Weniger ist mehr – von der Freude am schwer Zugänglichen

Die Aussage »Ist die Content-Marketing-Party schon vorbei?« aus einem Newsletter, der Internet-Kapitäne, lies uns aufhorchen. Markus Hövener bezieht sich mit seinem Artikel auf einen Beitrag von Mark Schaefer, der mit dem Titel »Content Shock: Why content marketing is not a sustainable strategy” zu einer regen Diskussion in der Online-Marketing-Szene geführt hat.

»Content-Marketing« beschreibt das Bestreben, Zielgruppen mit Information zu erreichen und an sich zu binden. In der Idealvorstellung geht man hierbei von Content aus, der den Lesern einen signifikanten Nutzwert bietet und aus diesem Grund eine entsprechende Wertschätzung erfährt. Aus diesem Grund bemühen sich nun die Unternehmen, mit aller Kraft, möglichst viel Content zu produzieren.


Hatten wir zuvor noch von den Online-Markting-Rockstars von Rand Fishkin den deutlichen Apell: »Better Content > more Content« mitgenommen, geht es bei der Diskussion nun nicht um die Beschaffenheit eines Textes, sondern um den potenziellen Leser und seine Kapazitäten Content zu verarbeiten.

Im Kern dreht sich die Diskussion um die Frage, ob es sinnvoll ist, immer mehr Content zu produzieren, wenn deutlich ist, dass dieser Content kaum noch wahrgenommen wird.

Früher wurde noch wertgeschätzt

Das Thema »Reizüberflutung« ist keineswegs ausschließlich ein Internetphänomen. Vielmehr hat sich die gesamte Medienlandschaft im letzten Jahrzehnt auf dramatische Art- und Weise verändert und mit ihr auch die Nutzungsgewohnheiten, bzw. unser Konsumverhalten.

Es gab eine Zeit, in der man mit einem gewissen Aufwand an den Titel eines neuen Songs gekommen ist. »Dieser coole Song, den der DJ gerade aufgelegt hat, von wem stammt der?« Hatte man diese Information über Umwege bekommen, gab es verschiedene Möglichkeiten, an das »begehrte Objekt« zu gelangen:

  • Guter Kontakt zum DJ, der einem dann mit einem Mix-Tape beglückte.
  • Der Plattenladen meines Vertrauens, bei dem die »Scheibe« vorliegt, oder der Song bestellt werden konnte.
  • Über den musikinteressierten Freundeskreis, was unter anderem ein Anlass für eine emotionale Musik«hör«Session gewesen ist.
Fotolia - Fotograf: senoldo

Fotolia – Fotograf: senoldo

Die »Tauben flogen einem nicht in den Mund«, man musste sich bemühen, an den gewünschten Content zu gelangen. Längere Bestellzeiten waren kein Hindernis und haben die Vorfreude über einen längeren Zeitraum dementsprechend hoch gehalten. Wenn der Song dann endlich da war, wurde er tagelang rauf und runter gespielt und es wurde ein neues, eigenes Mixtape mit den Lieblingssongs aufgenommen, welches auch als wertschätzendes Geschenk im Freundeskreis gerne weitergereicht wurde. Manchen Urlaub verbindet man noch heute damit, welches Tape seinerzeit rauf und runter lief.

Der eine oder andere Leser kann sich vermutlich noch an die YPS-Hefte mit Gimmick des Ehapa-Verlages erinnern. Im Freundeskreis war die wöchentlich erscheinende Zeitschrift seinerzeit heiß begehrt und mit viel Vorfreude wurde jeder aktuellen Ausgabe entgegengefiebert.

Der Verlag bot in unregelmäßigen Abständen die Möglichkeit, ältere Ausgaben nachzubestellen, wovon auch ich einmal Gebrauch gemacht habe. Die Bestellung wurde schriftlich, per Postkarte durchgeführt. Sechs Wochen musste man damals auf seine bestellten Ausgaben warten. Und… was war das für ein Moment, das Päckchen nach sechs Wochen Wartezeit endlich in den Händen halten zu können.

