Crowdsourcing – vom Community-Projekt zum modernen Verdienstmodell

Crowdsourcing – vom Community-Projekt zum modernen Verdienstmodell

Nicht nur gesellschaftliche Strukturen haben sich durch die Digitalisierung bereits maßgeblich verändert, sondern auch die Arbeitswelt. Wo Unternehmen und Agenturen an ihre eigenen Kapazitätsgrenzen stoßen, ermöglicht Crowdsourcing die Auslagerung von Unternehmensaufgaben an Internetnutzer – im Prinzip kann jeder Job, der sich am PC erledigen lässt, durch Crowdsourcing realisiert werden.

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Der Begriff Crowdsourcing setzt sich zusammen aus Outsourcing – dem Auslagern interner Aufgaben an externe Dienstleister – und Crowd, also der Menge. Was heute unter diesem Geschäftsmodell bekannt ist, fand seinen Ursprung bereits vor 16 Jahren in einer so simplen wie erfolgreichen Idee des amerikanischen Unternehmens threadless.com. Das Unternehmen wollte T-Shirts mit originellen Designs produzieren – wie diese aussehen sollten, bestimmten jedoch nicht die beiden Geschäftsführer: Statt die Designs intern anzufertigen, stellte das Unternehmen eine Online-Plattform zur Verfügung, auf der jedermann seine Entwürfe hochladen und veröffentlichen konnte. Der Designprozess wurde also einfach an eine Internet-Community ausgelagert. Im Gegenzug hatten Kreative die Möglichkeit, ohne eigene Präsentations- oder Verkaufsfläche an ihren Entwürfen zu verdienen und sich einen Namen zu machen. Auch der Entscheidungsprozess wurde übrigens der Community überlassen – die eingereichten Designs wurden durch die Zielgruppe bewertet, die beliebtesten Modelle dann im Anschluss auf T-Shirts gedruckt.

„Die Macht der Masse“ – so funktioniert Crowdsourcing

Crowdsourcing bedient sich der sogenannten Schwarmintelligenz: In einer Community vereinen sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen, Kompetenzen und Ideen. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine bestimmte Aufgabe von einem oder mehreren der Mitglieder gelöst werden kann. Für diese kollektive Intelligenz ist Wikipedia ein gutes Beispiel. Alle Artikel wurden von der Wikipedia-Community geschrieben, kontrolliert und verbessert – und das hat bekanntlich bestens funktioniert. Von komplexen wissenschaftlichen Modellen bis hin zur Beschreibung des Begriffs „Bananenflanke“ ist dank der großen Wikipedia-Community mittlerweile (fast) alles hier zu finden.

Hohes Potenzial für Unternehmen

Ob geteiltes Wissen, das direkte Einbeziehen einer Zielgruppe bei Produktentwicklungen, soziale Aktionen oder Auftragsarbeit Projekte, die über Crowdsourcing realisiert werden, gibt es heute in unterschiedlichen Ausführungen. Vor allem für Unternehmen ist Crowdsourcing ein vielversprechender und bereits vielfach umgesetzter Ansatz. Einzelne Aufgaben lassen sich durch Crowdsourcing bei Bedarf unkompliziert und schnell einkaufen, was gleich in mehreren Hinsichten Vorteile bringt: Eigene Mitarbeiter werden entlastet und können sich voll auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Zudem profitieren Unternehmen von flexibler Zeit- und Kostenplanung – Crowdsourcing kostet sie nur etwas, wenn sie es in Anspruch nehmen. Der wohl ausschlaggebendste Punkt ist jedoch das hohe Innovationspotential durch die Auslagerung von Aufgaben an einen großen Pool von Menschen mit unterschiedlichen Denkansätzen und Talenten. Häufig gehören diese sogar direkt zur Zielgruppe eines Unternehmens.

Flexible Verdienstmodelle für Crowdworker

Auch für Crowdworker ist das Modell reizvoll. Der eine arbeitet effizienter nachts, der andere versucht Kinder und Job unter einen Hut zu bringen, einem weiteren stehen die Unvereinbarkeit von Wohnort und Branche im Weg. Hier bietet der digitale Arbeitsmarkt ganz neue Möglichkeiten – in Zeiten, wo ein hohes Maß an Flexibilität seitens der Arbeitnehmer erwünscht ist, sollte dies schließlich auch andersherum funktionieren. Dass gerade in der Kreativbranche mehr Flexibilität seitens der Arbeitnehmer gewünscht wird zeigt unter anderem eine Studie des Unternehmens Jovoto: 45% der Kreativen gaben an, dass sie für ihr regelmäßiges Einkommen unabhängig und flexibel arbeiten möchten.

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Bezahlt werden Crowdworker in der Regel über ein festes Honorar pro Auftrag, auch möglich sind Wettbewerbszuschläge. Ein typisches Beispiel für honorarbasiertes Crowdworking ist das Testen von Software, Suchen von Bildern oder eben das Erstellen von Texten, wie es bei content.de möglich ist. Im Gegenzug stehen Crowdworkern Verdienstmöglichkeiten zur Verfügung, die viel Freiheit bei der Bearbeitung lassen. Die meist kleineren Aufträge lassen sich über das Internet zu jeder Zeit und von jedem erdenklichen Ort erledigen. Entlohnt werden die Aufträge über einen vorab vereinbarten Betrag.

