonntagfrüh? Beides richtig – genauso wie „des Nachts, am frühen Sonntagmorgen“. Verwirrend, denn der Genitiv des femininen Substantivs die Nacht lautet schließlich der Nacht. Nichtsdestotrotz hat sich die Form des Nachts eingebürgert, analog zur Genitivbildung der maskulinen Substantive bei allen weiteren Tageszeiten: des Morgens, des Mittags und des Abends.

Zu Ihrer Beruhigung: Es handelt sich bei diesem Beispiel um einen Sonderfall – meistens lässt sich die korrekte Schreibung von Zeitangaben besser nachvollziehen und es gibt nur ein paar Grundregeln zu befolgen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Für alle, die den Mini-Jetlag nach der Zeitumstellung noch nicht ganz verkraftet haben und denen das Einstiegsbeispiel zu kompliziert ist, haben wir im Folgenden ein paar einfache Tipps zur korrekten Schreibung von Tageszeiten und weiteren Zeitangaben zusammengestellt. Berücksichtigen Sie diese, klappt‘s auch mit dem (guten ersten Eindruck beim) Dating und der Frühling kann kommen.

 

Alles zu seiner Zeit – Alltagsbeispiele

Korrekte Zeitangaben werden benötigt, um Termine zu vereinbaren und Missverständnisse zu vermeiden, wenn man sich etwa per Mail oder Kurznachricht mit anderen verabreden möchte. Beim Verfassen von Berichten und Protokollen spielen sie ebenfalls eine wichtige Rolle, um Vorgänge und Abläufe nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich der Schreibweise richtig wiederzugeben.

Wir beschränken uns im Folgenden auf Angaben bezüglich Wochentagen und Tageszeiten. Bei solchen Zeitangaben kann es sich um Substantive  oft erkennbar am Artikel bzw. einer Präposition (der Morgen, am Montag; zu Mittag, gegen Abend), Adverbien (gestern, heute, morgen) oder um eine Kombination aus beiden handeln. Daraus resultieren unterschiedliche Schreibweisen (groß/klein, getrennt/zusammen). Die Bezeichnungen von Tageszeiten nach Adverbien wie gestern, heute und morgen werden als Substantive angesehen und großgeschrieben.

Grundsätzlich unterschieden werden bestimmte Zeitangaben, die sich auf einmalige Zeitpunkte/Ereignisse beziehen, und relative, die dazu dienen, generelle Aussagen über wiederkehrende Wochentage und Tageszeiten zu treffen.

So will Ihr Sohn beispielsweise montagnachmittags immer zum Fußballtraining gefahren werden, weil es jeden Montag stattfindet; am nächsten Mittwochabend ist in der Schule Elternsprechtag und die Großeltern verlassen sich darauf, dass Sie sich samstags morgens (generell) um die Pflege ihres Gartens kümmern.

 

Einmalige Angelegenheiten

Wenn man eine einmalige Begebenheit beschreiben möchte, kann man der substantivischen Tageszeitangabe ein Adverb voranstellen. Wenn Zeitadverbien in Kombination mit Tageszeiten auftreten, bleibt das Adverb ein Adverb (kleingeschrieben) und das Substantiv ein Substantiv (großgeschrieben). Somit erklärt sich auch die Getrenntschreibung.

Ich bin heute Morgen mit starken Kopfschmerzen aufgewacht.

In der Kantine gibt es morgen Mittag Nudelauflauf.

Eine Ausnahme stellt die Zeitangabe früh/Früh dar. Sie wird in Österreich meist großgeschrieben, in Deutschland (abgesehen von Süddeutschland) jedoch üblicherweise klein. Erlaubt sind laut Duden beide Varianten; „die Früh“ kann somit wie „der Morgen“ behandelt werden.

Der Zug kam heute früh/Früh verspätet.

Es können aber auch zwei Substantive zu einem kombiniert werden, um eine bestimmte Zeitangabe zu machen. Diese zusammengesetzten Substantive schreibt man immer groß, auch wenn sie ohne Artikel stehen:

(der) Montag + (der) Vormittag = (der) Montagvormittag

(der) Sonntag + (die) Nacht =  (die) Sonntagnacht

 

 

Immer wieder – Woche für Woche

Will man eine generelle Aussage treffen, weil etwas immer/nie gilt bzw. man etwas regelmäßig/generell/aus Gewohnheit oder traditionell an einem bestimmten (Wochen-)Tag tut, kommen Zeitadverbien zum Einsatz. Diese werden wie alle Adverbien kleingeschrieben und sind an einem angehängten s zu erkennen.

Beispiele:

Wir trinken Bier nur an Tagen, die mit g enden – und mittwochs.

Er wäscht sein Auto samstags (= jeden Samstag).

