dmexo 2016 Recap – Früher war mehr Lametta

Die dmexco wächst von Jahr zu Jahr – und doch schrumpft sie. Viele Aussteller und Besucher der ersten Jahre ziehen sich immer mehr zurück von der selbsternannten Leitmesse für digitales Marketing. Nach fünf Jahren mit eigenem Stand hat sich content.de in diesem Jahr auch erstmals auf die Besucherrolle beschränkt und folgte damit einem Trend in der Branche. Einige alte Hasen blieben der Messe gänzlich fern. So schrieb Thorsten Piening von qualitytraffic bei Facebook, was viele dachten: „Ewiges Warten auf ein Taxi? Kopfschmerzen durch Gin Tonic? Maßlos überteuerte Hotels, Snacks und Getränke in Köln? Sales- statt erhoffter Fachgespräche? Schmerzende Füße und der kategorische Messe-Infekt? Dieses Jahr „leider“ nicht.“

Das content.de Team reiste in zwei Tranchen an. Jessica und Matthias bildeten die Vorhut und vertraten uns würdig bei unseren Freunden von Metapeople auf deren traditioneller Performance Night am Vorabend der Messe. Der Rest des Sales-Teams und der Vorstand reisten am Donnerstag per Zug nach, um Termine mit Neu- und Bestandskunden wahrzunehmen.

content.de auf dem Weg zur dmexco

„Genau richtig gemacht“, dachte sich der Autor dieser Zeilen, als er am Mittwochabend noch im heimischen (zugegebenermaßen überfüllten) Freibad zur Abkühlung ins Wasser sprang. Möglicherweise macht der Klimawandel die Messe zusätzlich unattraktiv. Aber auch die Kölner tragen dazu bei, dass einem der Spaß an der Messe vermiest wird. Die Preise für Hotelzimmer explodierten in den letzten Jahren mehrfach. Für Absteigen werden Preise wie für Luxushotels aufgerufen, die kölnmesse GmbH zählt zu den gierigsten Unternehmen, mit denen wir bisher Geschäfte gemacht haben. Die Monopolstellung wird gegenüber den Ausstellern massiv ausgenutzt, die Preise steigen von Jahr zu Jahr, die Leistung nicht. Ein Mitarbeiter eines größeren Standes erzählte uns, dass alleine die Internetversorgung des Standes für die beiden Messetage in diesem Jahr mit rund 5.000 Euro zu Buche schlägt. Setzt man das in Relation zu den 3,80 Euro, die an den offiziellen Cateringständen für eine kleine Flasche Wasser verlangt werden, passt das.

In den letzten Jahren bekamen Aussteller und Besucher dafür teilweise Organisationschaos pur geboten. Endlose Schlangen vor völlig überfüllten und unterdimensionierte Toilettenanlagen, Chaos am Einlass- sowie beim Verlassen der Messe und das übliche Parkdrama für die Messebauer. Hier hat man wenigstens etwas dazugelernt und mit der Erweiterung der Hallen auch zusätzliche Container mit Toiletten und einen zweiten Ein- bzw. Ausgang eingeführt, der die Lage etwas entzerrt hat. Das war beim Einlass in diesem Jahr auch bitter nötig, denn aufgrund der aktuellen Sicherheitslage ist man in Köln (warum wohl) sensibilisiert. So gab es beim Einlass Taschenkontrollen in zahlreichen Zelten vor dem Eingang für alle Besucher. Dieses potentielle Nadelöhr scheint das Messeteam aber im Griff gehabt zu haben, denn bei unserer Anreise gegen 10 Uhr am zweiten Messetag gab es hier keine merklichen Verzögerungen. Nur die Garderobe mit Gepäckaufbewahrung (gerade am zweiten Messetag gern genutzt) war wie jedes Jahr personell unterbesetzt und überfordert.

Als das content.de-Team den Messeeingang passierte, hatte es bereits hart gearbeitet und einige andere Messebesucher und Aussteller vor gesundheitlichen Problemen bewahrt.

Gut gemeint und gut gemacht sind oftmals unvereinbare Gegensätze“, stellte schon Harald Schmidt fest. Um unseren Gesprächspartnern die nötige Energie für den zweiten Messetag zu liefern, hatten wir uns überlegt, unsere Infobroschüren mit einem der leckeren Energieriegel von Eat Natural aufzupeppen. Gesagt, getan: Am Vortag befestigten wir rund 50 Energieriegel mit Fixogum auf unseren Broschüren, damit Sie zum Verzehr leicht abtrennbar sind, ohne das Druckerzeugnis zu beschädigen. Dass Wasser und Strom eine schlechte Kombination sind, weiß jeder. Dass hohe Außentemperaturen, Fixogum, Kunststoffverpackungen und Schokolade eine ebenso wenig begrüßenswerte Kombination bilden, schwante dem Autor, als er morgens in sein Auto stieg, um zum Bahnhof zu fahren. Die über Nacht im Auto gelagerten Tüten mit den Energiebroschüren verströmten einen so betörenden Duft, dass die Autofahrt in der Erinnerung dem Transport auf einem fliegenden Teppich glich. Im Zug mussten Ralf und Daniel dann für eine Geschmacksprobe herhalten, die die Schilderungen der Autofahrt für „total übertriebenen Unsinn“ hielten. Selbstsicher biss man in den Riegel („Ich rieche nichts!“) . Als ob man auf die Pause-Taste gedrückt hätte, hielten die Probanden inne. Es folgte ein kurzes Zurückspulen im Zeitlupentempo, als der Bissen angeekelt wieder revidiert wurde. Nach kurzer Fassungslosigkeit begann dann die Arbeit. Umgeben von sichtlich irritierten Mitreisenden trennten wir unsere Broschüren wieder von den Energieriegeln, die wir nach dem Aussteigen fachgerecht entsorgten.

content.de im Dienste der Gesundheit

Nach dieser Vorarbeit konnte der Messetag dann für uns beginnen. Neben vielen Kundengesprächen gab es zahleiche Treffen mit alten Bekannten. Aus den vielen Gesprächen mit Kunden und Bekannten nehmen wir mit: Das Wachstum der Besuchermassen hat zu einer Verwässerung der Qualität der Gespräche auf den Ständen geführt. „Früher war mehr dmexco!“, seufzte ein alter Bekannter.

Wachstum geht oftmals mit Qualitätsverlusten einher. Deutlich merkte man dies an zahlreichen lieblosen Ständen in Halle 9 und teilweise auch in Halle 6. Auffällig in diesem Jahr auch einige Lücken in den Hallen, die schnell mit eine paar Sitzmöbeln zugestellt wurden. Einige Aussteller scheinen kurzfristig abgesagt zu haben. Viele kleinere Aussteller aus Deutschland sind verschwunden, dafür steigt die Anzahl der mit Venture Capital finanzierten Riesenstände internationaler Unternehmen. Ob es das ist, was Fachbesucher und Aussteller wollen, steht auf einem anderen Blatt.

Unser Fazit als Besucher der dmexco nach fünf Jahren als Aussteller: Alles richtig gemacht… nur das mit dem Kleber machen wir im nächsten Jahr anders.

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