Größere Aufträge werden häufig über Wettbewerbe vergeben. Diese bieten Gewinnern neben Preisgeld und/oder Beteiligung Chancen, sich über Projekte einen Namen zu machen und Referenzen zu sammeln. Ein Beispiel für ein solches Crowdsourcing-Projekt in der Filmbranche ist die Verfilmung eines Buchs von Paulo Coelho. Verfilmt werden sollte „Die Hexe von Portobello“ – und zwar mithilfe seiner Fangemeinde. Die besten Einsendungen für insgesamt 15 Einzelteile wurden auf mehreren Filmfestivals vorgestellt und mit einem Preisgeld honoriert.

Der digitale Arbeitsmarkt aus Sicht der content.de Autoren

Auch content.de basiert auf Cowdsourcing. Unsere über 6000 Autoren teilen zwar die Leidenschaft fürs Schreiben, kommen aber aus verschiedensten Branchen und interessieren sich für ganz unterschiedliche Themen. Sowohl unsere Texter als auch Kunden profitieren davon: Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Autor bzw. einen interessanten Textauftrag zu finden, ist entsprechend hoch.

Der überwiegende Anteil unserer Autoren nutzt content.de für einen Nebenverdienst oder füllt freie Kapazitäten einer selbstständigen Tätigkeit. Was sie an dem digitalen Arbeitsumfeld auf content.de schätzen, wurde kürzlich durch eine Befragung der IG Metall erhoben. Über 100 unserer meist langjährigen Autoren nahmen an der Umfrage teil und beantworteten unter anderem die Frage, was ihnen an der Arbeit bei content.de gefällt: Am häufigsten genannt wurden die freie Zeiteinteilung, die Flexibilität des Arbeitsplatzes sowie die vielfältige Auswahl der Textaufträge. Die einfache Abwicklung, zuverlässige, schnelle und faire Bezahlung und – was uns natürlich besonders freut – der Support wurden ebenfalls genannt. Das bestätigte nochmals die Ergebnisse unserer eigenen Umfrage von 2013, an der über 300 Autoren teilnahmen.

Crowdsourcing bietet viele Möglichkeiten – sollte aber fair umgesetzt werden

Für viele Unternehmen stellt Crowdsourcing eine äußerst effiziente und kostengünstige Alternative zur internen Besetzung oder Vergabe von Aufgaben an externe Dienstleister dar – und Crowdworker profitieren von zeitlicher und geografischer Unabhängigkeit sowie der Freiheit, Aufträge anzunehmen, die ihnen auch liegen. Genau hier zeigt sich aber auch die Kehrseite der Medaille. Fraglich ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, wenn immer mehr Aufgaben ausgelagert werden und Festanstellungen dafür gestrichen werden. Diese Freiheit geht nämlich einher mit Selbstständigkeit – entsprechend müssen sich Crowdworker, die mehr als einen Nebenverdienst erwirtschaften, selbst um eine soziale Absicherung kümmern. Die Künstlersozialkasse, an die auch content.de für jeden abgewickelten Auftrag Abgaben anführt, hilft dabei. Ein weiterer Aspekt ist die Preisgestaltung. So viele Chancen Crowdsourcing für den einzelnen Crowdworker bietet, so viel Konkurrenz gibt es auch – und leider auch schwarze Schafe, die dies ausnutzen. Aufträge, die unter Marktniveau angeboten werden, sollten Crowdworker konsequent ablehnen. Dass Arbeit offline wie online angemessen honoriert wird, muss selbstverständlich sein.

Quellen und Links zum Thema:

https://www.jovoto.com/blog/business/crowdworking-infographic/

http://www.computerwelt.at/news/karriere/arbeitsplatz/detail/artikel/117098-wie-crowdworking-die-bisherigen-grenzen-der-arbeitswelt-aufbricht/

http://www.socialnetworkstrategien.de/2009/08/12-gelungene-crowdsourcing-projekte/

3 thoughts on “Crowdsourcing – vom Community-Projekt zum modernen Verdienstmodell

  • 31. August 2016 at 11:25
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    Hallo, liebe Mitcrowd-Worker und die, die uns dies ermöglichen!

    Dieser Ausschnitt aus dem sehr interessanten Blogbeitrag hat mich mal wieder ins Grübeln über Begrifflichkeiten wie „angemessen“ gebracht..

    Aufträge, die unter Marktniveau angeboten werden, sollten Crowdworker konsequent ablehnen. Dass Arbeit offline wie online angemessen honoriert wird, muss selbstverständlich sein.

