Teil 3 Crowdfunding für Verlagsdienstleistungen

Im dritten und letzten Teil dieser Beitragsreihe geht es um Crowdfunding für Verlagsdienstleistungen. In diesem Fall bestimmen Unterstützer, welches Buch einen Verlagsvertrag erhalten und auf den Markt kommen soll. Autoren haben hier zwei Möglichkeiten: Sie können ihr Buch selbst auf einer Crowdfunding-Seite speziell für Bücher einstellen oder sie wenden sich an einen Crowdfunding-Verlag. Lesen Sie im dritten Teil unserer Serie „Crowdfunding“, wie Sie dabei vorgehen.

Crowdfunding speziell für Bücher: 100fans.de

Neben allgemeinen Crowdfunding-Plattformen wie Startnext.de oder visionbakery.de gibt es Seiten, die auf bestimmte Projektarten spezialisiert sind. Die Seite 100fans.de gehört zur Münchner Verlagsgruppe und ist eine Crowdfunding-Plattform speziell für Bücher: Autoren wird hier die Möglichkeit geboten, Manuskripte und Auszüge aus ihren Büchern kostenfrei vorzustellen. Die Lese-Community entscheidet dann, ob sie die Herausgabe des Buchs unterstützen möchte, indem sie ein „Fanpaket“ bestellt, das (mindestens) das fertige E-Book oder Print-Buch enthält. Bei mehr als 100 Unterstützern bekommt der Autor einen Vertrag und das Buch wird mit den üblichen Verlagsdienstleistungen wie Covergestaltung, Lektorat und Vertrieb herausgegeben. Sollten weniger als 100 Unterstützer das Buch vorbestellt haben, bekommen diese ihre Investition zurück. Bisher wurden auf der Seite 20 Buch-Projekte aus verschiedenen Genres erfolgreich realisiert; wie viele bereits eingestellt wurden lässt sich jedoch nicht erkennen. Derzeit laufen zwei Projekte auf der Seite.

Ablauf eines Crowdfunding-Projekts auf 100fans:

Bei 100fans kann jeder Autor sein Buch oder eine ausgereifte Buchidee kostenfrei einstellen. Dies kann ein Roman genauso wie ein Sachbuch oder Bildband sein. Der Inhalt muss den allgemeinen Geschäftsbedingungen von 100fans entsprechen, ansonsten sind Autoren frei in der Themen- und Genrewahl.

Benötigtes Material

Um ein Buch-Projekt einzustellen, werden ein Cover oder Imagebild, ein Teaser von 150 Zeichen, eine Projektbeschreibung von maximal 3.000 Zeichen sowie eine Leseprobe mit maximal 10.000 Zeichen benötigt. Bei Bildbänden werden entsprechend weniger Textauszüge, dafür mehr Bilder benötigt. Zusätzlich lassen sich Videos, Illustrationen oder anderes Bildmaterial einbinden.

Angabe der Seitenzahl

Zur Kalkulation des Buchpreises muss bei der Einstellung des Projekts die genaue Seitenzahl angegeben werden; diese lässt sich bei einem eingestellten Projekt auch nicht mehr ändern. Im Prinzip eignet sich 100fans damit nur für bereits fertiggestellte Bücher. Wie die Seitenzahl kalkuliert wird, ist im Handbuch für Autoren erklärt.

Verdienstmöglichkeiten für Autoren

Das Einstellen des Projekts ist kostenlos; bei erfolgreicher Realisierung erhält der Autor 25 Prozent des Nettoerlöses aus dem Verkauf gedruckter Bücher und 30 Prozent des Nettoerlöses aus dem Verkauf der E-Books. Zudem können Autoren an Fanpaketen verdienen: Eine begrenzte Anzahl an Unterstützern kann für einen Aufpreis von 100 Euro namentlich in der ersten Auflage des gedruckten Buches erscheinen. Von diesem Preis erhält der Autor 80 % des Nettoerlöses. Zudem wird für einen Preis von 2000 Euro plus Buchkosten eine Lesung als Fanpaket für Unterstützer angeboten. Hiervon erhält der Autor 80 % minus Reise- und Übernachtungskosten.

Fundingphase

Wenn das Projekt innerhalb von 10 Wochen 100 Unterstützer findet, wird es realisiert. Auch hier läuft natürlich nichts ohne Bekanntmachung des Projekts auf anderen Kanälen und eine vorab bestehende Fangemeinde oder genaue Zielgruppe.

