Füllwörter erkennen und vermeiden

Oft werden sie in bester Absicht eingesetzt – und ebenso oft bewirkt ihr Einsatz das Gegenteil: Die Rede ist hier von sogenannten „Füllwörtern“.

In der deutschen Sprache gibt es neben Konjunktionen, Adverbien und Adjektiven zahlreiche Modalpartikeln, die – wenn sie gehäuft in einem Text auftreten – zu Füllwörtern werden.

Ob ein Wort ein Füllwort ist, hängt entscheidend vom Kontext ab. Kann man es streichen, ohne dass sich die Aussage eines Satzes verändert, handelt es sich zweifelsohne um ein Füllwort.

Definition

Laut Duden http://www.duden.de/rechtschreibung/Fuellwort ist ein Füllwort ein „Wort mit geringem Aussagewert“.

Alternative Bezeichnungen lauten „Blähwort“ oder „Flickwort“. Sie drücken aus, was Füllwörter mit einem Text machen bzw. warum wir sie – oft unbewusst – verwenden. Sie blähen einen Text auf. Man verwendet sie, um sich zu behelfen, wenn man etwas nicht klar formulieren kann oder sich (noch) nicht festlegen, eine Lücke im Text flicken will.

In der Rohfassung eines Textes dürfen sie ruhig vorkommen. Nach kritischer Prüfung können beim Korrekturlesen aber viele davon gestrichen werden.

Auch in diesen Blogtext hat sich das eine oder andere Füllwort eingeschlichen. Achten Sie doch mal darauf, wie sich das auf die Lesbarkeit auswirkt.

Die Wirkung von Füllwörtern

Getretener Quark wird breit, nicht stark“ stellte schon Goethe einst fest.

Entgegen der beabsichtigten Wirkung verbessern Füllwörter Sätze oder Texte nicht, sondern schwächen Aussagen ab und erschweren die Lesbarkeit.

Es entsteht der Eindruck, dass der Verfasser um den heißen Brei herumredet, nicht in der Lage ist, das Thema auf den Punkt zu bringen. Manchmal fällt einem einfach auf Anhieb kein prägnantes, aussagekräftiges Wort ein und man benutzt ein Füllwort zunächst sozusagen als „Hilfswort“ oder „Platzhalter“. Das ist okay, um im Schreibfluss zu bleiben. Beim Text-Feintuning gilt es aber dann, Füllwörter zu streichen. Dadurch wird der Text als „Produkt“ wertvoller.

Bedenken Sie: Sie ärgern sich schließlich auch, wenn Sie merken, dass Sie eigentlich eine Mogelpackung gekauft haben. Der Netto-Inhalt – bei einem Text der Aussagewert – ist bei solchen Mogelpackungen viel geringer als der erste Eindruck zunächst vermuten lässt.

 

papyrus

 

Füllwort-Alarm: exemplarische Stil-Killer

 

  1. Hilfsverben können ziehen einen Text unnötig in die Länge ziehen.
  1. Durch den übermäßigen Gebrauch des Konjunktivs steigt die Anzahl der Füllwörter in einem Text, der ansonsten eventuell gut wäre.
  1. Satzkonstruktionen mit „nicht nur, sondern auch“ sollten Sie nur in Ausnahmefällen verwenden, um einen besonderen Umstand hervorzuheben. Eine Aneinanderreihung von „nicht nur, sondern auch“-Sätzen langweilt den Leser, bläht den Text auf und reduziert den informativen Nutzen, also den Mehrwert eines Textes.
    => Beispiel: „Produkt XY ist nicht nur funktional, sondern auch formschön.“ Diese Formulierung ist umständlich. Klartext: „Produkt XY ist funktional und formschön.“
  1. Wenn Du das tust, dann verlasse ich Dich!“ Die Aussage ist ohne das Füllwort „dann“ genauso bestimmt. Das gilt für die meisten wenn-dann-Wendungen.
  1. Füllwörter wie problemlos oder bedenkenlos bereichern einen Text selten. Sätze wie „Das Produkt XY können Sie problemlos montieren/bedenkenlos verwenden“ liefern keine konkrete, benötigte Information.
  1. redundante Formulierungen wie z. B.: zusätzlich (dazu); enthält neben XY (auch)

 

Übrigens: Auch Formulierungen wie der viel beschworene „echte Mehrwert“ sind redundant. Es gibt schließlich keinen „unechten Mehrwert.“ Entweder der Text liefert dem Leser einen Mehrwert oder eben nicht.

Weniger ist mehr: So befreien Sie Texte von unnötigem Ballast

Ein inflationärer Gebrauch von Füllwörtern verschleiert, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. Deshalb sollte man Füllwörter aufspüren und abwägen, ob man sie im Text belässt oder nicht. Gezielt eingesetzt, können Wörter dieser Gruppe Aussagen akzentuieren. Ein Zuviel davon verdirbt den Text hingegen, weil er dadurch an Substanz verliert.

Tipps und Tools

Löschen Sie alle Wörter aus dem Text, die keine semantische Funktion erfüllen.

Nutzen Sie beispielsweise den Füllwörtertest auf https://www.schreiblabor.com/textlabor/filler/ oder http://wortliga.de/content-prufen-mit-der-wortliga-textanalyse/.

Wie gehaltvoll ein Text ist, können Sie außerdem mit dem http://www.blablameter.de/ testen. Kurzweilig ist dieser Check allemal, auch wenn er sicher nicht das Maß aller Dinge ist.

