Tipps zum Schreiben – Teil 2: Kardinalfehler beim Texten vermeiden

Zehn Kardinalfehler beim Texten, die Sie vermeiden sollten!

Zwar ist der eigene Schreibstil ein Ausdruck von Persönlichkeit und sollte keinen zu strikten Regeln folgen – es gibt jedoch ein paar typische Texter-Missgeschicke, die den Ausdruck verpfuschen und den Lesefluss stören. Um Sie vor diesen kleinen Ausrutschern zu bewahren, haben wir in unserem zweiten Teil der Serie „Tipps zum Schreiben“ eine Liste typischer Kardinalfehler beim Texten zusammengestellt:

1. Floskeln und Phrasen
Floskeln gehören zu den beliebtesten Kardinalfehlern. Als inhaltsleere Aussagen lassen sie sich universell einsetzen und dienen darum oft als Überschrift oder Einleitung eines Textes. Typische Beispiele für Floskeln sind: „Immer eine Reise wert“ – hier lässt sich jede beliebige Stadt platzieren; oder „In Zeiten des Internets“ – das trifft mittlerweile auf eine sehr lange Ära zu. Doch gerade Überschriften und Einleitungen entscheiden, ob ein Text gelesen wird. Zeigen Sie dem Leser, dass er hier etwas Neues erfährt: wecken Sie Emotionen, seien Sie kreativ, falls es zum Thema passt, ruhig auch provokant, und erzeugen Sie Interesse. Ein ausführlicher Beitrag zum Thema Floskeln und Phrasen erwartet Sie übrigens in der Kalenderwoche 32.

2. Formulierungen mit „Man“
Sätze mit der indirekten Leseransprache „man“ sind stilistisch wenig elegant formuliert und lassen einen Text umgangssprachlich wirken. Dabei lässt sich das unschöne „man“ häufig ganz einfach ersetzen: Schreiben Sie statt „Wenn man gerne im Garten sitzt, sollte man sich einen bequemen Gartenstuhl zulegen.“ einfach “ Wer gerne im Garten sitzt, sollte sich einen bequemen Gartenstuhl zulegen.“

3. Füllwörter und –sätze:
Ein weiterer gängiger Stilbruch sind Füllwörter- und Sätze, die keinen inhaltlichen Wert bieten und einen Text unnötig aufblähen. Richtig dosiert machen Füllwörter einen Text flüssig; übermäßig angewandt stören sie jedoch den Lesefluss und lassen einen Text schnell unprofessionell wirken. Typische Beispiele für Füllwörter sind die (doppelte) Nennung von Bindewörtern („aber auch“; „und auch“), Wörter, die eine Aussage abschwächen („halt“, „wohl“), Formulierungen wie „wer…, der“ und die unnötige Nennung von Artikeln.

Beispiel für Füllwörter in Überschriften:
„Die Lebensdauer und der Austausch von Tintenpatronen“ Ohne die in diesem Fall überflüssigen Artikel kann die Überschrift kürzer formuliert werden in: „Lebensdauer und Austausch von Tintenpatronen“. Der Inhalt ändert sich dabei nicht.

Beispiel für Füllwörter im Fließtext:
„Die Versicherung kann von Privatpersonen, oder aber auch von bestimmten Unternehmen beantragt werden.“ Dieser Satz lässt sich durch das Streichen von Füllwörtern um drei Wörter verkürzen und wirkt dadurch gleich bestimmter und stilsicherer: „Die Versicherung kann von Privatpersonen sowie bestimmten Unternehmen beantragt werden.“

4. Wiederkehrender Satzbau
Texte, die wenig Variation im Satzbau aufweisen, lesen sich eintönig und vermitteln dem Leser das Gefühl eines lustlosen und gelangweilten Verfassers. Ein bisschen Abwechslung in Länge und Aufbau der Sätze gibt dem Text Rhythmus und Pep. Trennen Sie einen längeren Satz zwischendurch ruhig mit Kommata oder Spiegelstrichen, statt nur kurze Hauptsätze aneinanderzureihen. Auch hier gilt es jedoch, das richtige Maß zu halten –  verschachtelte Sätze strengen den Leser an und sollten daher vermieden werden.