Nach den sechs Wochen wurden die drei Hefte wie eine aufwändig erlangte Trophäe wertgeschätzt.

Reizüberflutung oder die Frage »Wie viele Infos können/wollen wir täglich konsumieren?«

Fotolia - Fotograf: aey

Fotolia – Fotograf: aey

Heutzutage sind wir fast alle auf Bestellzeiten von Amazon konditioniert. Per Mausklick lässt sich heute nicht nur ein Konsumgut von heute auf Morgen bestellen, auch die Suche nach einem Lied übernimmt das Handy mit der App »Shazam« verlässlich, wodurch uns die Tauben sprichwörtlich in den Mund fliegen. Mit nur einem Klick wird der »aufwändig« gesuchte Song gekauft und steht innerhalb von wenigen Sekunden als Eigentum zur Verfügung. Was ist das für ein Kauferlebnis im Vergleich zu einer Lieferzeit von sechs Wochen?

Die Plattensammlung oder CD-Sammlung wurde durch den Medienserver ersetzt und Musiktitel werden immer häufiger nur noch angespielt anstatt bis zum Ende genossen. »Wer kann denn 20 GB Musik überhaupt noch hören?«

Diese Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch unser gesellschaftliches Leben und insofern verwundert die Diskussion zum Thema »Content-Marketing« nicht. Letztendlich ist der Content nur eines von vielen Dingen, die in unserer Zeit kurzweiligen und inflationären Charakter haben.

Es fehlt bei Vielem die Wertschätzung, wobei diese sich nicht immer nur mit der minderen Qualität des betreffenden Konsumgutes begründen lässt, sondern der Reizüberflutung und der Tatsache, sich immer weniger bemühen zu müssen, um an Informationen, Medien oder Konsumgüter zu gelangen, geschuldet ist.

Quo vadis: Die Zukunft des Content-Marketing

Wir sind davon überzeugt, dass das Thema weiterhin seine Bedeutung hat und es immer Texter, Autoren und Strategen bedarf, um Zielgruppen noch zielgerichteter als bisher anzusprechen und mit den für die Zielgruppe wahrhaft interessanten Aspekten zu unterhalten.

Insofern halten wir an der Aussage von Rand Fishkin fest.

Der Nutzwert und die Qualität von Content werden wesentliche Aspekte für dessen Wertschätzung und den Erfolg oder Mißerfolg einer Contentstrategie sein. Ambitionierte und herausragende Autoren werden zunehmend in den Fokus gelangen. Daneben wird es aber weiterhin Bereiche geben, die mit Gebrauchstexten zu füllen sind und die nicht über eine aufwendig aufgesetzte Content-Strategie betextet werden.

Ob wir dann nach gründlicher Zielgruppenanalyse und optimalen Wording zu unserer Zielgruppe durchdringen, steht, aufgrund der zuvor geschilderten Rahmenbedingen, auf einem anderen Blatt. Aber: gar nicht kommunizieren geht auch nicht, das hatte schon Watzlawick – zugegeben in einem anderen Zusammenhang – treffend bemerkt.

13 thoughts on “Weniger ist mehr – von der Freude am schwer Zugänglichen

  • 14. März 2014 at 17:32
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    Buhuu, mir kommen gleich die Tränen. Wenn etwas ein Märchen ist, dann das von der „Reizüberflutung“. Artikel wie diese kommen doch immer von den gleichen Typen: Alt und unwillig, sich den neuen Realitäten zu stellen. Content wird doch nicht um seiner Selbst willen produziert, sondern um einen validen Mehrwert zu produzieren. Wenn das schon nicht verstanden wurde, ist es kein Wunder dass man zu solchen Querschüssen kommt. Meine Empfehlung: In den Ruhestand gehen und um Himmels willen sich einfach mal raus halten. Wirklich was zu Sagen hat man ohnehin nicht mehr.

