Serie “Das eigene E-Book veröffentlichen” – TEIL 2

In Teil 1 der Serie „Das eigene E-Book veröffentlichen“ stand der kreative Teil des Projektes im Vordergrund. Nun geht es weiter mit dem tatsächlichen Herausgeben des eigenen E-Books: Wie Sie das fertige E-Book in den E-Book Shops publizieren und verkaufen können, was hierbei beachtet und eventuell beantragt werden muss, erfahren Sie in diesem Teil.

Teil 2: Veröffentlichen

Das E-Book ist geschrieben und lektoriert, das Cover gestaltet, alle rechtlichen Fragen sind geklärt – Jetzt kann es publiziert werden. Hierfür gibt es grundsätzlich zwei Methoden: Sie können es selbst in den großen E-Book-Shops wie Amazon, Google Play und iBooks einstellen oder Sie beauftragen einen E-Book-Verlag, der die Belieferung der Shops für Sie übernimmt. Bevor Sie sich für eine der beiden Methoden entscheiden, hier zunächst die wichtigsten Fakten, die Sie bei der Entscheidung berücksichtigen sollten:

Belieferung der E-search self-publishingBook Shops

Die drei größten E-Book Shops sind Amazon, iBooks und Google Play. Hier können Sie Ihr E-Book selbst einstellen ohne einen Vertrieb bzw. E-Book-Verlag zu beauftragen. Weitere Shops, zum Beispiel die Tolino-Händler wie Thalia oder Weltbild, können jedoch nur über einen zwischengeschalteten Vertrieb beliefert werden. Neobooks, ePubli oder Bootkrix sind nur einige Beispiele für E-Book Verlage, die Ihnen die Belieferung Ihres E-Books an die einzelnen Shops abnehmen. Das erspart Ihnen Arbeit und Sie erreichen mehr potentielle Käufer, da eine Vielzahl an E-Book Händlern beliefert wird. Dafür geben Sie jedoch einen Teil der Einnahmen an den Vertriebler ab und haben selbst weniger Kontrolle über den Verkauf Ihres Buches.

ISBN Nummer und US Tax ID

Bei Amazons Kindle Direct Publishing und Google Play benötigen Sie nichts weiter als einen Account um Ihr Buch selbst zu veröffentlichen und zu verkaufen – für den Verkauf auf iBooks und Amazons Create Space, der Ihr Buch auf Bestellung auch drucken lässt, benötigen Sie zunächst eine ISBN Nummer sowie zusätzlich eine US Tax ID für iBooks.

Die ISBN Nummer und US Tax ID können Sie online beantragen – überlegen Sie aber vorher, ob Sie Ihr E-Book selbst veröffentlichen möchten oder einen Distributor beauftragen. Diese übernehmen nämlich auch Leistungen, wie die Zuordnung der benötigten ISBN Nummer für Sie.

Das Buchpreisbindungsgesetz

In Deutschland und Österreich gilt das Buchpreisbindungsgesetz. Das bedeutet, dass Sie Ihr E-Book überall zu dem gleichen Preis vertreiben müssen. Sie können es also nicht gleichzeitig bei Amazon verkaufen und bei iBooks gratis zur Verfügung stellen – auch nicht für einen Aktionszeitraum. Die E-Book Shops behalten es sich zudem vor, den von Ihnen gewählten Preis für das E-Book anzupassen.

Exklusivvertrieb – ja oder nein?

In einigen Shops besteht die Möglichkeit, das Buch bindend, also exklusiv nur über diesen Shop zu vertreiben (z.B. über das Programm Amazon Select). Hierfür bekommen Sie Zusatzleistungen, wie bessere Werbungstools für Ihr Buch, verpflichten sich jedoch, es in digitaler Form ausschließlich über den jeweiligen Shop zu vertreiben. Ob Exklusivvertrieb oder das Einstellen in mehreren Shops für Sie die bessere Möglichkeit ist, ist daher eine grundlegende Entscheidung – wenn Sie es beispielsweise exklusiv über Amazon Select verkaufen möchten, ist ein zwischengeschalteter Vertriebler unnötig, da Sie es bei Amazon relativ unkompliziert selbst einstellen können.

 Shopbelieferung über einen E-Book–Verlag:

Wenn Sie sich für die Distribution über einen E-Book Verlag entscheiden, wird Ihnen die Vertriebsarbeit abgenommen. Bei der Wahl des passenden Dienstleisters, sollten Sie auf folgende Aspekte achten.

1. Welche Kosten entstehen und welche Leistungen bekommen Sie dafür?

E-Book Verlage sind in ihren Leistungsspektren unterschiedlich aufgestellt: Manche E-Book Verlage übernehmen auch das Lektorat und die Cover Gestaltung Ihres Buches – andere lediglich die Belieferung des verlagseigenen und externer Shops. Wägen Sie ab, was Sie alles selbst übernehmen oder auslagern möchten und vergleichen Sie die Kosten sowie die Auswahl der belieferten Shops.