5. Inhaltliches Chaos
Der rote Faden darf nicht fehlen – vor dem Erstellen eines Textes sollten Sie eine grobe Struktur im Kopf haben, die alle Fragestellungen des Textes berücksichtigt. Vorab kann es helfen, zunächst Kapitel oder Textabschnitte zu gliedern und diese nach und nach abzuarbeiten. Wie Sie genau vorgehen, bleibt natürlich Ihnen überlassen – wichtig ist nur, dass der finale Text vollständige Informationen in einem sinnvollen Aufbau bietet.

6. Überschrift und Text passen nicht zusammen
Die Überschrift beschreibt, was den Leser im jeweiligen Text(teil) erwartet. Im besten Fall ist sie eine kurze, präzise Vorschau auf das Ziel des Textes: Ein verkaufsfördernder Text sollte darum eine verkaufsfördernde Überschrift haben; bei einem informativen Text sollte die Überschrift Aufschluss darüber geben, welche Informationen im jeweiligen Abschnitt gegeben werden – und das so punktgenau wie möglich. Überlegen Sie, was Ihr Text hervorheben und bezwecken soll: wenn er zum Kauf eines Lifestyleproduktes, wie eines Parfums, anregen soll, eignet sich eine emotionale und auffordernde Überschrift, die das Gefühl, das mit dem Produkt verbunden werden soll, widerspiegelt. Wenn der Text jedoch nüchtern über die Eigenschaften eines Produktes informieren soll, bleiben Sie auch in der Überschrift sachlich und preisen das Produkt nicht an.

7. Unbegründete Behauptungen
Behauptungen dürfen aufgestellt werden, sollten jedoch niemals haltlos sein. Die Aussage „Der Föhn liegt gut in der Hand“ kann beispielsweise folgendermaßen begründet werden: „Durch sein geringes Gewicht und den geschwungenen Handgriff liegt der Föhn gut in der Hand“. Bevor eine Aussage getroffen wird, sollten Sie sich also immer die Frage „Warum?“ stellen – denn das macht der Leser auch.

8. Ziel oder Zielgruppe verfehlt
Eine Bedienungsanleitung für Bohrmaschinen hat ein anderes Ziel und spricht eine andere Zielgruppe an, als eine verkaufsfördernde Produktbeschreibung für Pralinen. Darum sollten Sie sich vor dem Schreiben fragen: „Für welche Zielgruppe schreibe ich?“ und „Was ist das Ziel des Textes?“. Denn genauso wenig, wie die schöne rote Farbe das Hauptaugenmerk der Anleitung für die Bohrmaschine sein sollte, empfiehlt es sich bei einem Werbetext für Pralinen über die Gefahren von Zucker zu schreiben.

9. Formulierungsfaulheit
Sätze, die mehrere Informationen beinhalten, wirken durch ungeschickte Verbindungen oft zusammengeklebt. Hier ist es besser den Satz zu trennen oder noch einmal über einen Zusammenhang der Informationen nachzudenken. Ein Beispiel für diese „Klebsätze“ ist der Folgende: „Überall finden sich kleine Wälder und die malerische Dorfkirche strahlt eine ganz besondere Ruhe aus.“ Da der zweite Teil des Satzes keinen Bezug zum ersten Teil hat, entsteht das typische Klebsatz-Phänomen. Eine bessere Formulierung wäre: „Mit seinen kleinen Wäldern und der malerischen Dorfkirche strahlt der Ort eine ganz besondere Ruhe aus.“

10. Desinteresse am Thema
Suchen Sie sich Themen aus, die Ihnen liegen und die Ihnen Spaß machen. Autoren, die zu einem Thema schreiben, das sie nicht wirklich interessiert, laufen schnell Gefahr sich zu wiederholen – und die neun oben genannten Kardinalsfehler zu begehen.
Vermeiden Sie die zehn typischen Text-Patzer und geben Sie Floskeln, Füllwörtern und Co., keine Chance! Weitere Tipps rund ums Schreiben finden Sie in unseren Literaturtipps und in den wöchentlichen Blogbeiträgen.

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