  • 14. März 2014 at 19:08
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    Irgendwie hat mich das an den Blog-Artikel über „Narrative Science“, also der maschinellen Texterstellung, erinnert. Was wurde eigentlich aus diesem Trend?

  • 14. März 2014 at 19:12
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    Das erinnerte mich irgendwie an „Narrative Science“, was wurde eigentlich aus diesem Trend?

  • 14. März 2014 at 22:36
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    Guten Abend!

    Nach einer arbeitsreichen Woche, in der ich mich, wie sicher viele hier, mit dem Verfassen wirklich schmissigen Contents beschäftigt habe, nun das: Eigentlich will unsere Texte bald keiner mehr lesen – wegen Überfütterung des Hirns bzw. des „Nein Danke, hab ich schon“!
    Natürlich ist das jetzt überspitzt formuliert, aber der Artikel hat mich und einige verwandte Seelen doch zum Nachdenken angeregt. Es stimmt nämlich leider, dass nichts mehr allzu viel wert ist, weil alles (vermeintlich) immerzu verfügbar ist, gleichzeitig wird hier und an ähnlichen Stellen immerzu ein „Mehrwert“ gefordert. Was macht man als Schreiber daraus? Hoffen und beten und das Abebben der gröbsten Zynismuswelle abwarten?
    Die Rückschau auf alte Gimmicks und Tapes war zumindest schwer nostalgisch, darum auch irgendwie schön. Die erste Jeans, ach ja, die erste wirklich tolle „Platte“, die jemand aus London mitbrachte: Soo alt ist man doch schon?
    Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch die Tatsache, dass vor nur wenigen Jahrzehnten ein Mensch hierzulande im Schnitt 500 Dinge besaß; heute sind es 10.000!
    Ist mehr nun toll, mehr oder weniger wert, und wie schaffen wir armen Würstchen es, hier einen Mehrwert zu generieren, wenn die Leser so übersatt sind?
    Spannend – und sicher noch kein Grund zum Verzweifeln. Bea

  • 15. März 2014 at 13:54
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    Hallo,

    also wenn ich diese Frage nicht als Autorin, sondern als Konsumentin von Internet-Infos beantworten soll, dann bin ich der Typ, der brauchbare Informationen über Google sucht und kein seichtes Larifari. Ein Text darf dann durchaus einmal richtig lang sein, und zwar bis hin zu einer mehrere hundert Seiten langen Doktorarbeit. Sehr gern habe ich bei Themen, die mich interessieren, beides an der Hand. Eine kürzere, aber durchaus komplete und zunächst leicht verständliche Zusammenfassung eines komplexen Themas und eventuell, wenn mich das Thema sehr interessiert und ich es zum ersten Mal höre, auch sehr konkrete Details, damit ich wirklich verstehe, was ich gesucht habe und mir selbst ein Urteil erlauben kann. So ist sicherlich nicht jeder Leser eingestellt. Ich habe unlängst bei Facebook eine Frau kennengelernt, die über jedes Thema diskutiert, und das vehement und mit Wut, und bei der ich irgendwann feststellte, sie liest über ein Uralt-Handy und kann keine Links öffnen, diskutiert also nur über die Überschriften .. also, Menschen sind sehr verschieden, aber was mich selbst betrifft, ich suche echte Infos, wenn ich etwas suche und kein Geschwafel. LG Renate

