Journalistisches Schreiben leicht gemacht

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– warum, wieso, weshalb und vor allem… wie?

Mit den neuen Medienformaten, die uns das Internet bietet, sehen sich immer mehr Menschen mit der Herausforderung konfrontiert, journalistisch schreiben zu müssen. Um den Wunsch, bei Google und anderen Suchmaschinen vorne dabei zu sein, zu erfüllen, gerät die Textqualität immer mehr in den Fokus der Web-Texter. Ob in Firmenredaktionen, PR-Abteilungen oder für den privaten Blog – journalistische Texte werden in vielen Bereichen auch abseits des klassischen Journalismus benötigt. In diesem Blogbeitrag der Reihe „Journalistische Genres“ möchten wir Sie in die journalistische Textarbeit einführen und Ihnen einen Überblick über die Prinzipien des Journalismus verschaffen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Darstellungsformen vor und reißen die jeweiligen Textfunktionen kurz an. In den kommenden Wochen stellen wir Ihnen dann detaillierte Beiträge zu den einzelnen Textsorten Meldung, Bericht, Interview, Portrait, Reportage, Rezension/Kritik und Kommentar zur Verfügung.

Journalistisches Schreiben – nicht nur für Journalisten

Für viele Hobby- und Berufstexter ist die journalistische Tätigkeit ein angestrebtes Ziel. Das Berufsfeld ist spannend, vielseitig und kreativ. Darüber hinaus genießen Journalisten in der breiten Öffentlichkeit ein relativ hohes Ansehen, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung. Dabei ist heute längst nicht nur mehr der klassische Journalist journalistisch tätig. Journalistische Texte sind hochwertige Texte, da sie über ausgeklügelte Konzeptionen verfügen und auf spezifische Zielgruppen ausgerichtet sind. Das gefällt nicht nur dem Leser, sondern auch der Suchmaschine. Die Effektivität der Darstellungsformen macht ausgefeilte Textstrategien auch für Unternehmen zu einem wichtigen Instrument der öffentlichen und internen Kommunikation. Ob Kundenmagazin, Mitarbeiterzeitschrift, Pressemeldungen, Newsletter oder Firmenblog: In der Unternehmenskommunikation sind journalistisch aufbereitete Texte ebenso gefragt wie bei großen Tageszeitungen und Online-Journalen. Das Web 2.0 ermöglicht zudem jedem die Veröffentlichung und Verbreitung von Inhalten und bietet damit Hobbytextern eine große Chance, publizistisch tätig zu werden und sich der Darstellungsformen des Journalismus zu bedienen, um den privaten Blog oder die eigene Homepage mit qualitativ hochwertigen und leserfreundlichen Texten aufzuwerten.

 

Darstellungsformen beim journalistischen Schreiben

Als Nutzer von Massenmedien begegnen uns journalistische Texte tagtäglich in unterschiedlichster Form. Ob Zeitung, Fernsehen, Radio oder Internet: Journalistisch aufbereitetes Material ist in allen Medien vertreten und befriedigt dabei auf ganz unterschiedliche Weise unseren Durst nach Information, und nicht selten auch nach Unterhaltung. Die Medientexte unterscheiden sich dabei nicht nur in Sachen mediale Aufbereitung. Ob im Printformat oder durch den audiovisuellen Kanal, die mediale und thematische Vielfalt des Journalismus hat eine ganze Reihe an unterschiedlichen Darstellungsformen hervorgebracht, die sich über alle Medienformate hinweg etabliert haben. Die verschiedenen Textsorten orientieren sich dabei gezielt an den jeweiligen kommunikativen Aufgaben der Texte und der Zielgruppe. Zu den klassischen Darstellungsformen des Journalismus zählen:

  • die Meldung
  • der Bericht
  • die Reportage
  • das Interview
  • der Kommentar
  • das Portrait
  • die Kritik

Jede Textsorte hat dabei ganz unterschiedliche kommunikative Funktionen. Für die Texterstellung gelten demnach auch unterschiedliche Regeln bzw. Konventionen, die sich bewährt haben. Diese betreffen nicht nur formale Aspekte wie den strukturellen Aufbau oder thematische Affinitäten bestimmter Textsorten. Ein bedeutender Unterschied liegt vor allem in den verschiedenen Prinzipien der Informationsdarstellung. Hier spielt besonders die Frage nach dem Grad an Objektivität eine Rolle. Denn auch wenn an den Journalismus die allgemeine Erwartung an möglichst viel Objektivität und Neutralität gestellt wird, so sind längst nicht alle Texte objektiv, und müssen es auch nicht sein.

