Recap OMKB 2017: Licht und Schatten bei der zweiten Ausgabe in Bielefeld

leisenberg omkb 2017Nach der erfolgreichen Erstausgabe im letzten Jahr war das content.de-Team gespannt auf die Fortsetzung. So rückten wir am Freitag auch gleich zu fünft in der Stadthalle Bielefeld an. Im Vorfeld hörte man schon, dass dieses Jahr mehr Karten verkauft wurden als im Vorjahr. Was einerseits schön ist und für die Veranstaltung spricht, sollte uns allerdings später noch auf die Füße fallen. Das Foyer war gut gefüllt, und so ergab sich schon beim Begrüßungskaffee die eine oder andere Möglichkeit zum Networken, denn man entdeckte gleich viele bekannte Gesichter.

Die Keynote hielt wie im Vorjahr Professor Dr. Manfred Leisenberg, der seinen Vortrag mit einem musikalischen Intro von Nina Hagen startete. Leider erkannte praktisch niemand den Song TV-Glotzer, dessen Zeile „Ist alles so schön bunt hier“ die Inspiration des Keynote-Titels „Alles so schön digital hier“ lieferte. Selbst der musikaffine Autor dieser Zeilen, der mit dem Vortragenden schon einige Konzerte der Kategorie „Alte Säcke mit lauten Gitarren“ gemeinsam besucht hat, musste passen.

Auf den Geschmack kommt es an

Schön bunt ging es dann auch weiter im ersten Vortrag. Nic Lecloux von der true fruits GmbH betrat die Bühne, gewandet in eine Jürgen-von-der-Lippe-Gedächnis-Schlafanzughose und ein viel zu knappes T-Shirt mit der Aufschrift: F**k plastic bottles, um über Marketing im Softladen zu sprechen. Zum T-Shirt gab es später auch eine Erklärung. Es ist ein Souvenir von der Verleihung der Eier aus Stahl, für die sein Kollege seine Hoden einscannen und in Stahl gießen ließ.

Nic Lecloux omkb 2017Es ging demnach weitestgehend um guten Geschmack sowohl von Smoothies und Säften als auch Claims und um Unternehmenskultur. Wenn einem zu einem Chia-Samensaft nur Schweinskram einfällt, dann macht man halt eine eindeutig zweideutige Kampagne mit Claims wie Samensaft, Oralverzehr, bei Samenstau schütteln und schneller zum Samengenuss. Dass man dafür in München von Plakatwänden verbannt wird, ist nur im ersten Moment ärgerlich, denn der richtige Umgang mit der Zensur bringt schließlich noch mehr Aufmerksamkeit.

Dass die vielen lustigen Texte über Einhornkotze und vieles mehr auf den Smoothie-Flaschen auch in harter Arbeit entstehen, verschwieg er dabei ebensowenig wie den hohen Zuckergehalt mancher Produkte, der vermutlich auch erklärt, warum sein T-Shirt inzwischen etwas zu klein ist.

Die Kollegen saßen im parallel gehaltenen Vortrag von Christian Solmecke und wurden auch da gut unterhalten, bekamen allerdings keinen Gratis-Smoothie, dafür aber erklärt, wie man mit einem kostenlosen Impressum-Check eine Menge Backlinks generiert.

Nach diesem Vortragsslot zogen die ersten Wolken auf, die ihre Schatten auf den sonnig gestarteten Tag werfen sollten. Eigentlich wollte ich den Vortrag Arthur Mai von idealo besuchen. Leider wurde ich auf dem Weg dorthin von einem anderen Kunden angesprochen und in ein kurzes Gespräch verwickelt und kam lediglich „genau pünktlich“ an, stand aber vor verschlossenen Türen. „Leider voll, wir können keine Zuschauer mehr einlassen“, bekam ich zu hören. Das erging mir an diesem Tag noch zwei weitere Male so. Bei einer Veranstaltung, die 350 Euro Eintritt kostet, ein Unding. Sicherlich muss der Veranstalter feuerpolizeiliche Vorschriften beachten und er weiß auch nicht 100%ig, wie gut einzelne Vorträge angenommen werden. Aber er weiß, wie viele Tickets er ausgegeben hat und sollte genügend Kapazitäten vorhalten, oder alternativ weniger Tickets verkaufen. Es ging nicht nur mir so. Zahlreiche Besucher wurden an diesem Tag mehrfach wegen überfüllter Räume abgewiesen.

So landete ich beim Vortrag von Nils Kattau über Mobile-Conversion-Optimierung. Nicht mein bevorzugtes Thema, aber der Vortrag war wenigstens gut und ich habe die eine oder andere interessante Info mitgenommen.

Die Kollegen, die es zum Vortrag von Arthur Mai geschafft hatten, waren übrigens ganz angetan.

Vor der Mittagspause gab es dann noch einen interessanten Vortrag von Timo Aden über die Möglichkeiten von Webtracking, insbesondere in Verbindung mit Google Analytics.