Crowdpublishing-Verlage:

Die Möglichkeiten des Crowdfunding haben auch Verlage bereits erkannt. Ein sogenannter Crowdpublisher übernimmt eine erste Vorselektion der eingereichten Manuskripte. Sieht der Verlag Potenzial, berechnet er die nötige Finanzierungssumme und stellt das Buchprojekt auf einer der größeren allgemeinen Crowdfundingseiten ein. Was letzendlich verlegt wird, entscheidet die Community – finden sich genügend Abnehmer für das Buch, wird es vom Verlag herausgegeben.

Was Crowdpublisher von klassischen Verlagen unterscheidet, ist, dass sie Leser und Autoren näher zusammenbringen. Da die Zielgruppe direkt miteinbezogen wird, haben Crowdpublisher zudem ein weit geringeres Investitionsrisiko als klassische Verlage – schließlich wird das Buch nur herausgegeben, wenn eine erste Auflage bereits verkauft ist. So kann Autoren der Eintritt in die Verlagswelt erleichtert werden, denn auch Bücher, die für einen klassischen Verlag zu risikoreich wären, können bei Crowdpublishern eine Chance haben. Crowdfunding-Verlage sind noch neu auf dem Buchmarkt, mehrere realisierte Projekte sind beispielsweise beim kladde|buchverlag zu finden. Auch Nextbookup und Schwarmbuch verstehen sich als Crowdfunding-Verlage.

kladde|buchverlag

Der 2013 gegründete kladde|buchverlag ist der erste Crowdpublisher in Deutschland. Das Team selektieret Titel vor und stellt ausgewählte Bücher auf den Plattformen Startnext und VisionBakery ein. Der Crowd-Publisher sieht sich nicht als Nischen-, sondern als Indie-Verlag, bei dem auch neue Autoren mit guten Büchern eine Chance haben – und Leser aktiv an dem Prozess teilhaben können. Wichtig sind dem Unternehmen Qualität und Vielfalt auf dem Buchmarkt sowie bessere Konditionen für Autoren und regionale Buchhändler. Bisher konnte der Verlag sechs Projekte auf Startnext und fünf Projekte auf VisionBakery realisieren. Autoren können ihr fertiges Manuskript und Exposé einreichen; generell ist der kladde|buchverlag offen für alle Genres.

Nextbookup

Auch Nextbookup bezeichnet sich als Crowdfunding-Buchverlag, der Kampagnen für seine Autoren auf der allgemeinen Plattform Startnext einstellt. Ähnlich wie der kladde|buchverlag hat das Unternehmen die Vision, individuelle und einzigartige Bücher zu fördern, die vorab vom Verlag ausgewählt werden. Laut Website sind hier derzeit über 12 Autoren mit insgesamt 27 Buchprojekten unter Vertrag; welche bereits über Startnext realisiert wurden, ist jedoch nicht einzusehen. Autoren werden genau wie Mitarbeiter und Lizenznehmer am Unternehmensgewinn beteiligt und erhalten ein zusätzliches Honorar. Nextbookup legt zudem Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung, 5 % des Umsatzes gehen an gemeinnützige Zwecke. Autoren können ihr Manuskript und ein Exposé einreichen, das vom Verlag überprüft wird.

Schwarmbuch

Schwarmbuch gehört zur BlueCat Medien GmbH und unterstützt ausgewählte Buchideen mit der unternehmenseigenen Crowdfunding-Beratungs-Agentur. Bei erfolgreichem Funding erhalten Autoren professionelle Verlagsleistungen; auch um Vertrieb und Marketing kümmert sich das Unternehmen. Als Vergütung wird ein individueller Pauschalbetrag für Vorverkäufe durch das Crowdfunding-Projekt vereinbart, zudem werden Autoren laut Website mit überdurchschnittlichen Tantiemen an Einnahmen aus dem Verkauf im stationären Handel, Online-Handel und Verwertungsbereichen beteiligt. Aktuelle und vergangene Buchprojekte sind für Schwarmbuch jedoch nicht zu finden.

Zusammenfassung und Fazit: Crowdpublishing für Verlagsdienstleistungen

Die beiden genannten Möglichkeiten eignen sich für Autoren, die eine ausgereifte Buchidee oder ein Manuskript haben und die weiteren Schritte nicht als Self-Publisher, sondern in Zusammenarbeit mit einem Verlag stemmen möchten. Damit werden ihnen Kalkulation, Lektorat, Druck, Gestaltung, Vertrieb und Versand der Bücher/sonstigen Gegenleistungen bei erfolgreichem Funding abgenommen.