 

Objektivität versus Subjektivität

Der klassische Journalismus, der sogenannte Informationsjournalismus, unterscheidet sich nicht nur von anderen Textgenres wie Literatur oder Werbung, er unterscheidet sich auch von neueren, unkonventionelleren Formen des Journalismus wie dem Gonzo-Journalism, der sich literarischer Darstellungsformen bedient und Fakten und Fiktion verschwimmen lässt. Der Informationsjournalismus hingegen lebt von Glaubwürdigkeit. Ohne diese wäre er hinfällig. Denn ohne Glaubwürdigkeit wäre die sogenannte vierte Gewalt im Staat lediglich eine Medieninstitution mit Unterhaltungsbestrebung. Deswegen gibt es eine klare Trennung zwischen der Darstellung faktischer Information und der Darstellung der eigenen Meinung des Autors. Das bedeutet nicht, dass der Journalismus keinen Platz für subjektive Informationsdarstellung bietet. Bestimmte Textsorten, etwa der Kommentar und die Kritik, kämen ohne diese gar nicht aus. Der Journalismus unterscheidet innerhalb seines Textrepertoires zwischen informierenden Darstellungsformen einerseits und kommentierenden bzw. interpretierenden Darstellungsformen andererseits. Auf der einen Seite gibt es Textsorten, die rein informativ sind und auf der anderen Seite solche, die einen starken subjektiven Charakter haben. Zwischen diesen Polen existiert eine Reihe von Mischformen, die sich auf unterschiedliche Weise und unterschiedlich stark beider Darstellungsformen bedienen. Eine strikte Trennung ist nicht immer nötig oder gar möglich, wohl aber eine deutliche Markierung. Subjektive Meinungen müssen deutlich gekennzeichnet werden, Fakten müssen auf verlässlichen Quellen beruhen und nachprüfbar sein. Hinzu kommen weitere Dimensionen, die neben Informations- und Interpretationsaspekten eine Rolle spielen. So ist auch der Unterhaltungsfaktor ein kommunikatives Element, das je nach Textsorte mehr, weniger oder manchmal auch gar nicht in journalistischen Texten umgesetzt wird. In einem Schaubild lassen sich die einzelnen Textsorten übersichtlich nach ihren Kommunikationsfunktionen etwa wie folgt einordnen:

Matrix zum journalistischen Schreiben

 

 

Journalistisches Schreiben – weniger Kunst, mehr Handwerk

Mit den unterschiedlichen Aufgabenfeldern Information, Interpretation und Unterhaltung ergeben sich auch unterschiedliche formale und stilistische Konventionen der Textgestaltung. Diese strikten Regeln sind unabdingbar für die Texterstellung journalistischer Texte und stellen gerade für Neulinge in der Branche eine Herausforderung dar. Andererseits bieten sie aber auch ungemeine Vorteile. Denn die Stilnormen und strukturellen Vorgaben machen aus der Kunst ein Handwerk, das erlernt werden kann. In unserer Reihe zum Thema „Journalistisches Schreiben“ zeigen wir Ihnen, wie Sie informative Meldungen verfassen, wo der Unterschied zwischen einer Nachricht und einem Bericht liegt und was Sie für einen ausdrucksstarken Kommentar beachten müssen. Nach und nach werden wir die einzelnen Darstellungsformen detailliert beleuchten, ihre Funktionen und Charakteristika aufzeigen und Sie mit den wichtigsten Tipps und Tricks für das Verfassen journalistischer Texte versorgen.

Freuen Sie sich auf die ausführlichen und interessanten Beiträge unserer Reihe.

Beitrag 1: Die informative Meldung
Beitrag 2: Die kulturelle Kritik
Beitrag 3: Das unterhaltsame Interview
Beitrag 4: Der Kommentar
Beitrag 5: Das menschliche Portrait

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One thought on “Journalistisches Schreiben leicht gemacht

  • 1. August 2015 at 00:27
    Permalink

    Na, da bin ich ja gespannt, Frau Einheuser,

    ob Sie mich mit dieser Artikelserie überzeugen können. Am ersten Beitrag habe ich schon einmal nichts zu meckern.

    Es grüßt Sie und die Content-Community
    Peter Umlauf (23 Jahre Redakteur einer lokalen Tageszeitung für Kultur, Sport und Lokales)

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