Freitags ist sie nie da.

Der letzte Beispielsatz ist dem Song „Die da!?!“ von den Fantastischen Vier über „die Frau, die freitags nicht kann“ entlehnt. Ein Teil des gerappten Dialogs lautet: „Ist es die da?“ – „Nein, freitags ist sie nie da.“ Diese bekannte Liedzeile kann als Eselsbrücke fungieren. Falls Sie eine andere Musikrichtung bevorzugen: Es gibt genug weitere Titel, die als Gedächtnisstütze herangezogen werden können. „Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung“, heißt es beispielsweise in einem nicht minder bekannten Evergreen, interpretiert vom Schlagerduo Cindy & Bert. Sich die Schlüsselwörter nie und immer zu merken, ist im Kontext dieser Art von Zeitangaben hilfreich.

Um solche generellen Aussagen bezüglich regelmäßig stattfindender Ereignisse bzw. sich wiederholender Aktivitäten noch weiter zu präzisieren, bedient man sich der Kombination zweier Zeitadverbien (Wochentag + Tageszeit). Diese dürfen sowohl zusammengezogen als auch getrennt geschrieben werden:

montagmorgens/montags morgens

samstagabends/samstags abends

Im letzteren Fall kann man alternativ natürlich auch das seltener anzutreffende „sonnabends“ verwenden:

Sie treffen sich sonnabends immer zum Skatspielen.

 

Kommt Zeit, kommt (Rechtschreib-)Rat

Wer vor oder während der Umsetzung der Rechtschreibreform die Schulbank gedrückt hat, wird sich mit der korrekten Schreibung von Zeitangaben vielleicht etwas schwerer tun, denn einige Regeln haben sich im Laufe der Zeit geändert. Die alphabetisch sortierte Wortliste zur neuen Rechtschreibung auf korrekturen.de hilft Ihnen, die Entwicklung nachzuvollziehen. Sie ermöglicht Interessierten eine vergleichende Gegenüberstellung alter und neuer Schreibweisen (Rechtschreibung bis 1996, Reformschreibung 1996 bis 2004/2006 und heutige Rechtschreibung seit 2004/2006).

Während bis 1996 beispielsweise die Schreibweise „Freitag abends“ korrekt war, lautet die richtige Form heute „freitagabends“ (s. o.); „freitags abends“ wurde hingegen schon früher genau so geschrieben.

Substantive wie (der) Morgen schreibt man ebenfalls erst in neuerer Zeit auch dann groß, wenn sie als Tageszeitangabe in Verbindung mit Zeitadverbien verwendet werden. Statt „gestern Morgen“ lautete die korrekte Form bis 1996 „gestern morgen“. Aber das vergessen Sie am besten ganz schnell wieder.

 

Exkurs zum Ostersamstag

Aus gegebenem Anlass soll anhand des folgenden Beispielsatzes abschließend noch erläutert werden, dass Zeitangaben im Einzelfall trotz korrekter Schreibung missverständlich aufgefasst werden können.

Im Dorf findet ostersamstags immer ein Osterfeuer statt.

Das heißt, dass es dort in jedem Jahr ein Osterfeuer gibt. Da es sich um ein wiederkehrendes Ereignis handelt, wird hier ein Zeitadverb mit angehängtem s verwendet. Theologisch betrachtet ist der Fall damit allerdings noch nicht abgeschlossen, denn umgangssprachlich wird die Zeitangabe „ostersamstags“ anders verwendet als in der kirchlichen Tradition. Ist der Tag vor dem Ostersonntag gemeint, müsste es korrekt „karsamstags“ heißen, weil der Samstag vor Ostern noch zur Karwoche gehört. Im Christentum ist der Ostersamstag nämlich der darauffolgende Samstag – also der nach Ostern (vor dem Weißen Sonntag). Dieses Zusatzwissen ist zum Beispiel für Lektoren wichtig, da der allgemeine Sprachgebrauch hier vom christlichen abweicht.

„Wann?“ ist also nicht umsonst eine der meistgestellten W-Fragen. Eine korrekte schriftliche Antwort zu geben, sollte nun aber für Sie kein allzu großes Problem mehr sein. Und da die Fristen bei content.de samstags und feiertags generell ausgesetzt werden, genießen Sie hoffentlich erholsame Ostertage.

Alle, die sich dem Thema Zeitangaben gerne noch intensiver widmen möchten, finden hier Informationen zur Schreibung von Uhrzeiten und Datumsangaben:

http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/uhrzeitangaben

http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/datumsangaben-die-mit-am-eingeleitet-werden

Nicht ganz so ernst zu nehmen ist das folgende kurzweilige „Tutorial“.

Viel Spaß damit & frohe Ostern!

 

 

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