Bei 100fans fällt die verlagstypische Qualitätskontrolle bei der Vorauswahl der Bücher weg – prinzipiell hat jeder Autor hier die Chance auf Veröffentlichung, indem er sein Projekt in Eigenregie einstellt; die Vorselektion der Bücher erfolgt direkt durch die Leser. Auch wenn sich die Seite an Autoren mit Manuskripten oder ausgereiften Buchideen richtet, reicht eine Idee in den meisten Fällen vermutlich nicht, da bei Projektanlegung die genaue Seitenzahl zur Kalkulation des Buchpreises (Buchpreisbindungsgesetz) angegeben werden muss. Festgelegte Gegenleistungen (Buch, E-Book und Fanpakete mit Buch plus namentlicher Erwähnung/Lesungen) machen die Einstellung des Projekts bei 100fans leichter, nehmen ihm aber auch ein bisschen an Persönlichkeit. Generell kann 100fans jedoch eine gute Alternative für Autoren sein, die sich komplett auf das Schreiben fokussieren möchten. Hier erhalten Sie bei erfolgreichem Funding Verlagsleistungen aus einer Hand und haben eine erste Auflage sicher. Bezahlt werden Autoren hier prozentual am Nettoerlös des Buchs, die Tantiemen sind etwas höher als verlagsüblich.

Crowdpublishing-Verlage beginnen „traditionell“ bei der Prüfung eines Manuskripts. Zwar muss ein Autor hier zunächst durch die Qualitätskontrolle; wenn das Manuskript angenommen wird, unterstützen Verlage Autoren aber bereits in der Crowdfunding-Phase. Durch das geringe Risiko für den Verlag haben auch Bücher mit Nischenthemen Chancen, denn der Verlag muss nicht nach hoher Massentauglichkeit entscheiden, welches Buch Unterstützung verdient. Häufig bieten die kleinen Verlage Gewinnbeteiligungen und legen hohen Wert auf Fairness und Qualität – damit heben sie sich als Indies von den größeren Herausgebern ab und sprechen genau die Zielgruppe der Crowdfunding-Plattformen an. Denn lässt man den Aspekt der Finanzierung einmal außen vor, ist Crowdpublishing vor allem ein Modell, das Leser und Autoren näher zusammenbringt. Unterstützer sind durch finanzielle Hilfe und einen Vertrauensvorschuss in das Projekt involviert und interessieren sich in der Regel für ein besonderes Produkt, das auch wirklich förderungswürdig ist. Aspekte wie mehr Vielfalt auf dem Buchmarkt, Unterstützung lokaler Buchhändler und Druckereien spielen hier entsprechend ebenfalls mit hinein. Wenn Verlag und Autor zusammenpassen, kann dies auch für neue Autoren eine Chance für eine gute Zusammenarbeit sein.

Anders als auf 100fans können Autoren bzw. der Crowdpublishing-Verlag die Gegenleistungen auf Startnext und VisionBakery selbst festlegen und die Kalkulierung der Beträge hierfür etwas „lockerer“ angehen. Neben dem Buch (das preisgebunden sein muss) sind beispielsweise auch Lesezeichen oder andere zum Projekt oder Verlag passende Gegenleistungen möglich. Dies schafft einen persönlicheren Bezug zwischen Unterstützer und Initiator, was für viele Projekte sicher wichtig ist.

Als Crowdfundingseite nur für Bücher hat 100fans sicher nicht so eine hohe Reichweite wie z. B. Startnext, dafür richtet sie sich jedoch ausschließlich an Leser, also die direkte Zielgruppe. Auf den allgemeinen Crowdfunding-Seiten können Projekte hingegen auch von Fans unterstützt werden, die das Projekt zufällig entdecken. Während ein Roman möglicherweise auf 100fans besser aufgehoben ist, können ein Ratgeber oder eine Doku, die nicht unbedingt die Zielgruppe Leser ansprechen, vielleicht auf den allgemeinen Seiten mehr Unterstützer finden. Um genügend Fans zu gewinnen, müssen Autoren jedoch in allen Fällen Zeit in Vernetzung und Werbung investieren und ihr Projekt über andere Kanäle weiterverbreiten.

 

Auf dem Buchmarkt hat sich in den letzten Jahren viel getan. Self-Publisher erreichen den lokalen Handel, kleine Verlage realisieren Neues mit Hilfe der Crowd und auf der Frankfurter Buchmesser werden Indie-Autoren ausgezeichnet. In einem Beitrag lässt sich das alles zwar nicht wiedergeben, aber vielleicht hat ja auch der eine oder andere Autor von content.de bereits Erfahrung mit Crowdfunding für ein eigenes Projekt gemacht – wir freuen uns über Kommentare! 😉

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