  • 16. März 2014 at 12:01
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    Ich bin es nochmal, und zwar nun mit einer Antwort aus der Sicht als Autorin, die davon noch nie leben konnte, aber sich ein Zubrot verdient.
    Einer meiner Stammkunden schickt mir regelmäßig Blanko-Aufträge über mein Hobby eigene Pferde. Ich kann da schreiben,was ich will und das kann ich sicherlich genauso wie die beiden Kollegen, mit denen ich im Team arbeite, nur deshalb, weil ich seit 22 Jahren eigene Pferde halte und durch dieses Hobby auch ständig neue Dinge erlebe, also wirklich im Thema drin bin.
    Als Beispiel soll ein Text über Mistkäfer und Schmeißfliegen dienen, den ich gestern zum Thema fertig gemacht habe. Zur Zeit werden Pferdehalter wieder sehr attackiert, weil unsere Haustiere unterwegs bei Ausritten auch einmal Pferdeäppel fallen lassen, die ein Reiter nicht wie ein Hundehalter sofort mitnehmen kann, sondern allenfalls, wenn es in der Nähe seines Heimatstalls passiert, mit der Schubkarre hin fahren und sie weg holen .. nach den Ausritt.
    Ich habe deshalb einmal über die kleinen Tierchen geschrieben, die in rasender Geschwindigkeit auf Ausläufen und Weiden selbst dann Pferdemist in Kompost verwandeln, wenn wir ihn nicht täglich einsammeln.
    Da ich seit 22 Jahren täglich Pferdeäppel einharke, weiß ich genau, wie diese Tiere arbeiten und aussehen.
    Trotzdem fand ich bei meiner Suche nach dem landläufigern Begriff Mistfliegen zunächst gar nichts, unter Dungfliegen, dass ihre Larven keinen Mist fressen und nur über die Google-Fotosuche schließlich endlich eine Gruppe Fliegen auf einem Kuhfladen, den Begriff Schmeißfliegen und unter Wikipedia dann mehr über diese Tiere.
    Bei den Mistkäfern war es etwas einfacher, aber bei 150 Arten ist es auch da hilfreich, diese Tiere schon gesehen zu haben um zu wissen, dass genau diese Art auch dort zugange ist, wo ich Erfahrung habe. So entdeckte ich bei Wikipedia nur über ein dort auch verlinktes Foto die Art Geotrupes egeriei. Das sind diese hübschen, kleinen, golden aussehenden Mistkäfer, die in Schleswig-Holstein sehr oft in großen Mengen unter Pferdeäppeln aktiv sind und konnte so mehr über sie suchen und schreiben.
    Wenn ich nicht aus Erfahrung wüsste, wie diese Tiere aussehen, wäre das schwierig geworden, selbst mit Wikipedia, so konkrete Infos zu bieten wie ich es mit Hilfe von Wikipedia, aber auch meiner eigenen Erfahrung über mein ganz persönliches Hobby, eben kann.
    Aber!!!!!
    Es gibt nur einige wenige Bereiche, wo ich mich genauso gut auskenne wie mit Pferden. Jeder einzelne Text, den ich verfasse, bringt mir nur ein paar Euro, wenn überhaupt.
    Um nur einen Nebenverdienst zu haben, muss ich sehr fleißig sein und auch Themen bearbeiten, die nicht zu meinen Hobbys gehören, denn sonst würde ich gar nichts mehr verdienen.
    Wenn ich das so lese, wird es immer schwieriger für uns Autoren werden, denn ich glaube nicht, dass die Kunden bereit oder auch finanziell in der Lage sein werden, für wirkliche Fachtexte viel mehr auszugeben, als sie es jetzt tun.
    Und jene Texte, von denen ich noch vor einem Jahr recht viele bearbeiten konnte, nämlich einfach ein wenig mit Keywords zum Thema um mich werfen ohne viel an Wissen zu brauchen, die werden weniger.
    Ergo kann ich nur sagen, dass uns Autoren harte Zeiten bevorstehen könnten, wenn das so weitergeht.
    Oder sehe ich das falsch?