    Es ist doch leider Fakt, dass die Auftraggeber sehr verwöhnt sind und wissen, dass sie hier – oder sonstwo im Netz — immer, oder so gut wie, jemanden finden, der bereit ist, zum Beispiel einen wissenschaftlichen Artikel für 2 Cent pro Wort zu schreiben. Money makes the world go round, und oft stellt sich die Frage gar nicht, ob die Entlohnung angemessen ist. Wenn ich mit Journalisten spreche, erfahre ich, dass sie uns als ernsthafte Konkurrenz sehen, aber auch teilweise mitlaufen müssen, sprich, solche Plattformen auch nutzen müssen, auch wenn früher deutlich mehr verdient wurde. So gut dieses „jederzeit. überall“ Arbeiten ist, so gefährlich ist es auch, fast jeden Preis(verfall) mit zu machen. Es würde mich interessieren, wo die Kollegen für sich eine Grenze ziehen.

    Wir halten durch 😉 Gruß, Bea

  • 31. August 2016 at 15:49
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    Klar, Bea und erst einmal Danke an Colline für den interessanten Beitrag,

    natürlich sind wir Autoren das schwächste Glied der Kette beim Crowdsourcing. Aber darauf geht Colline durchaus am Ende des Beitrages ein und scheut das Wort „schwarze Schafe“ nicht. Für mich ist das Einkommen bei Content einer von mehreren Bausteinen der Existenzsicherung auf der letzten Etappe zur Rente. Andere sind die Tagesgagen als Komparse bei Fernsehserienproduktionen, Ghostwriting und eine Firma, direkt Tür und Tür mit mir, die Computerberatung und Personalcoaching macht, mich gelegentlich mit Aufträgen versorgt und mich bei ihren Geschäftskunden weiterempfiehlt. Alles andere wäre schlechter für mich: Ich tauge weder als Handwerker noch als Verkäufer und auch nicht für das meiste, was irgendwo dazwischen liegt. Lesen, schreiben und denken sind schon das, was ich am besten kann.

    Gut, ich sehe auch die Nachteile. Rund um die Uhr arbeiten zu können heißt auch, dass du eigentlich immer im Dienst bist. Es fühlt sich manchmal so ähnlich an wie am Ende des Studiums: ständig in der Examensphase zu sein. Und auch für die positive Bezeichnung „jeder nutzt seine (ihre) Kernkompetenzen“ gibt es eine andere Seite der Medaille: Du wirst auf eine Sache reduziert. Da war der Arbeitsalltag in der Lokalredaktion doch wesentlich abwechslungsreicher: Rausfahren, vor Ort recherchieren, fotografieren, mit Menschen reden, schreiben, Seiten layouten, Fremdtexte redigieren und Kollegentexte Korrektur lesen.

    Der Vorteil für mich persönlich ist bei Content.de vor allem, dass ich über die Künstlersozialkasse zu moderaten Beiträgen (die anderen Einkünfte fließen in meine Verdienstangabe natürlich auch ein) weiter sozialversichert sein kann und in meiner gesetzlichen Krankenkasse bleiben kann. In meinen guten Verdienstjahren mit Tarifgehalt als Zeitungsredakteur habe ich zum Glück der Versuchung widerstanden, in eine private Krankenkasse zu wechseln. Ex-Kollegen von mir bei der inzwischen insolvent gegangenen Lokalzeitung sind vor vielen Jahren mit ihren Tarifgehältern zu einer privaten Krankenversicherung gewechselt – und gehen an diesen Beiträgen jetzt kaputt.

    Zurück zu den Content-Einkünften: Inzwischen habe ich doch verlässliche Stammkunden, die mich regelmäßig mit direct orders versorgen. Natürlich könnte auch diese Bezahlung besser sein aber das hat dann etwas mit den Marktgesetzen zu tun. Und die machen weder Colline noch Bea, Peter oder content.de. Die machen Unternehmer, die sich (nicht immer :-)) im Rahmen von Gesetzen bewegen, die hierzulande von demokratisch legitimierten Politikern verabschiedet werden. Das ist dann ein Thema, mit dem wir unter anderem bei Andrea Nahles, der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, vorsprechen müssen. Oder bei der Wählerschaft, die so abstimmt, dass in den Regierungen Menschen sitzen, die für die Verteilungs(Un)gerechtigkeit hier und im globalen Maßstab verantwortlich sind.

    Und lasst uns bitte alle zusammen eines nicht glauben: Mit Sarah Wagenknecht von der Linken als Bundeskanzlerin wird nicht das Morgenrot einer neuen Zeit aufziehen, in der es allen Menschen besser geht. Wie es gehen könnte? Vielleicht über den Interessensausgleich in den gesellschaftlich dafür vorgesehenen Schienen. Arbeitnehmer organisieren sich dafür in Gewerkschaften. In den Mitgliedszeitungen der der IG Medien in Ver.di lassen die Gewerkschaften durchaus erkennen, dass sie die Crowdscourcing-Problematik als Arbeitsfeld im Blick haben. Dieser Trend, Bea, folgt dem stärksten Antrieb, den es auf unserem Globus gibt: kapitalistischer Gewinnmaximierung. Wer den aufhalten will, verliert, wird zum Don Quichote, dem Ritter von der traurigen Gestalt, der gegen Windmühlenflügel kämpft. Die Gewinner stehen auf der Seite derer, die versuchen, das mitzugestalten – vielleicht.

    Soviel mit Gruß an die content.de-communitiy von
    Peter Umlauf

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