Mithilfe von Programmen wie Papyrus Autor können Sie Ihre Texte einer Stilanalyse unterziehen. Eine Demo-Version zum Herunterladen finden Sie hier https://www.papyrus.de/download/.

Kontrolle ist gut – Sprachgefühl ist besser

Der Haken an der Sache: Ein Textprogramm erkennt nicht, ob ein potenzielles Füllwort im konkreten Fall tatsächlich eines ist oder nicht. Verdächtige Wörter werden ungeachtet ihrer Funktion im Satz gnadenlos als „Füllwörter“ markiert. Die Software hilft zwar beim Aufdecken von Schwachstellen im Text, weist aber auch selbst welche auf.

Gerade bei längeren Texten und für Leute, die viel schreiben, sind Textprogramme wie Papyrus Autor mitunter gegebenenfalls sicherlich eine nützliche Hilfe. Sie erübrigen aber nicht das gute Sprachgefühl, das man braucht, um zu erkennen, wann ein Wort wirklich ein Füllwort ist. Diese Entscheidung muss der Autor selbst treffen. So gut ist noch kein Programm – glücklicherweise!

Wenn man ein „auch“ oder ein „jedoch“ einfach so ohne Sinn und Verstand streicht, kann sich die Aussage eines Satzes/Textes nämlich auch ändern. Und um ein Füllwort handelt es sich eben nur, sofern dies nicht passiert, wenn man das betreffende Wort streicht.

Beispiele:

  • leibliches Wohl => Hier wird das Wort „Wohl“ trotz Großschreibung als vermeintliches Füllwort „wohl“ markiert
  • Das Wort „auch“ in der feststehenden Wendung „sowohl… als auch“ wird ebenfalls markiert. => Streicht man es hier, leidet die Textqualität.

Füllwort oder nicht? Auf den Kontext kommt es an

Manche der „üblichen Verdächtigen“ kennzeichnen Ursachen oder Folgen (daher, demnach, denn, deshalb, also, demnach) oder einen Gegensatz (aber, dagegen, demgegenüber, dennoch, hingegen, jedoch). Werden diese Wörter maßvoll eingesetzt, fördern sie das Textverständnis.

Beispiel: „Eigentlich wollte ich die Welt retten, aber es regnet.“ Hier dient das Wort „eigentlich“ dazu, darauf hinzuweisen, dass eine ursprüngliche Absicht aufgegeben wurde. Die füllwortbefreite Aussage „Ich wollte die Welt retten, es regnet“ erschließt sich hingegen überhaupt nicht.

Als Phänomen der gesprochenen Sprache übernehmen Modalpartikeln, auch Abtönungspartikeln genannt, die Funktion, Aussagen abzuschwächen oder zu verstärken. Sie helfen dabei, Gefühle zu artikulieren und bestimmen die Tonalität des Gesagten.

Beispiele:

  • Hast du das mal wieder vergessen?“/„Das wolltest Du wohl einfach nicht hören.“ (vorwurfsvoll)
  • Das habe ich dir doch gestern schon gesagt.“/„Wann denn dann?“ (genervt)
  • Tja, ist halt leider so.“ (bedauernd)

 

In informativen, beschreibenden und werbenden Texten haben diese Wörter allerdings in der Regel nichts zu suchen.

Machen Sie den Füllwort-Check und identifizieren Füllwörter, die Sie bevorzugt verwenden. Eine Liste häufig verwendeter Füllwörter gibt es hier als pdf-Datei zum Download.

Mehr über Füllsätze, Phrasen und Floskeln lesen Sie in diesem Beitrag: https://blog.content.de/2013/08/09/tipps-zum-schreiben-teil-3-mit-sattem-inhalt-ueberzeugen-weniger-floskel

Jetzt Texter werden und Geld über content.de verdienen!

4 thoughts on “Füllwörter erkennen und vermeiden

  • 1. März 2016 at 10:42
    Permalink

    Danke für den Beitrag, Frau Klein,

    ich bin mir sicher, dass in meinen Texten ab sofort weniger „auch“, „einfach so“ oder „natürlich“ und „selbstverständlich“ auftauchen werden.

    Oder ist es besser, zu schreiben:

    In meinen Texten gibt es jetzt weniger „auch“, „einfach so“, „natürlich“ und „selbstverständlich“ ?

    Gruß an die Content-Gemeinde von
    Peter Umlauf

  • 1. März 2016 at 12:40
    Permalink

    Danke für das nette Feedback – es hat auch Spaß gemacht, den Text zu schreiben und mal einfach so hemmungslos Füllwörter verwenden zu dürfen.

    Die zweite Variante klingt auf jeden Fall besser, aber es wird so oder so klar, was Sie meinen. 😉

  • 2. März 2016 at 16:49
    Permalink

    Schade, dass dem so genannten Füllwort immer wieder negative Attribute zukommen. Sicher geht es in manchen Fällen auch ohne. Doch gerade Texte, die „an das Gefühl des Lesers appellieren“ sollen, funktionieren nicht mit stakkato-artiger Satzfolge.

    Und Auftraggeber, die für die Beschreibung des Artikels „Kugelschreibermine, blau“ einen Umfang von mindestens 500 Wörtern fordern, erteilen quasi per se die Erlaubnis zur Verwendung von Füllwörtern.

    Für mich sind sie das Salz in jeder guten Textsuppe: Durch allzuviele wird sie verdorben; aber ganz ohne schmeckt es einfach nur fade.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.