    LG
    Renate

  • 17. März 2014 at 08:55
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    Nein, mich beunruhigt die Diskussion über den möglicherweise sinkenden Wert von Content und die Reiz-Überflutung nicht – im Gegenteil: Sie bestätigt mich in meiner Überzeugung, dass der individuelle, originelle Inhalt abseits des Mainstream das ist, was immer, überall und am stärksten wahrgenommen wird.
    Ich weiß nicht, ob er noch gilt, aber es gab in der Werbung einmal den Satz mit den drei A: anders als andere. Wenn ich, zum Beispiel für Ratgeber-Artikel, einen Content-Text mit nur wenigen oder ganz ohne Keywords verfasse, bekomme ich erfreulich regelmäßig mit der Abnahme die Rückmeldung vom Auftraggeber: „Danke, genau wie gewünscht“. Ich schreibe dann abseits der üblichen Meinungstrends auf der Basis meiner ganz persönlichen Erfahrung. Was mir dabei zugute kommt, ist gewiss mein Alter (werde in diesem Jahr 60) und Berufserfahrung aus vielen unterschiedlichen Branchen. Was auch hilft ist, dass ich seit frühen Kindertagen dazu erzogen wurde, mich mit dieser Welt und meinem Leben darin bewusst und reflektiert auseinandersetzen. Damit verbunden ist die Erfahrung, dass eine solche Form der Lebensgestaltung zudem Freude und Befriedigung verschafft. Wer auf dieser Basis von geistiger und seelischer Erfahrung schreibt, hebt sich ab, er ist anders als andere und findet auch in unserem Medienzeitalter Gehör. So ein Mensch trägt zur Vielfalt bei – nicht zur Vervielfältigung der Einfalt.
    Ich erlebe das gerade wieder in dem politischen Online-Diskussionsforum, in dem ich Mitglied bin. Da stellt ein Historiker einen langen Artikel rein über die Krim-Krise, ausgedruckt mit 11 Punkt-Schrift in normalem Geschäftspapierformat sind das mit Sicherheit 10 DIN A4-Seiten. In langen, komplexen Gedanken und Sätzen empfiehlt der Historiker dort sieben Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit den Vorfällen in der Ukraine. Er warnt vor der diktatorischen Dummheit Putins genauso wie vor dem diplomatischen Versagen des Westens. Er warnt vor den Vereinfachern der komplexen Geschichte und Ethnienvielfalt in der Urkaine und den politischen Rattenfängern, die sich immer nur einen Aspekt heraussuchen und ihn für ihre Zwecke missbrauchen. Als Lösungsansatz entwickelt er die Vision eines reifen, klugen, aufgeklärten Vielvölkerstaats Ukraine. Wenn ich im Fernsehen die immer gleichen sabbelnden Visagen das immer gleiche Mainstreamzeug über die Entwicklung in der Ukraine quasseln sehe, schalte ich nur noch angeödet ab. Diesen Artikel habe ich gelesen und zwar mit Genuss von der ersten bis zur letzten Zeile. Und ich gehöre zu den vielen Mitgliedern dieses Online-Debattenforums, die lebhaft auf diesen Beitrag reagieren.
    Ich behaupte, dass sich dieses Konzept in den kommerziellen Bereich übertragen lässt – also auch dorthin, wo wir alle die Content-Familie bilden. Wer immer nur dem vermeintlich Neuen hinterherhechelt, geht in der Masse unter. Das Erfolgreiche sind gelegentlich alte Tugenden, die mir zum Beispiel geholfen haben, mich für den Sommer schon mit Aufträgen zu versorgen. Zu unseren Kunden gehört ein Sportonline-Portal, für das ich während der Fußball-WM in Brasilien über die Content-Platform viele Fußballberichte schreiben werde – so jedenfalls haben wir es über den Nachrichtentool vereinbart. Was mir geholfen hat, diese Aufträge zu bekommen, war die Prägung aus 13 Jahren als Sportredakteur bei einer Tageszeitung: unter Zeitdruck korrekt, zuverlässig und schnell zu arbeiten.
    Noch ist die Arbeit für Content auch für mich lediglich ein Nebeneinkommen. Aber ich glaube daran, dass es möglich ist, sie zu einer Existenzgrundlage zu machen. Ich sage das allerdings mit der Gelassenheit eines Menschen, auf den in vier Jahren in eine gute gesetzlich wie private Altersversorgung wartet. Aber bis dahin muss ich noch von irgendetwas leben – und Taxi fahren, kellnern oder Hausmeisterdienste kann ich nicht ….
    Das meint und grüßt
    Peter