Aden omkb 2017

Beim Mittagessen bildeten sich wie im Vorjahr zwei ellenlange Schlangen hungriger Konferenzbesucher. Die Stadthalle Bielefeld ist nun schon seit fast 27 Jahren in Betrieb. Eigentlich sollten die Caterer wissen, wie man ein Buffet effizient aufbaut. Außerdem sollten sie wissen, dass man ein Tiramisu mit einer Mascaponecreme macht und nicht mit billiger Sahne – aber das nur am Rande.

Du kommst hier nicht rein!

Nach der Mittagspause stand ich wieder vor einem überfüllten Raum – statt mich über rechtliche Stolperfallen in Social Media zu informieren, landete ich im Workshop von Kai de Wals über Techniken zum Verfassen von AdCopys. Der Workshopanteil bestand darin, dass er zu Beginn aus dem Zuschauerraum Punkte abfragte, die man bei dem Betexten von Google-Adwords beachten sollte, und diese dann auf einem Flipchart festhielt – nur, um während des Vortrags immer wieder festzustellen, dass die Zuschauer bereits alle Punkte seines sonst sehr braven und unspektakulären Vortrags bereits genannt hatten.

Claudia Hilker verschwendet meine Lebenszeit

Da kein Moderator eingriff, überzog Kai de Wals ein paar Minuten. So stand ich auch beim nächsten Vortrag, der zudem noch ohne Ankündigung in einen anderen Raum verlegt wurde, zuerst vor der verschlossenen Tür eines überfüllten Vortragssaals. Dummerweise schaffte ich es dann noch in den Raum. Der selbstgefällige Vortrag von Claudia Hilker zum angekündigten Thema Wie man eine Content-Marketing-Kampagne erstellt erwies sich als reine Lebenszeitverschwendung. Statt konkret über die Herangehensweisen bei der Erstellung von Content-Marketing-Projekten zu referieren, gab sie oberflächliche Plattitüden zu allgemeinen Onlinemarketingthemen von sich, basierend auf Schaubildern aus eigenen Publikationen. Bezeichnend war, dass sie in punkto gelungene Content-Marketing-Projekte kein eigenes vorstellte, sondern Beispiele nannte, die schon seit Jahren in solchen Situationen immer wieder durchs digitale Dorf getrieben werden: Red Bull und Schwarzkopf. Ich glaube links hinter mir hat sich jemand den Kiefer beim Gähnen ausgerenkt. Hier hat es sich die Referentin zu einfach gemacht mit der Vorbereitung.

Von ihrem eigenen Projekt für Huf-Haus blieb nur hängen, dass sie froh war, dass man ein paar Auszubildende gefunden hat, die jetzt Facebook-Anfragen bearbeiten. Wenn das Content-Marketing ist, dann Gute Nacht!

Thema verfehlt, Lebenszeit verschwendet, Stimmung endgültig gekippt.

In der anschließenden Kaffeepause beruhigte ich mich mit einem passablen stück Erdbeerkuchen und einem Kaffee, nicht ohne meinen Unmut mit den ebenfalls verärgerten Kollegen zu teilen. Die OMKB 2018 war zu diesem Zeitpunkt aus meinem Kalender bereits gestrichen.

Die beiden letzten Vorträge schafften es dann aber, mich wieder ein wenig zu versöhnen, obwohl man beim Vortrag von Heiko Stammel von der weltn24 GmbH strenggenommen auch sagen könnte: Vortragsthema nur gestreift. Er stellte zwar seine SEO-Trends 2017 aus Publisher-Sicht kurz vor, berichtete dann aber primär – sehr offen – von dem aufwändigen Projekt, die Webseiten von welt.de und N24.de zu einer neuen, gemeinsamen, schnellen Webseite zu mergen. Für mich als Techniker ein interessanter Vortrag, auch unter Gesichtspunkten des Projektmanagements.

Stammel omkb 2017

Den letzten Vortrag des Tages hielt Miriam Fohrmann von Sixt. Irgendwie schloss sich hier der Kreis, den Nic Lecloux von true fruits am Morgen angefangen hatte. Auch bei Sixt hat Marketing viel mit der Unternehmenskultur zu tun, die oftmals wichtiger ist als das Budget. Klar gibt Sixt viel Geld für Marketingmaßnahmen aus. Stolz ist man intern offensichtlich aber mehr auf die zahlreichen witzigen Aktionen, die mit kleinem Budget viel Aufsehen erregen. Großer Erfolgsfaktor beim Sixt-Marketing: Die wenige Zeit, die es oftmals nur von der Idee bis zur Ausspielung auf einzelnen Kanälen benötigt. Im Idealfall sind das nur ein paar Stunden.

Viele Hausaufgaben für 2018

Erkenntnis des Tages: Unternehmenskultur ist wichtig im Marketing. Für die Veranstalter ergeben sich einige Hausaufgaben für die dritte OMKB im nächsten Jahr. Einen möglichen Vortragskandidaten für 2018 konnte man schon anhand eines Facebook-Posts von Thorsten Piening erahnen. Mit dem könnte es auf jeden Fall unterhaltsam werden.