2. Was sind die Konditionen des Dienstleisters?

Sehen Sie nach, wie hoch die prozentualen Nettoerlöse für Ihr Buch im Shop des Dienstleisters und in den externen Shops sind. Informieren Sie sich auch über die Abgabe von Rechten, Exklusivität und Vertragsdauer bei dem jeweiligen Anbieter.

3. Welche zusätzlichen Funktionen bietet der Verlag?

Statistiken und Auskünfte über Klickraten und Downloads sind nützliche Werkzeuge um die Verkaufsraten Ihres Buches besser einschätzen zu können und die Platzierung, Metainformationen o.ä. gegebenenfalls noch einmal anzupassen.

4. Wie läuft die Abrechnung?

Achten Sie auf Auszahlungsform, Mindestbetrag und die Regelmäßigkeit der Abrechnungen.

 Shopbelieferung selbst organisieren:

Wenn Sie sich dafür entscheiden, den Vertrieb Ihres E-Books selbst zu übernehmen, können Sie Ihr E-Book bei Amazon, Google Play und iBooks einstellen.

Veröffentlichen mit Amazon’s Kindle Direct Publishing

Bei Amazon können Sie Ihr Buch in sechs Schritten selbst veröffentlichen. Sie benötigen lediglich einen Account und werden dann übersichtlich durch alle Schritte geleitet:

  1. Als erstes geben Sie Metainformationen zu Ihrem Buch, wie Titel, Serientitel, Beschreibung, Altersempfehlung etc. an. Diese sind entscheidend für die Findbarkeit und den Verkauf: mit den Schlagworten zum Inhalt Ihres Buches, entscheidet sich, ob es überhaupt von potentiellen Lesern wahrgenommen wird. Leser müssen Ihr Buch anhand dieser Begriffe zunächst finden und entscheiden dann, ob es für sie von Interesse ist. Verwenden Sie Begriffe, die Sie als Leser selbst eingeben würden, wenn Sie auf der Suche nach den Inhalten in Ihrem Buch wären.
  2. Im zweiten Schritt müssen Sie bestätigen, dass Sie die Veröffentlichungsrechte haben und geben an, in welchen Ländern Ihr Buch veröffentlicht werden darf. Hier bietet es sich an, „weltweit“ anzugeben, da so auch im Ausland lebende Deutsche Ihr Buch kaufen können.
  3. Danach laden Sie Ihr Buch hoch. Hierfür sollte es in einem einzelnen Dokument (ohne Cover) gespeichert sein. Hochladen können Sie es in verschiedenen Formaten wie .doc, .html .pdf, und mehr, in das Zielformat .mobi umgewandelt wird es direkt bei Amazon. Bevorzugt sollten Sie Ihr Buch in Word oder HTML Format hochladen, da diese am wenigsten Konvertierungsprobleme mit sich bringen. Das Dokument sollte keine komplexen Formatierungen beinhalten, da vieles in den E-Book Formaten nicht übernommen wird; Seitenzahlen, Ränder, Schriftgröße und mehr werden z.B. nicht berücksichtigt, da Leser Schriften und Größe auf dem Reader selbst einstellen können. Wie das konvertierte Buch nun aussieht, können Sie in der Vorschau prüfen.
  4. Nun müssen Sie noch angeben, ob Sie die Digitale Rechteverwaltung (DRM) aktivieren möchten: hiermit soll die Nutzung und Verbreitung von digitalen Medien kontrolliert werden, indem ein Kopierschutz aktiviert wird. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Buch kopiert und „verliehen“ wird, können Sie hier zustimmen. Gleichzeitig wird die Nutzung des E-Books hierdurch eingeschränkt, was viele Leser verärgert: ein kopiergeschütztes E-Book lässt sich z.B. häufig nur auf einem Gerät öffnen. Auch wenn Sie Ihr E-Book durch eine Verbreitung gezielt bewerben möchten, ist der Kopierschutz natürlich hinderlich.
  5. Im Anschluss wählen Sie den Listenpreis des Buchs und die gewünschten Tantieme (Verkaufsanteile). Wählen können Sie zwischen 70% oder 35% Anteil Einbehalt des Verkaufspreises – dies ist jedoch abhängig vom Listenpreis: Für 35% Anteil können Sie Ihr Buch zu einem Preis zwischen 0,86 und 173,91 Euro verkaufen; für 70% Tantieme ist die Preisspanne zwischen 2,60 und 9,70 Euro kleiner. Dazu werden für 70% Tantieme zusätzlich Transportkosten (abhängig von der Größe des Buches in MB) abgezogen. Auch wenn Sie mit 35% weniger vom Erlös einbehalten, ist dies manchmal die bessere Option. Wenn Sie das Buch für einen Listenpreis von 0,99 Euro anbieten, werden Sie gerade als unbekannter Autor bessere Chancen haben, es zu verkaufen, als wenn Sie es direkt für 2,99 Euro einstellen. Orientieren Sie sich an den Preisen anderer E-Books in dem Genre und mit einem vergleichbaren Umfang. Bedenken Sie hierbei, dass in Deutschland das Buchpreisbindungsgesetz gilt: Ist das Buch zu einem bestimmten Preis bei Amazon veröffentlicht, dürfen Sie es nicht woanders zu einem anderen Preis anbieten.
  6. Überlegen Sie sich darum in diesem Zug, ob Sie Ihr Buch im Amazon Select Programm anmelden und es exklusiv nur über den Kindle Store vertreiben. Der Vorteil hierbei ist, dass das E-Book dann auf Amazon selbst bessere Chancen hat, von potentiellen Lesern wahrgenommen zu werden. Es ist Bestandteil der Leihbibliothek und kann aktionsmäßig verschenkt oder vergünstigt angeboten werden, wodurch mehr Amazon Kunden erreicht werden und es im Ranking steigt. Dafür darf es nur auf Amazon vertrieben werden, wodurch die Reichweite insgesamt sinkt. Schließlich bestätigen Sie noch einmal, dass Sie alle erforderlichen Rechte zum Vertrieb Ihres Buches besitzen. Nach ca. 24 Stunden erscheint Ihr E-Book dann in den Listen.

