Von Raben, Hobbits, Ferkeln und Hexen: die bekanntesten Kinderbuchautoren

Was zeichnet gute Kinderbücher aus? Sollen sie informieren, unterhalten, belehren? Bis zum Jahr 1865 waren sich Pädagogen und Eltern einig: Hochwertige Kinderliteratur fördert die sittliche Entwicklung. Doch dann wagte ein englischer Mathematiker einen neuen Ansatz…

„Was ist der Unterschied zwischen einem Raben und einem Schreibtisch?“*

Eine merkwürdige Frage aus einem merkwürdigen Buch – so seltsam, dass der Zeitgeist „Alice im Wunderland“ von Lewis Caroll zunächst ignorierte. Von erzieherischem Bemühen war in den skurrilen Abenteuern der Titelheldin nämlich nichts zu spüren, dafür umso mehr von Einfühlungsvermögen in kindliche Vorstellungswelten. Im Wunderland begegnet die kleine Alice nicht nur sonderbaren Geschöpfen wie dem verrückten Hutmacher und einem lebendigen Kartenspiel samt enthauptungswütiger Königin. Durch diese Figuren sprechen auch die Erwachsenen mit all ihren Regeln, Forderungen und Verhaltensweisen. Dabei benehmen sich die seltsamen Wesen so absonderlich und manchmal auch beängstigend, wie „die Großen“ einem Kind tatsächlich oft erscheinen.

Lewis Carroll wusste: Ein guter Text ist der Zielgruppe verständlich und angenehm zu lesen – eine Einsicht, von der auch Sie als Autor profitieren, nicht nur am 2. April, dem Internationalen Kinderbuchtag.

Lesenswert, liebenswert, aber nicht sehr schlau

Im zwanzigsten Jahrhundert war ein hoher Unterhaltungswert zum selbstverständlichen Bestandteil guter Kinderliteratur geworden. Meist waren Kinder die Protagonisten, obwohl ein gewisser Teddybär Einspruch erheben könnte. Dieser Bär lebt unter dem Namen Sanders im Hundertsechzig- Morgen-Wald und von ihm handeln gleich zwei Bücher: „Pu der Bär“ und „Pu baut ein Haus“ von Alan Alexander Milne. Doch selbst der liebenswerte, sorglose und stets hungrige Pu müsste zugeben, dass es ihm bei seinen Abenteuern ohne einen kleinen Jungen namens Christopher Robin manchmal schlecht ergangen wäre. Der ist nämlich viel klüger als Pu und hilft ihm regelmäßig aus allerlei Schwierigkeiten.

Der Vater des Fantasyromans

Manche Kinderbücher gelangten tatsächlich ohne darin vorkommende Kinder zur Berühmtheit, so auch „Der kleine Hobbit“ von J.R.R Tolkien. Die Fahrt von Bilbo Beutlin zum Berg Erebor ist eingebettet in eine märchenhafte Landschaft voll bekannter Motive aus dem Sagenreich: Ein Drache bezieht bedrohlich Stellung und raffgierige, doch im Grunde gutherzige Zwerge stapfen traditionsgemäß an der Seite des Hobbits einher. Daneben schuf Tolkien aber auch Neues: Geschöpfe wie die üblen Orks und auch die Hobbits, denen das Buch seinen Namen verdankt.

Die 1954 und 1955 veröffentlichte Fortsetzung, „Der Herr der Ringe“, übertraf ihren Vorgänger noch an Beliebtheit. In den 80er Jahren avancierte der Fantasy-Roman über den Hobbit Frodo Beutlin, der den Ring des dunklen Herrschers Sauron vernichten will, zum regelrechten Kultbuch.

„Das beste und klügste Publikum sind Kinder“**

Einen Meilenstein der Kinderliteratur setzte der kürzlich verstorbene Kinderbuchautor Otfried Preußler. Mit Büchern wie „Die kleine Hexe“, „Krabat“ oder „Der Räuber Hotzenplotz“ bereicherte der Volksschullehrer und spätere Rektor nicht nur seine Schüler, sondern tausende Kinder auf der ganzen Welt – seine insgesamt 32 Werke wurden in rund 50 Sprachen übersetzt. Zu seinen phantastischen Geschichten ließ Preußler sich von böhmischen Sagen und Erzählungen inspirieren und schuf damit unvergessliche Welten, die wohl auch in den nächsten Jahrzehnten noch Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern werden.

Acht Verlage sagen Nein zu sieben Büchern

Wenn Sie für Ihre Arbeit als Autor ein Vorbild an Fleiß und Beharrlichkeit suchen, dann haben Sie es mit Joanne K. Rowling gefunden. Nicht einen, sondern das Gerüst für gleich sieben Romane entwarf sie, bevor der erste Band, „Harry Potter und der Stein der Weisen“, 1997 veröffentlicht wurde. Acht Verlage hatten zuvor abgelehnt.

Die Entwicklungsgeschichte des jungen Zauberers Harry und sein Kampf gegen den bösen Voldemort erreichte eine solche Popularität, dass manch verschreckter Feuilletonist die Bände reflexartig verschmähte, so als handele es sich um Buch gewordene, unansehnliche Turnschuhe. Den jungen (und auch den erwachsenen) Lesern war das egal: Sie liebten die spannenden Geschichten, den sprachlichen Humor und den phänomenalen Einfallsreichtum Joanne K. Rowlings.

Ein Streitfall

Wie man auch im 21. Jahrhundert mit einem Kinderbuch für politische Kontroversen sorgen kann, zeigten Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke Im Jahr 2007 mit „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“. Das freche Kinderbuch beschäftigt sich kritisch mit der christlichen, islamischen und jüdischen Religion und „schaffte“ es sogar bis zum Verbotsantrag. Doch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien stellte sich im Jahr 2008 auf die Seite der Meinungsfreiheit.

Sachdienliche Hinweise zu Hobbits, Ferkeln und anderen verdächtigen Gestalten nimmt dieser Blog gerne entgegen.

*Alice im Wunderland, Frankfurt am Main, 1963

**Otfried Preußler: „Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass Kinder das beste und klügste Publikum sind, das man sich als Geschichtenerzähler nur wünschen kann. Kinder sind strenge, unbestechliche Kritiker.“

One thought on “Von Raben, Hobbits, Ferkeln und Hexen: die bekanntesten Kinderbuchautoren

  • 15. März 2013 at 16:33
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    Im Sinne Otfried Preußlers, der sich übrigens nur mit einem t schreibt, plädiere ich dafür, dass die für den Autorenwettbewerb eingereichten Kurzgeschichten von einer KInderjury bewertet werden.

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