4 thoughts on “Recap OMKB 2017: Licht und Schatten bei der zweiten Ausgabe in Bielefeld

  • 8. April 2017 at 10:56
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    Liebe Autorin,

    grundsätzlich ist es immer einfach eine Konferenz und deren Vorträge zu kritisieren, was völlig legitim ist. Jedoch sollten die Fakts dann auch wahrheitsgemäß wiedergegeben werden und persönliche Ansichten/Angriffe bezgl. Kuchen, Kleidung etc. pp. unterlassen werden.

    Bezogen auf meinen Vortrag wollte ich aufzeigen, das die von mir vermittelten Techniken, bereits in jedem stecken diese jedoch oftmals nicht zielführend eingesetzt/angewandt werden. Deshalb auch die anfängliche Fragestellung an die Teilnehmer, was Werbetexte enthalten sollten mit dem Zusatz, das niemand das Rad neu erfindet!

    BTW – Würde gerne mal einen Vortrag vom Autor zuhören.

    my 2 cent

  • 10. April 2017 at 11:26
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    Lieber Kai de Wals,

    wo bin ich denn nicht bei der Wahrheit geblieben? An anderen Stellen wurde der Blogbeitrag mehrfach für seine Authentizität gelobt. Glattgebügelte Lobeshymnen gibt es genug im Onlinemarketing. Wer wie die Stadthalle seit 27 Jahren am Markt ist, muss sich – insbesondere in der Puddinghauptstadt Bielefeld – Kritik am Dessert gefallen lassen. Nick Lecloux hat sein Outfit selber selbstironisch zum Thema gemacht, daher sehe ich es als durchaus erlaubt an, da anzuschließend. „Muss man wohl dabei gewesen sein“, heißt es ja immer so schön.

    Die Kritik am eigenen Vortrag (der für einen Einsteiger sicher nicht schlecht war) bitte einmal im Kontext des Tages, der da im Blogbeitrag geschildert wurde, betrachten. Ich bin ein Zuschauer, der 300 bzw. 350 Euro für die Karte bezahlt hat. Tatsächlich waren wir sogar zu vier auf der OMKB, haben demnach ganz schon investiert.

    Klar kann man denken: „Geil, ein Tag nicht arbeiten, nette Leute treffen, Essen gibt es auch. Egal wenn das Dessert nicht schmeckt oder ich einen Vortrag nicht sehen kann, zahlt ja eh die Firma, hoch die Tassen!“. So denke ich als Vorstand unseres Unternehmens nun mal nicht.

    Ich bin an diesem Tag zum zweiten Mal in einem „Ersatz“-Vortrag gelandet. Der andere Vortrag war durchaus interessant, Ihr Vortrag hat mir nichts Neues gebracht und durch das Überziehen noch dafür gesorgt, dass ich Probleme beim Einlass zum nächsten Vortrag bekam.

    Mehrfach hörte ich in dem Vortrag „Warum nicht mal etwas frecher“, gefolgt von einem relativ braven Beispiel. Wie „frech“ geht, konnte man z. B. in den Vorträgen von Nic Lecoux oder Miriam Forhmann sehen. Auch auf Einwände wie „mit vorgetäuschter Verknappung werben wird heutzutage abgemahnt“ wurde nur oberflächlich eingegangen.

    Umgerechnet auf 7 Timeslots fragt man sich dann: „War mir das jetzt 50 Euro wert?“. Rückblickend sage ich: „Für mich nicht!“. Dass ich den Vortrag lediglich „brav und unspektakulär“ fand, ist aber ehr ein Problem zwischen mir und dem Veranstalter, denn unter anderen Umständen, hätte ich mir einen anderen Vortrag angehört. Ich bin sicher, es gab diverse Teilnehmer, die viel aus Ihrem Vortrag mitgenommen haben.

    Gerne kann man mich bei einem Vortrag beobachten. Entweder am 2. Mai hier beim IHK-Unternehmerforum:

    https://www.facebook.com/events/1852347405030109/

    oder am 10. Mai hier:

    http://www.ebusinesslotse-owl.de/Veranstaltungen/wie-veraendern-sich-geschaeftsmodelle-ebusiness-lotse-owl/

    Grüße vom Autor (hat kurz in die Hose geblickt und beruhigt festgestellt, dass er keine Autorin ist)

  • 10. April 2017 at 17:36
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    @Kai de Wals – interessant. Als Redner, der in dem klasse geteaserten, sehr unterhaltsam und nachvollziehbar geschriebenen Bericht am wenigsten kritisiert wurde (zwei wurden zudem positiv erwähnt), springen Sie für die Kollegenschaft aber ganz schön persönlich in die Bresche. Waren Sie tatsächlich bei allen genannten Vorträgen selbst dabei, um genau Bescheid zu wissen, wie diese beim Publikum ankamen?

    @Arne – werden die Vorträge zum Nachgucken aufgezeichnet?

    LG, Claudia

  • 11. April 2017 at 09:17
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    @Claudia Goepel: Ich glaube nicht. Habe keine dauerhaften Kameras gesehen. Es wurde meine ich nur auszugsweise gefilmt.

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