Veröffentlichen bei Google Play

Ähnlich wie bei Amazon funktioniert es auch bei Google Play: Zunächst wird ein Account für Google Play benötigt, dort können Sie Ihr Buch als ePub oder PDF hochladen und Informationen zu Ihrem Buch hinzufügen. Google fragt zudem nach der ISBN Nummer Ihres Buches – falls Sie keine haben, weist Google dem Buch eine interne ID zu. Google behält keine exklusiven Rechte an dem E-Book, Sie können es auch in anderen Shops einstellen.

Veröffentlichen für Apple Geräte auf iBooks

Etwas mehr Investition erfordert die Veröffentlichung des E-Books auf Apples ibooks. Den Unterschied macht hier, ob Sie das Buch kostenlos zur Verfügung stellen oder verkaufen möchten.

Für die Veröffentlichung Ihres E-Books benötigen Sie zunächst eine Apple ID für den iTunes Store mit hinterlegten Kreditkartenangaben. Wenn Sie das Buch unentgeltlich veröffentlichen möchten, können Sie sich mit der ID anmelden und es dann direkt einstellen. Wenn Sie das Buch verkaufen möchten, benötigen Sie eine ISBN Nummer für das zu veröffentlichende Buch sowie eine US-Tax ID, die Sie bei der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten beantragen müssen. Erst dann können Sie das Anmeldeformular ausfüllen und das Buch in den iTunes Producer, Apples Software zur Konvertierung des Buches in das benötigte Format für iPad und iPhone, laden. Achtung: Natürlich gilt auch hier wieder das Buchpreisbindungsgesetz: Sie können Ihr Buch nicht bei Amazon verkaufen und bei iBooks verschenken. Wenn Sie Ihr Buch mit iBooks Author erstellen, behält Apple die Exklusivrechte für den Verkauf und Sie können es nur über den iBookstore vertreiben. Als PDF oder ePub hochgeladen, können Sie es auch in anderen Shops vertreiben.

Schließlich können Sie Ihr E-Book natürlich auch noch auf Ihrer eigenen Website/Ihrem Blog oder über Shop-Portale wie sellaround verkaufen. Auch hier müssen Sie den gleichen Preis angeben, wie in den Shops über die Sie Ihr E-Book vertreiben.

 Alle Wege führen… zum Topseller?

Ob selbst Einstellen oder Zusammenarbeit mit einem E-Book Verlag, Exklusivvertrieb oder eine breite Belieferung vieler Shops, hoher oder geringerer Kaufpreis – den einen richtigen Weg gibt es natürlich nicht. Wägen Sie die Möglichkeiten darum vorher gut ab und orientieren Sie sich an den Preisen vergleichbarer E-Books auf dem Markt. Berücksichtigen Sie, wie umkämpft das Genre ist und ob Sie eher für ein gezielt suchendes Publikum (z.B. Informationen zu einem bestimmten Nischenthema) oder einem breiten Publikum (auf der Suche nach einem Urlaubs-Roman) schreiben. Bei einem breiteren Publikum ist es zunächst wichtiger, dass Ihr Buch gefunden, gelesen und bekannt wird, daher bietet es sich hier an auf gute Werbung zu setzen und den Preis niedriger zu halten. In einem Nischenthema mit einer kleineren Zielgruppe, kann es dagegen besser sein, den Preis etwas höher zu setzen und das Buch in möglichst vielen Shops verfügbar zu machen – hier wird vermutlich eher nach Schlagworten gesucht als in Genrelisten gestöbert.

Im nächsten und letzten Teil geht es noch einmal ausführlicher um das Thema E-Book Marketing – bis dahin gutes Gelingen wünscht content.de!

Foto: Felix Pergande

One thought on “Serie “Das eigene E-Book veröffentlichen” – TEIL 2

  • 21. Oktober 2014 at 09:49
    Permalink

    Hallo!

    Nachdem nun der zweite Teil den sicher von einigen Autoren, die hier arbeiten, gehegten Plan, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, noch etwas weiter mit Infos unterfüttert, einfach ein kurzes „Danke“ für die Recherche-Arbeit (Teil 1 und 2 natürlich) und die anschauliche Präsentation.

    Gruß, Bea

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