Recap OMKB 2019: Angekommen in OWL

Auf dem Weg vom Parkhaus zum Eingang der Stadthalle Bielefeld fällt als Erstes die kurze Schlange vor dem Einlass auf. Auch das Foyer ist 20 Minuten vor Beginn nur überschaubar gefüllt. Schnell stellt sich heraus, dass die Vollsperrung der A2 durch einen umgekippten Gefahrguttransport am Kreuz Bielefeld viele Besucher verspätet eintreffen lässt. Kurz hatten wir das deutlich angezogene Preisniveau im Verdacht, wurden aber im Verlauf der Keynote eines Besseren belehrt. Der große Saal war rappelvoll, die vierte Auflage der OMKB hat weiter zugelegt was die Besucherzahlen angeht.

Keynote OMKB

Die Keynote zur Eröffnung hielt in diesem Jahr Philiph Klöckner und präsentierte ein Dutzend konträre Thesen für digitales Marketing. Ganz interessant, aber hier und da auch etwas widersprüchlich, beispielsweise was die Nutzung von KI angeht – einerseits killt sie den Long-Tail und schafft Einheitsbrei, andererseits soll sie Menschen überflüssig machen, die eben genau diese Vielfalt bieten.   

In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, neue Gesichter kennen zu lernen.

Die altbekannten Protagonisten, die man auf vielen Konferenzen sieht, habe ich bewusst gemieden und landete so eben nicht im Vortrag von Björn Tantau, sondern lauschte Knut Barth vom Baur-Versand, der sehr schön darstellte, dass Benchmarking im Onlinemarketing doch viel Fleißarbeit mit EXCEL ist und mit dem Einsatz diverser Tools zu tun hat. Wenig Entertainment, dafür mal etwas nüchterne Realität. Ich fand es erfrischend ehrlich.

Neid ist kein Mehrwert

Neid ist kein Mehrwert

Eine Niete zog ich dann mit dem Vortrag von Gianna Brachetti-Truskawa zum Thema „AI vs. Human Translation: Bedeutung in der Web-Lokalisierung und Suche“, das sie leider verfehlte.  Eigentlich wollte sie sich nur darüber auskotzen, dass IT-Consultants mehr Geld als sie verdienen, obwohl sie als Übersetzerin so übermenschlich geil abliefert und es eben blöd ist, dass Übersetzer kein geschützter Beruf ist und er von jedem ausgeübt werden kann. Schade, wenn es dann nur darauf hinausläuft, sich über die Marktsituation zu beklagen. (Kleine Anmerkung am 9.4.: Natürlich habe ich mitbekommen, dass die Referentin derzeit nicht als Übersetzerin, sondern als SEO-Managerin arbeitet und sich hier allgemein über die Wertschätzung von Übersetzern im Markt beklagt – was sie dann doch irgendwie persönlich nimmt.)

deepl

Die Versuche, mit realitätsfremden Extrembeispielen, dann noch die AI-Übersetzungstools zu verteufeln, waren ebenso wenig überzeugend wie ihre Weigerung, Übersetzungsdienstleistungen auf Wortpreisbasis anbieten zu wollen. Passende Argumente: Fehlanzeige. Harte Worte meinerseits, allerdings bestätigte mir ein erfahrener Kollege aus der Übersetzungsbranche später meine Einschätzung, als wir den Vortrag in der anschließenden Kaffeepause Revue passieren ließen.

Dein Inhouse-SEO, das unbekannte Wesen

Heiko Stammel von Spiegel Online sorgte im Anschluss mit einigen interessanten Insights wieder für bessere Laune. Er versuchte, eine Lanze für Inhouse-SEOs zu brechen und stellte die Probleme dar, die man als ebendieser in einem Unternehmen hat. Spätestens jetzt sollte man wissen, dass der SEO auch ein paar andere (soziale) Fähigkeiten braucht, als Keywords zu schubsen und Backlinks aufzubauen.

Dieses Thema zog sich später auch quer durch den Vortrag von Daniel Schramm vom Redaktionsnetzwerk Deutschland, der über Fehler beim Relaunch sprach. Sehr unterhaltsam, Schadenfreude zieht immer. Gut, wenn man nebenbei noch abhaken kann „Haben wir damals dran gedacht“.

Vorher stellte Tim Hiebenthal von Flixbus (sorry „FlixMobility“, man fährt ja jetzt auch auf der Schiene) noch deren Ansätze von datengetriebenem Marketing dar. Ebenfalls erfrischend ehrlich sprach er dabei über die Grenzen von Cross-Device-Tracking und die Nachverfolgbarkeit der Customer-Journey, gerade wenn Offline-Produkte involviert sind.

cross device

Kai Spriestersbach stand nachmittags mit dem Thema Content-Marketing-Measurement auf dem Zeitplan. Quasi eine Pflichtveranstaltung für uns. Tatsächlich lernte ich in den ersten Minuten bereits zwei Google-Analytics-Fallen kennen, die mir so bisher nicht bewusst waren. Dafür hat sich der Vortrag schon gelohnt. Einfach mal gucken, ob die Zeitzone im Account korrekt eingestellt ist.

Im Anschluss ging es wieder rüber in den kleinen Saal. Thomas Mindnich hatte sich mit geschätzt vier Maxi-Dosen Red Bull und drei doppelten Espresso auf den Vortrag vorbereitet. Als ob gerade Speed 3 in der Stadthalle gedreht würde, tigerte er auf der Bühne ständig umher und redete dabei wie ein Wasserfall über SEO-Fails. Dabei wurde sogar das Vector-Space-Modell erwähnt, was mich freudig an Uni-Zeiten erinnerte. Auch ein schöner Vortrag.

Digital verführt in 24:5

Etwas nervig fand ich das durch die Moderatoren auf beiden Bühnen betriebene Gehype um den Vortrag von Karl Kratz. Geschickt hatte man den Vortrag als letzten Akt des Abends in den großen Saal gelegt und so erreicht, dass fast alle Besucher bis zum Schluss der Konferenz blieben. In den letzten Jahren zeigten sich bei den letzten Vorträgen oftmals Auflösungserscheinungen.

digital verführt

Sicherlich sind seine Vorträge klasse, die mancherorts betriebene Vergötterung nervt aber zuweilen. Sein Vortrag zur digitalen Verführung und Emotionen bei der Produktpräsentation beeindruckte mich mit einem Detail, das er selber gar nicht erwähnte. Für seine Präsentation hatte er ein Folienformat von geschätzt 24:5 gewählt und stellte so alle anderen Vorträge allein schon optisch in den Schatten. Großes Kino eben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Weiter so in Ostwestfalen

Thorsten Piening und sein Team von Quality Traffic haben es geschafft, die OMKB in der Region zu etablieren. Das Publikum scheint sich auch etwas zu wandeln. Immer mehr regionale Unternehmen zählen zu den Gästen. So soll es sein, schön für OWL. Ich hörte am Freitag auch mehrfach den Begriff „Klassentreffen“. Auch das trifft es ganz gut, denn auf der OMKB trifft man immer wieder alte Bekannte, ehemalige Kollegen und Weggefährten. Die Pausen und das anschließende Get-together laden zum entspannten Klönen ein – so heißt das bei uns in OWL. Wer networken will, soll nach Berlin auf eine Konferenz fahren.

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