  • 17. März 2014 at 10:11
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    Hallo Peter,
    wir haben einen Job, wo positives Denken Sinn macht.
    Deshalb möchte ich hier einmal ein positives Beispiel aus unserem privaten Blog nennen, das in der Überschrift noch nicht einmal ein Keyword enthält, worum es im Text geht, sondern nur einen wütenden Fluch meines Ehemannes, der den Text verfasst hat.
    Im Text an sich geht es um einen Artikel eines typischen Pferdehassers, der sich über die Reiter aufregt, die Spazierwege verschmutzen würden.
    Nun sind das sicher Reitwege, und für Reitwege zahlt man heute fast überall mit einer Vignette, um überhaupt darauf reiten zu dürfen, was kein Spaziergänger und auch kein Hundehalter tut.
    Über die Hundesteuer kann man dann an anderer Stelle diskutieren, denn es würde Sinn machen, dass sich Pferdehalter und Hundehalter zusammentun, statt sich gegeneinander aufhetzen zu lassen. Tiersteuern erfüllen nämlich in Deutschland schon immer nur einen Zweck, ohne Gegenleistung die Kassen der Kommunen zu füllen.
    Ein anderes Facebook-Mitglied brachte dann die abstruse Idee auf, den Pferden wie früher vor dem heftigen Einsatz der Tierschützer in Wien geschehen, einen Beutel zwischen die HInterbeine zu binden.
    Mein Mann ging hoch wie eine Rakete und begann zu schreiben. Aus dem Bauch, logisch wie jemand, der Erfahrung damit hat, mit einem Pferd in der Landschaft unterwegs zu sein, das anders als ein Hund nun einmal ein Fluchttier ist und beide Hände für die Aufsicht und Führung benötigt, als Tierfreund und natürlich richtig wütend, denn das hatte ihn extrem auf die Palme gebracht.
    In unseren Kommentaren kamen dann noch so Stilblüten zutage, wie grundsätzlich mit Rucksack, Schaufel und Harke zu reiten, ohne darüber nachzudenken, wie man so die Balance hält oder was einem Reiter passieren könnte, der vom Pferd stürzt und auf eine Harke fällt, die er auf dem Rücken trägt.
    Es dachte auch niemand darüber nach, dass man ein Pferd nicht einfach überall wegstellen kann, um Pferdeäppel in einen Rucksack zu harken und das Tier vielleicht auf die Straße unter ein Auto laufen könnte und so einen schweren Unfall verursachen .. außer den Reitern, die wissen, wovon wir reden.
    Der Artikel meines Mannes verbreitete sich in Windeseile in unzähligen Gruppen und Foren und wurde bald nicht nur bei Facebook diskutiert.
    Innerhalb von nichtmal 24 Stunden hatten wir die ersten 2.700 Klicks auf diesem Text und es hat noch nicht aufgehört.
    Einige weitere Erklärungstexte dazu laufen genauso gut.
    Auf Keywords hat mein Mann dabei nicht geachtet und ich habe es bei den Folgetexten zum Thema ebenfalls nicht getan.
    Wir haben nur aus Erfahrung über ein Thema geschrieben, von dem wir etwas verstehen und von dem viele Menschen etwas verstehen, denn Pferdefans gibt es unzählige.
    Also Peter .. das war mal positiv gedacht, aber nur ein Beispiel aus einem privaten Blog, mit dem wir an Werbeeinnahmen lediglich ein Taschengeld verdienen. Wir setzen dort allerdings auch keine Backlinks, sondern es läuft nur die Werbung von Google-Adsense versteckt an einer Seite, so wie ich das eingestellt habe, und das mit voller Absicht, weil es mir dort um die Inhalte und nicht ums Geldverdienen geht.

    LG
    Renate

  • 17. März 2014 at 12:25
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    Habe mit Interesse (wie immer) alle Diskussionsbeiträge gelesen. Will freilich auch meinen Senf dazu geben. Einerseits zum Thema „Verfügbarkeit“: Diese wird in der Marktwirtschaft über den Faktor Geld definiert und Geld steht einem Konsumenten nur begrenzt zur Verfügung. Daher sind alle käuflich zu erwerbende Dinge auch nur begrenzt verfügbar und deswegen bleiben sie auch begehrt. Außerdem werden durch die wirtschaftliche Entwicklung Reize und auch Bedürfnisse tagtäglich kreiert. Woher wusste ich noch vor wenigen Jahren, dass ich ein Smartphone brauchen werde? Oder einen „wireless“ Drucker? So gesehen, wird es auch zu keiner „Reizüberflutung“ in Bezug auf Content kommen, doch um gelesen zu werden, wird aus meiner Sicht, ein Text schon etwas Besonderes sein sollen. Ein Text soll somit neue Reize schaffen und ein Bedürfnis erwecken, einen spannenden Artikel zum Produkt, Dienstleistung, Ereignis usw. zu lesen.

    Dadurch erhoffe ich, dass wir Texter immer mehr zu Autoren werden, d.h. in den Bereich des Kreativen vordringen. Schreiben nach Vorgaben scheint mir kein Hindernis für die Kreativität zu sein. Es wäre natürlich gut, wenn Auftraggeber die Kreativität auch wertschätzen würden. Neulich hatte ich eine Erfahrung gemacht: Beim Versuch, einen Ratgebertext als einen Dialog zu gestalten, bin ich gescheitert und musste den Text umformulieren.

    @Renate: Wusste nicht, dass es Pferdehasser gibt. Bei uns auf dem Lande liegen viele Reithöfe, auch Pferdeäpfel sind natürlich auf den Wegen zu sehen. Meine Hunde zeigen sich immer interessiert und versuchen auch, ab und zu ein Stückchen zu verspeisen. So unterschiedlich können Geschmäcke sein!

    LG von MM

  • 17. März 2014 at 12:49
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    Weniger ist mehr heißt für mich: Ich habe das Querlesen zur Perfektion erhoben.
    In der glücklichen Lage, vom Schreiben und Übersetzen leben zu können, ist für mich das flotte Extrahieren der Essenz von Texten überlebenswichtig!

    Pfeilschnell muss er sein, der Content Writer 2014. Und originell in dem, was er aus dem Recherchierten formt, neu bewertet, zum individuellen Endprodukt gestaltet.
    Selbst Nutzer, orientiere ich mich beim Schreiben daran, was meine Strategie als Rezipient ist: Ich suche überall nach den „leuchtenden Rosinen“ im grauen Textbrei, im YouTube-Angebot, bei Fotos, Abbildungen etc. etc. …

    Und das geht eben immer schneller, angesichts der Mengen, die zu scannen sind. Aber auch das ist irgendwann Routine – zufrieden nehme ich meine „Rosinen“ und stecke sie in den Sack :-).

    LG! Birgit Brüggehofe

  • 19. März 2014 at 19:07
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    Sehr angenehm kurzer Beitrag, Frau Brüggehofe. 🙂

  • Pingback: Content-Schock | Blog content.de

  • 9. April 2014 at 20:25
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    Ich habe vollkommen gegenteilige Erfahrungen gemacht, zumindest wenn ich meinen Kunden Glauben schenken darf:

    „Texte lesen sich wie Butter … Seite rankt turboschnell … Artikel verkaufen sich wie geschnitten Brot.“

    oder

    „ungewöhnlich … ausgezeichnete Arbeit … das bleibt hängen.“

    Kürzlich war allerdings dieser erstaunte Ausruf dabei:

    „Sie denken ja richtig mit!“

    Tja, sorry – wird auch weiter vorkommen. 😉

    Claudia G. (Dienstwerk)

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